Auf dem Markt gibt es Gemüse unverpackt und regional.

Der Anteil der weltweit verursachten Treibhausgase aus der Viehwirtschaft ist laut einer Studie der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) mit mindestens 18 Prozent größer als der aus dem Verkehrsgeschehen und damit von enormer Bedeutung für Klima und Zukunft. 

Die Beharrungskräfte im Bereich der Ernährung sind jedoch immens, wie man unschwer am Scheitern des Veggietag-Vorstoßes der Grünen Partei erkennen konnte.

Es hat sich eine Art Teufelskreis gebildet aus der bilateralen Lethargie, in der die Konsumenten sich darauf verlassen, dass die Politik / die Regierung die Umstände in der Tierhaltung und Nahrungsmittelindustrie ändern würde, wären sie tatsächlich so schlimm wie in den Medien beschrieben. Die Politiker wiederum sehen aufgrund des unveränderten Konsumentenverhaltens keinen Handlungsbedarf. Dieser „Pluralistischen Ignoranz“ möchte der Landesarbeitskreis (LAK) Ernährungswende entgegenwirken, indem er Informationen und Baukästen für sinnvolle Aktionen der örtlichen BUND-Gruppen zusammenstellt und auf der Seite des BUND zur Verwendung anbietet.

Auf diese Weise soll im Schulterschluss mit den anderen Landesarbeitskreisen sowie ähnlich gelagerten Organisationen, z.B. dem VeBu oder den Bio-Anbauverbänden, daran mitgewirkt werden, die Ernährungsgewohnheiten zu verändern, um die Chancen für Mensch, Tier, friedliches Zusammenleben und Ökosystem zu realisieren. 

 

Ihr Kontakt:

Mathias Ilka

Arbeitskreissprecher
E-Mail schreiben

Ihr Kontakt:

Gregor Mitsch

Stellv. Arbeitskreissprecher
E-Mail schreiben

Statements des Landesarbeitskreises

Im Folgenden finden Interessierte Statements und Positionierungen des LAK Ernährungswende zu verschiedenen Schwerpunktthemen.

Alle Beiträge auf- oder zuklappen
Nachhaltige Ernährung > aktiver Klimaschutz

Die Art und Weise wie unsere Lebensmittel erzeugt werden, ist klimaschädlicher als der gesamte Verkehrssektor. Weltweit ist die Landwirtschaft für ca. 25 % aller Emissionen verantwortlich. Im Vergleich dazu werden dem weltweiten Verkehrssektor nur ca. 14 % aller klimaschädlichen Gase zugerechnet. 

Unsere übliche Mischkost ist überfrachtet mit tierischen Produkten, wie Fleisch, Wurst,  Milch, Käse, Eier oder Fisch. Das Problem ist, dass diese Mengen an tierischen Lebensmitteln weltweit nur durch schädliche industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung bereitgestellt werden können.

Es gibt grundsätzlich drei klimarelevante Aspekte in der industriellen Tierhaltung:

  1. Der Anbau von Kraftfutter
  2. Die Exkremente/Fäkalien
  3. Die Methanbelastung durch Wiederkäuer: „Rülpsende Kühe“

1. Der Anbau von Kraftfutter

Für die industrielle Tiermast und für die Milchproduktion ist eiweißhaltiges Kraftfutter (z. B. Soja) notwendig. Ohne dieses Kraftfutter könnten die gewaltigen Leistungssteigerungen in der Massentierhaltung nicht erreicht werden.  Hochleistungskühe geben 3 bis 4-mal so viel Milch als noch vor 50 Jahren, Schweine und Hühner sind nach kürzester Zeit schlachtreif.

Gerade in Südamerika wurde und wird der Regenwald, die „grüne Lunge“ unserer Erde, massiv  gerodet, um das Land für den Sojaanbau zu nutzen. Nicht selten werden die Wälder abgebrannt (Brandrodung), was zusätzliche ökologische Folgen hat: Zum einen gehen intakte Waldflächen verloren, die CO2 binden, zum anderen werden durch den Brand enorme Mengen CO2 freigesetzt. Das CO2 verbleibt in der Atmosphäre und erhöht den Treibhauseffekt, d.h. die Erde erwärmt sich weiter.

