Streuobstwiesen in Hessen

Streuobstwiese (Foto: Julia Beltz)
Streuobstwiese (Foto: Julia Beltz)
1. November 2011

Spendenaufruf für die Vorderheide II

Logo Rettet die Vorderheide

In Hofheim am Taunus soll am nördlichen Stadtrand ein neues Wohngebiet auf einer Fläche von 11,3 Hektar entstehen. Das ökologisch wertvolle Naturgebiet „Vorderheide II“ soll dafür weichen. Es besteht größtenteils aus schützenswerten Streuobstwiesen, bietet zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum und stellt einen typischen Bestandteil unserer Kulturlandschaft dar.

Der BUND Hessen hat eine Normenkontrollklage gegen die Zerstörung der „Vorderheide II“ eingereicht. Wir bitten Sie, mit einer Spende eine optimale Prozessführung zu ermöglichen. Lesen Sie mehr auf unserer Seite zur „Vorderheide II“…

Streuobst – in Hessen ein Dauerbrenner

Bei der Novellierung des Hessischen Naturschutzgesetzes 2006 konnte der BUND nur mit großer Anstrengung den Status der Streuobstbestände als gesetzlich geschützte Biotope aufrecht erhalten und 2007 gab ein politischer Erlass über eine Neudefinition des Begriffs „Hochstamm“ Anlass zur Besorgnis, der wiederum unseres Einsatzes bedurfte.

Streuobstbestände unterliegen nach § 13 Hessisches Naturschutzgesetz dem gesetzlichen Biotopschutz. Auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft. Schätzungen zur Baumanzahl in Hessen schwanken zwischen 0,5 Mio. und 1 Mio. Bäumen, was einem Bestandsrückgang im 20. Jahrhundert um bis zu 95 % entspricht. Eine Kartierung des BUND aus den Jahren 2008/2009 zeigt, dass der Bestand seither stark überaltert ist und erhebliche Pflegemängel aufweist.

Es gilt also, stetig am Thema dran zu bleiben und v. a. die Bevölkerung über die Bedeutung des Streuobstes zu informieren, denn wie heißt es so schön „Nur was man kennt kann man auch lieben – und was man liebt, das ist man auch bereit zu schützen“.

Was ist Streuobst?

Als Streuobst bezeichnet man die traditionelle, extensive Form des Obstbaus (mit z. B. Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Kirsch- oder Walnussbäumen sowie Wildobst) in Unterscheidung zum Niederstamm-Obstbau in Plantagen.

Es handelt sich um Bestände meist hochstämmiger Obstbäume, aber auch um Halbstämme mit typischen Merkmalen wie weiträumigem Pflanzabstand, unterschiedlichen Altersklassen und Obstarten, starkem Wuchs und großen Baumkronen. Charakteristisch ist der Verzicht auf synthetische Behandlungsmittel sowie ein höherer Anteil „alter“, z. T. regionaltypischer Sorten.

Traditionell üblich ist die landwirtschaftliche Mehrfachnutzung der Flächen, die sowohl der Obsterzeugung als auch der Grünlandnutzung dient. Auch ackerbauliche oder gärtnerische Unternutzungen kommen vor.

Seinen Namen verdankt das Streuobst seiner unregelmäßigen, wie zufällig über die Fläche gestreuten Anordnung. Streuobst gibt es allerdings auch in Reihen- oder Einzelbaumpflanzungen.

