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BUND Landesverband
Hessen e.V.

Der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) und der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) sind die bei weitem häufigsten Vertreter unter den Maikäfern. Der Name Maikäfer ist sozusagen sein Programm: Kaum dass Anfang Mai frisches Grün die Laubwälder krönt, kommt der Käfer aus dem Boden und fällt darüber her. Doch das macht er keineswegs jedes Jahr, sondern er hält sich an einen Vierjahreszyklus. Wie kommt es dazu?

Feldmaikäfer (Foto: Herwig Winter) Feldmaikäfer (Foto: Herwig Winter)

Vier Jahre unter der Erde, vier Wochen im Kronendach der Bäume

Waldmaikäfer (Foto: Herwig Winter) Waldmaikäfer (Foto: Herwig Winter)

Wenn die Maikäfer mit lautem Gebrumm unterwegs sind, dann steuern sie stets Laubbäume an. Etwa drei Wochen lang fressen sie oft ganze Wälder kahl, wobei die Blattmasse dem Weibchen in erster Linie dazu dient, rund 100 Eier zu produzieren. Nach der Paarung werden die Eier in den Boden abgelegt, wo aus ihnen kleine Larven schlüpfen. Und jetzt beginnt das, was die Forstleute weit mehr fürchten als den Blattfraß der Käfer, denn die kahlgefressenen Bäume treiben Anfang Juni neue Blätter.

Jedoch die Larve, auch Engerling genannt, wird bei einer Massenvermehrung zu einem kaum noch lösbaren Problem. Denn diese Larve frisst zwar im ersten Jahr lediglich die Wurzeln von Gräsern und Kräutern, doch vom zweiten bis vierten Jahr macht sie sich über die Wurzeln junger Bäume her, so dass der Nachwuchs des Waldes in weiten Bereichen zwischen Lampertheim und Darmstadt keine Chance zum Überleben mehr hat.

Massenvermehrung alle 30 bis 40 Jahre

Etwa alle 30 bis 40 Jahre machen die Maikäfer solche Massenvermehrungen, wobei diese Überpopulation dann irgendwann meist aufgrund von Krankheiten zusammenbricht und man dann für lange Zeit den Eindruck gewinnt, die Maikäfer seien ausgestorben, was einst Reinhard Mey zu seinem sentimentalen musikalischen Nachruf „Es gibt keine Maikäfer mehr” veranlasst haben mag. Doch die Maikäfer erfreuen sich dank menschlicher Aktivitäten wie der Absenkung des Grundwasserspiegels bester Bedingungen, was sie mit nie da gewesener Vermehrungsrate belohnen. So kommt es, dass den durch Abgase und Trockenheit vorgeschädigten Waldökosystemen in der Rheinebene der Zusammenbruch droht.

Doch statt den menschgemachten Ursachen für das Waldsterben zu Leibe zu rücken, will man immer wieder den Maikäfern vom Hubschrauber aus mit Pilzsporen und Fraßgiften, die man aus dem indischen Neem-Baum gewinnt, ans Leder. Dieses Gift tötet die Käfer nicht, aber es soll ihre Vitalität und damit ihre Vermehrungsrate beeinträchtigen. Im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als man das Problem mit dem Insektizid DDT zu lösen versuchte und dabei in den Wäldern der Rheinebene für einen stummen Frühling sorgte, wäre das immerhin ein Fortschritt. Doch das Maikäferproblem lösen wird es wohl kaum. Da hilft auch der hin und wieder gestartete Versuch nicht, mit tödlichen Insektiziden anzurücken.

Feldmaikäfer im Flug (Foto: Herwig Winter) Feldmaikäfer im Flug (Foto: Herwig Winter)

Kuriositäten früherer Zeiten

Der Kampf gegen Maikäfer in früheren Zeiten war beschaulicher und darüber hinaus von einer kulinarischen Besonderheit begleitet, der Maikäfersuppe. Ohne Flügel und Beine wurden die Maikäfer in Butter geröstet und beispielsweise in Hühnerbrühe gegart. Der Geschmack soll dem von Krebssuppe ähneln. Eine weitere Kuriosität stellen Gerichtsverhandlungen dar, die man im Mittelalter gegen Maikäfer geführt hat. Dabei wurden die Tiere dazu verurteilt, binnen Dreitagesfrist ein mit Tafeln gekennzeichnetes Areal zu verlassen, ansonsten wären sie vogelfrei und der Ausrottung preisgegeben. Bevor jemand aus heutiger Sicht über so viel Naivität herablassend lächelt, sollte sie oder er sich allerdings einmal die Erfolgsgeschichte der modernen Bekämpfungsmethoden mit chemischen und biologischen Waffen genauer betrachten. Derzeit ist jedenfalls nicht erkennbar, dass sie wirkungsvoller als Gerichtsverhandlungen sind.

Wer wissen möchte, was man sonst noch alles mit Maikäfern machen kann, die man zuvor von den Bäumen geschüttelt hat, dem sei Wilhelm Buschs Geschichte von Max und Moritz empfohlen, doch gleichzeitig zur Vorsicht bei Nachahmung geraten, da die dort verbreiteten Rezepte mit dem Einhandeln von Ärger verbunden sind, den man unweigerlich mit seinen Mitmenschen bekommt. 

Mehr Artenportraits?

Herwig Winter freut sich über Rückmeldung: Falls Sie sich ein Portrait zu einer speziellen Tier- oder Pflanzenart wünschen, können Sie das Herwig Winter gerne mitteilen. Vielleicht ein Tier mit Q? – Sie erreichen ihn unter herwig.winter(at)bund.net.  

Bildverwendung

Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet – allerdings nicht auf anderen Internetseiten veröffentlicht werden. Andere Verwendungszwecke müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden. 

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(Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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