BUND Landesverband
Hessen e.V.

Am 3. Januar 1841 wurde der letzte in Hessen lebende Wolf (Canis lupus) bei Neuschloss im Lampertheimer Wald erlegt. Eine Nachbildung seines Kopfes in Gips hängt im Museum Jagdschloss Kranichstein. Der Wolf war ausgerottet. Aber nun, 150 Jahre danach, kommt er zurück. Die meisten der Zuwanderer stammen aus den östlichen Verbreitungsgebieten des Wolfs in Polen, doch 2012 lebte im Westerwald erstmals ein Wolf, der seinen Weg aus Italien nach Hessen gefunden hatte. Kurz nach der Jahrtausendwende waren es zunächst Einzeltiere, die sich mehr oder weniger lang in einem Gebiet aufhielten. Seit 2019 aber gelten zwei Wölfinnen als sesshaft und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es die ersten Rudel geben wird.

Ursprünglich waren Wölfe in ganz Nordamerika, Europa und Asien verbreitet. Doch fast überall in den USA, in großen Teilen Europas und im Süden und Südosten Asiens wurden sie ausgerottet.
 

Nicht jedem Hund sieht man die Abstammung vom Wolf an. (Foto: Niko Martin)

Urvater aller Haushunde

Wolf steht im Wald Der Wolf ist zurück in Hessen. (Foto: Herwig Winter)

Ob Bernhardiner oder Zwergpinscher, alle heute lebenden Hunderassen haben den Wolf als Vorfahr und sind mit ihm artgleich, weshalb es auch gelegentlich zu Mischlingen wild lebender Wölfe mit Haushunden kommt. Manche Hunderassen sehen dem Wolf zum Verwechseln ähnlich. Deshalb gelten nur eindeutige Foto- oder Gennachweise als Bestätigung für eine Wolfsichtung.

Wölfe erreichen Kopf-Rumpf-Längen von 1 bis 1,6 Meter und Schulterhöhen von circa 65 bis 90 Zentimeter. Ihre Fellfarbe ist sehr variabel, wobei die in Europa lebenden Populationen überwiegend braungrau oder gelbgrau gefärbt sind.

Wölfe haben eine längere Schnauze als Haushunde und besitzen aufgrund ihrer vergleichsweise langen Beine einen quadratischen Körperumriss im Profil (ohne Kopf, Hals und Schwanz), während Haushunde einen eher rechteckigen Körperumriss aufweisen, wobei das Rechteck länger als hoch ist.

Ausgeprägtes Sozialverhalten

Wölfe leben in Rudeln. Das sind in der Regel Familienverbände, bestehend aus dem Elternpaar und den Jungen von bis zu vier Vorjahren. Die Jungen der Vorjahre unterstützen die Eltern bei der Aufzucht der neuen Welpen. Meist sind es zwischen vier und sechs Welpen, die im Frühjahr in dem vom Wolfsrudel selbst gegrabenen Bau zur Welt kommen. Wenn sie geschlechtsreif werden, verlassen die Jungwölfe das Rudel und ziehen auf der Suche nach einem eigenen Territorium umher mit dem Ziel, ein neues Rudel zu gründen. Die Rudelgröße liegt bei fünf bis zwölf Tieren.
In der Hierarchie sind die Elterntiere stets dominant. Unter den Jungwölfen gibt es immer wieder Konflikte meist innerhalb des gleichen Geschlechts, wobei sich in der Regel die Älteren durchsetzen, so dass es zu einer zweireihigen Rangordnung kommt.
 

Foto: Herwig Winter

Im Rudel stark

Ein Rudel von Jägern ist bestens geeignet, um Hetzjagden zu veranstalten und dabei auch Beute zu erlegen, die weit größer ist als jeder einzelne Jäger. Bei den Wolfsrudeln in Deutschland machen der Rothirsch und das Wildschwein je rund ein Fünftel der Beutetiere aus. Damit ist der Wolf der derzeit einzige natürliche Feind des Rot- und des Schwarzwildes. Die größte Bedeutung als Beutetier hat jedoch das Reh, das rund die Hälfte der Nahrung ausmacht. Einen geringen Anteil an der Nahrung des Wolfs haben Feldhase und Kaninchen, aber auch Nutria, Rotfuchs und Marderhund. Der Anteil von Haustieren, vor allem Schafen, liegt deutlich unter einem Prozent.

Wie der Mensch auf den Hund kam

Der Wolf dürfte in der Menschheitsgeschichte das erste Wildtier gewesen sein, das domestiziert wurde. Als Jäger waren die Menschen der Steinzeit hinter der gleichen Beute her wie die Wölfe und kamen sich dabei sicher auch in die Quere. Andererseits konnten die menschlichen Jäger die Jagdstrategie ihrer Konkurrenten beobachten. Da Wölfe wohl immer wieder die Nähe menschlicher Lager suchten, weil sie dort als Aasfresser Nahrung fanden, war es nur eine Frage der Zeit, bis Tiere, die besonders wenig Scheu vor den Menschen bewiesen, angefüttert und schließlich gezähmt wurden. Genauso wahrscheinlich ist, dass Jäger von ihrem Beutezug Wolfswelpen mitbrachten und aufzogen. Damit war der erste Schritt zur Domestikation und Zucht von Jagdbegleithunden getan, was den Steinzeitjägern enorme Vorteile bei der Jagd bescherte.

Wo der Wolf jagt, gedeiht der Wald

Für den Wald in Deutschland, der vielerorts unter einer viel zu hohen Wilddichte leidet, ist die Wiederkehr des Wolfs jedenfalls ein Gewinn. Voraussetzung ist allerdings, dass die zweibeinigen Jäger aufhören, die Bestandsdichte ihrer Beute durch Fütterungen auf hohem Niveau zu halten. Vor allem bei Reh- und Rotwild nämlich sorgen jagende Wölfe für eine dem Wald zugutekommende Verhaltensänderung. Während der Jäger mit dem Gewehr im offenen Gelände das Wild eher dazu bringt, sich im Wald zu verstecken und dort nach Nahrung zu suchen, bringt der sich anschleichende Wolf das Wild dazu, sein Heil im offenen Gelände zu suchen, wo es eine bessere Übersicht hat und den Feind schon auf große Entfernung wahrnimmt.

Die ökologisch stabilsten und ökonomisch ertragreichsten Wälder Europas findet man in Bosnien. Dort gilt die Volksweisheit: „Wo der Wolf jagt, gedeiht der Wald“. Für die notleidenden Wälder Hessens ließe sich der Spruch umkehren: „Wo der Wald wieder gedeihen soll, muss der Wolf jagen“. Nicht zuletzt deshalb sollten wir den Wolf willkommen heißen.
 

(Foto: Herwig Winter)

Aktuelles zum Wolf in Hessen

Sie interessieren sich für aktuelle Informationen zum Wolf in Hessen? Dann schauen Sie gerne auf unserer Themenseite zum Heimkehrer Wolf vorbei.

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(Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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