Nutzen der Streuobstwiesen

Fotos: Herwig Winter
zum Vergrößern bitte klicken; Fotos: Herwig Winter

In Streuobstwiesen können zwischen 2.000 und 5.000 Tierarten beheimatet sein. Den größten Anteil nehmen dabei Insekten, wie Käfer, Wespen, Hummeln und Bienen ein, für viele Vogelarten sind alte Streuobstbestände durch ihren Höhlen- und Totholzreichtum die ideale Lebensstätte.
Dem Menschen bringen sie gleichermaßen Nutzen: Streuobstwiesen zeichnen sich durch eine Bewirtschaftung ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel aus und leisten somit einen wertvollen Beitrag zur gesunden Ernährung. Die Vermarktung vor Ort stärkt die lokale Wirtschaft und mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen, Blühzeiten und Herbstfärbungen gestalten sie die Landschaft.
Bis zum 20. Jahrhundert entstanden über 6.000 Obstsorten, darunter teils nur örtlich verbreitete Sorten, die mit ihrer traditionellen Bewirtschaftungsweise ein Teil der Landeskultur sind. Außerdem gilt die Vielfalt der alten Sorten gegenüber Krankheiten und Schaderregern als besonders robust und ist somit ein wertvolles genetisches Potential.
Streuobstwiesen wirken sich zudem positiv auf den Naturhaushalt aus: Sie befeuchten und kühlen die Luft, bremsen Windböen und filtern Partikel aus. Die Bewirtschaftung schont Boden und Wasser.
Ausführlich in unserem Streuobstflyer zum Download (PDF; 2,6 MB).

Die Aktion Streuobstkartierung

Ehrenamtlicher beim Kartieren (Foto: Günther Lang)
Ehrenamtlicher beim Kartieren (Foto: Günther Lang)

Aufgrund ihres Wertes dürfen Streuobstbestände nicht still und heimlich durch Bebauung, Zerschneidung und Nutzungsänderung verschwinden. Ihr Bestand muss vielmehr regelmäßig erfasst und öffentlich dargestellt werden. Deshalb erfolgte durch die Orts- und Kreisgruppen des BUND Hessen sowie externe Helfer in den Jahren 2008 und 2009 eine Kartierung der hessischen Streuobstbestände. Lesen Sie mehr über die Aktion Streuobstkartierung, Ergebnisse und Forderungen und erhalten Sie Tipps und Downloads zum Obstbaumschnitt…

Streuobstwiesenschutz durch den BUND

Der BUND setzt sich umfassend für den Schutz des Streuobstes ein. Wir sorgen für fachgerechte Anpflanzung und Sortenauswahl junger Bäume und halten das typische Schnittregime aufrecht: Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt und Erhaltungsschnitt. Darüber hinaus ist Verbissschutz anzubringen, die Baumscheibe freizuhalten, ggf. zu düngen sowie eine regelmäßige Kontrolle auf Baumkrankheiten durchzuführen. Die Pflege des blütenreichen Unterwuchses stellen wir durch Mahd oder durch die Beweidung mit den Schafherden einiger BUND-Gruppen sicher. Zusätzlich fördern wir Artenvielfalt und Strukturreichtum durch Anlage weiterer Biotope wie z. B. Hecken, Lesesteinhaufen, Nistkästen oder Tümpel.

In vielen Aktionen wie z. B. Führungen und Baumschnittkursen, Kelterfesten und Apfelproben informieren wir die Öffentlichkeit über das Streuobst. Durch Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern (Behörden, Politik, Vereinen etc.) versuchen wir, die Wertschätzung des Streuobstes in der Gesellschaft zu verankern. Zusätzlich unterstützen wir Schutz- und Vermarktungsmodelle, die den Landwirten das Streuobst ausreichend vergüten (z. B. das Aufpreismodell) oder Pflege und Ernteabnahme sichern (z. B. Baumpatenschaften), so dass der Erhalt der Streuobstbestände langfristig gewährleistet wird.

Ein erfolgreiches Beispielprojekt sind die Streuobstwiesen in Frankfurt-Sossenheim, die mit freundlicher Unterstützung durch die wunder-Stiftung auch in den kommenden Jahren ein wunderschönes Stück Natur sein werden.
Zu den Streuobstwiesen: www.bund-frankfurt.de
Zur wunder-stiftung: www.wunder-stiftung.de

Der BUND Waldeck-Frankenberg wirbt für Streuobst-Patenschaften mit dem Hainaer Klosterapfel.