BUND Landesverband
Hessen e.V.

Bei Windkraftgegnern hoch im Kurs: Der Rotmilan

Rotmilan mit erbeuteter Eidechse (Foto: Herwig Winter) Rotmilan mit erbeuteter Eidechse (Foto: Herwig Winter)

Der Rotmilan (Milvus milvus) nutzt kleinste Aufwinde und gleitet vor allem bei der Nahrungssuche über lange Zeit und große Strecken ohne Flügelschlag. Er hält dabei vor allem Ausschau nach Aas, weshalb man ihn oft entlang von Verkehrswegen nach überfahrenen Tieren suchend beobachten kann. Dabei wird er nicht selten selbst ein Opfer des Straßenverkehrs. Seine Nahrungspalette ist insgesamt sehr reichhaltig. Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien, gelegentlich auch Fische, Vögel bis zu Taubengröße, aber auch Käfer und selbst Regenwürmer gehören dazu.

Da bei den Suchflügen die Aufmerksamkeit der Vögel auf den Boden gerichtet ist, kommt der Rotmilan oft an Hochspannungsleitungen sowie hin und wieder in den Rotoren von Windkraftanlagen zu Tode. Deshalb gelten strenge Abstandsregeln für die Horste. 1,5 km sind in Hessen vorgeschrieben. Die besten Standorte für Windkraftanlagen aus der Sicht des Rotmilans sind geschlossene, große Waldflächen, die er nur sehr selten überfliegt, da er dort seine Beute kaum orten und schlagen kann.

Im Volksmund heißt er Gabelweihe

Der tief gegabelte Schwanz hat dem Rotmilan genau wie dem verwandten Schwarzmilan die Bezeichnung Gabelweihe eingebracht. Rötlich ist sein Gefieder eigentlich nur im Schwanzbereich, auf der Bauchseite und im Bereich der Deckfedern der Schwingen. Auffällig sind im Flug die weißen Felder der Handschwingen, die kontrastieren zu den schwarzen Spitzen. Der Kopf ist gekennzeichnet durch schwarz gestricheltes Grau.

Nur wenig stimmbegabt

Im Gegensatz zum Schwarzmilan ist der Rotmilan nur wenig stimmbegabt. Sein Balz- und Reviergesang besteht mehr oder weniger nur aus einer Folge von schrill-miauenden „Wiiieeeh“-Rufen, wobei das erste „Wiiieeeh“ besonders langgezogen ist, die folgenden Rufe dagegen kürzer ausfallen. 

Seinen Horst baut er gerne in Feldgehölze oder am Waldrand. Geschlossene Wälder meidet er, denn als Nahrungsgebiet benötigt er offene Landschaften aus Wiesen und Feldern. Vereinzelt kommt es zu Mischbruten zwischen Rot- und Schwarzmilan.

Fast ganzjährig in Deutschland

Rotmilan (Foto: Herwig Winter) Rotmilan (Foto: Herwig Winter)

Im Gegensatz zum Schwarzmilan ist der Rotmilan kein echter Zugvogel; er verlässt Europa so gut wie gar nicht. Sein Brutgebiet erstreckt sich von Spanien über Frankreich, Großbritannien und Deutschland bis nach Polen und Südskandinavien. Nur die nördlich der Alpen brütenden Vögel ziehen in den Wintermonaten überwiegend nach Spanien. Da ihre Zugstrecke vergleichsweise kurz ist, ziehen sie erst in der zweiten Herbsthälfte weg und kommen oft schon Mitte Februar wieder zurück. 

Nesthäkchen haben das Nachsehen

Aber erst gegen Ende April legt das Weibchen meist drei Eier, die etwa viereinhalb Wochen lang bebrütet werden. Die Aufzucht der Jungen dauert rund sieben Wochen. Da die Eier im Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt, aber vom ersten Ei an bebrütet werden, ist das zuletzt geschlüpfte Junge klar benachteiligt. Wenn die Eltern nicht genug Nahrung finden, bleibt das Nesthäkchen nicht selten auf der Strecke, da die älteren Geschwister nur dann etwas übrig lassen, wenn sie selbst gesättigt sind. Rotmilane werden viel früher als Schwarzmilane bereits im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif.

Art nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands

Da mehr als die Hälfte der weltweiten Bruten des Rotmilans in Deutschland stattfinden, stellt er eine Art nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands dar. Das bedeutet, dass insbesondere Deutschland dazu verpflichtet ist, alles zu tun, um einen Rückgang der Brutbestände zu unterbinden. In erster Linie ist an diesem Rückgang die industrielle Landwirtschaft schuld, denn der Verlust an Arten allgemein ist in diesem Zusammenhang eines der größten und bislang ungelösten Probleme. Eine Agrarwende ist überfällig.

Zwar kommen durch Autoverkehr, Hochspannungsleitungen und Windenergieanlagen Rotmilane zu Tode, doch entscheidend für den Bestand der Population ist, dass die Brut- und Nahrungshabitate in ausreichendem Maß gegeben sind. Von fundamentalistischen Windkraftgegnern wird der Rotmilan dennoch gerne als Alibi missbraucht.

Mehr Artenportraits?

Herwig Winter freut sich über Rückmeldung: Falls Sie sich ein Portrait zu einer speziellen Tier- oder Pflanzenart wünschen, können Sie das Herwig Winter gerne mitteilen. Vielleicht ein Tier mit Q? – Sie erreichen ihn unter herwig.winter(at)bund.net.  

Bildverwendung

Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet – allerdings nicht auf anderen Internetseiten veröffentlicht werden. Andere Verwendungszwecke müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden. 

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(Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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