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BUND Landesverband
Hessen e.V.

Nicht nur eine Spottbezeichnung für Opportunisten: Der Wendehals

Der Wendehals (Jynx torquilla) ist nicht viel größer als ein Haussperling und ähnlich unauffällig in Braun- und Grautönen gefärbt. Typisch aber ist die überall vorhandene, mehr oder weniger gebänderte schwarze Musterung des Gefieders, besonders im Bereich der rahmfarbenen Kehle. Das Rücken- und Schwanzgefieder hat einen eher graubraunen Grundton, die Bauchseite ist beige bis hellbraun. Seinen Namen, der heute gerne als Spottbezeichnung für Opportunisten verwendet wird, verdankt er seinem merkwürdigen Balz- und Drohverhalten, bei dem er allerlei Verrenkungen seines Kopfes darbietet. Mit quäkenden, etwas melancholisch klingenden Rufreihen markiert er sein Revier. 

Wendehals (Foto: Herwig Winter) Wendehals (Foto: Herwig Winter)

Spätestens Mitte April kehrt der Wendehals aus seinem zentralafrikanischen Winterquartier zurück in seine europäischen Brutgebiete. Weinberge mit zahlreichen Hecken und Obstbäumen gehören dazu genauso wie Streuobstwiesen oder naturnahe Parkgebiete. Sandiger Untergrund darf in seinem Nahrungsbiotop allerdings nicht gänzlich fehlen, denn er erleichtert ihm offenbar die Nahrungssuche.

Gehört zur Familie der Spechte

Der Wendehals gehört in die Familie der Spechte, was unter anderem an der Haltung der Zehen zu erkennen ist. Beim Kletterfuß der Spechte sind stets zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten gerichtet. Im Gegensatz zu den Spechten zimmert er allerdings selbst keine Nisthöhlen, sondern sucht sich alte Spechthöhlen oder auch Nistkästen als Brutplatz. Was er aber wiederum mit den Bodenspechten gemein hat, ist die Ernährung vorwiegend von Ameisen und deren Puppen. Dabei sammelt er die Beute mit seiner klebrigen Zunge und befördert sie in seinen Kehlsack, der bis zu 150 Beutetiere fasst. Der Inhalt des Kehlsacks wird dann an die Jungen verfüttert, deren Zahl meist zwischen sieben und neun beträgt und die nach fast zweiwöchiger Brut Mitte bis Ende Mai geschlüpft sind. Der tägliche Nahrungsbedarf eines Jungvogels besteht dabei aus zwischen 8.000 und 12.000 Ameisenpuppen. Nach etwa drei Wochen Fütterungszeit sind sie flügge, werden aber von den Eltern weitere zwei Wochen lang mit Nahrung versorgt.  

In Hessen schon fast ausgestorben

In ganz Hessen gibt es nur noch zwischen 200 und 250 Brutpaare, so dass die Rote Liste der Vögel Hessens den Wendehals in der Gefährdungskategorie 1 führt, was bedeutet, dass er unmittelbar vom Aussterben bedroht ist. Das Überleben dieser Art in Hessen ist unwahrscheinlich, wenn die Gefährdungsursachen weiterhin einwirken oder bestandserhaltende Schutz- und Hilfsmaßnahmen nicht unternommen werden. Zu diesen Maßnahmen gehört vorrangig der strikte Schutz der Brut- und Nahrungsbiotope. Als Höhlenbrüter benötigt der Wendehals alte Bäume mit Naturhöhlen, er meidet jedoch geschlossenen Wald. In Hessen bevorzugt er Streuobstbestände mit angrenzender, reichhaltig strukturierter Offenlandschaft. 

Mehr Artenportraits?

Herwig Winter freut sich über Rückmeldung: Falls Sie sich ein Portrait zu einer speziellen Tier- oder Pflanzenart wünschen, können Sie das Herwig Winter gerne mitteilen. Vielleicht ein Tier mit Q? – Sie erreichen ihn unter herwig.winter(at)bund.net.  

Bildverwendung

Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet – allerdings nicht auf anderen Internetseiten veröffentlicht werden. Andere Verwendungszwecke müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden. 

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(Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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