Der Flächenverbrauch für die Fleischerzeugung  in Europa ist enorm – und wird oft in andere Kontinente ausgelagert, vorneweg  Südamerika. Zwischen 2008 und 2010 waren dies durchschnittlich mehr als 30 Millionen Hektar, die die EU „virtuell“ belegt hat. Das entspricht in etwa der Fläche Ungarns, Portugals, Dänemarks und den Niederlanden zusammen. Deutschland war an diesem „virtuellen Landhandel“ mit fast sieben Millionen Hektar beteiligt, was ungefähr der Größe Bayerns entspricht. Bei einer  deutlichen Reduzierung des deutschen Fleischkonsums würden weltweit entsprechende Flächen frei für andere Nutzungen.

2. Exkremente / Fäkalien

Bei der industrialisierten Tierhaltung fallen große Mengen Exkremente, z.B. in Form von Gülle an.

Grundsätzlich ist Gülle ein wichtiger Dünger für die Erzeugung von Futtermitteln. Steht die Zahl der Nutztiere bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche in einem sinnvollen und ausgewogenen Verhältnis zueinander, ergibt sich eine nutzbringende Kreislaufwirtschaft. Entsteht jedoch aufgrund der industriellen Massentierhaltung ein Überschuss an Gülle, wird sie zum Abfallprodukt und somit zum Problem für das Klima und auch für das Grundwasser. Mit der Gülle werden Stickstoffverbindungen (Lachgas) freigesetzt, die und das 300-fache klimaschädlicher wirken als CO2.

3. Die Methanbelastung durch Wiederkäuer: „Rülpsende Kühe“

In den Verdauungsorganen der Wiederkäuer bildet sich Methan (Stichwort „rülpsende Kühe“). Methan ist ein klimaschädliches Gas (ca. 25-mal klimaschädlicher als CO2). Durch die enorme Steigerung in der intensiven Rinderhaltung wird Methan zum Klimagift, denn je mehr Rinder, desto mehr Methan.

Dies gilt jedoch nur, wenn die Tiere in intensiver Stallhaltung mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide gefüttert werden.

Eine artgerechte Weidehaltung ergibt ein ganz anderes Bild: Extensive Weidehaltung und nachhaltiges Weidemanagement haben das Potenzial Kohlenstoff zu speichern. Die Rinder stimulieren das Graswachstum, das Gras bindet durch das verbesserte Wachstum Kohlenstoff und speichert ihn im Boden als Basis des Humus. Gesunde Böden zersetzen teils mehr Methan, als die darauf weidenden Rinder produzieren. Darüber hinaus fällt in nachhaltiger Weidehaltung  keine klimaproblematische Gülle an.

Nachhaltige Ernährung > aktiver Tierschutz

Die Berichte und Reportagen aus der Massentierhaltung zeigen: Das Tier wird bei Zucht, Haltung, Transport und Schlachtung als Produktionsfaktor dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit unterworfen.  Massiver Einsatz von Antibiotika, ohne die eine solche Haltung nicht möglich wäre,  führt zu Antibiotikaresistenzen (Bakterien werden unempfindlich gegen Antibiotika, die üblichen Medikamente wirken nicht mehr, bisher gut behandelbare Infektionen können lebensbedrohlich werden).

Aber nicht nur die Nutztiere leiden. Auch den heimischen Feld-, Wald- und Wiesentieren wird unser Fleischhunger zum Verhängnis: Aufgrund der intensiven Flächennutzung durch die industrielle Landwirtschaft bleibt kein Platz mehr für Feldhamster, Lerche und Co. und sie sind vom Aussterben bedroht.

Weiterhin gilt die industrielle Landwirtschaft als Hauptverursacher für das massive Insektensterben. Gerade die Monokulturen und die Anwendung von Pestiziden stellen eine der Hauptursachen für die Gefährdung der Blütenbestäuber dar.

Nachhaltige Ernährung > weltweite Nahrungssicherheit & Ernährungsgerechtigkeit

Im Durchschnitt werden sieben pflanzliche Kalorien benötigt, um eine tierische Kalorie zu produzieren. Alle Nutztiere dieser Welt haben einen Kalorienbedarf, der dem von 8,7 Milliarden Menschen entsprechen würde (Zitat von Dr. Ernst Walter Henrich aus dem Arte-Dokumentarfilm „Die Hungerkrise“ von 2008).  Die Erde kann alle Menschen ernähren unter der Voraussetzung, dass wir unseren Ernährungsstil ändern.

Laut einer Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (veröffentlicht in dem Wissenschaftsportal Nature Communications) können 9 Mrd. Menschen mit ökologischer Landwirtschaft ernährt werden, ohne dass zusätzliche Flächen zur Verfügung gestellt werden müssen. Aber nur unter folgenden Bedingungen:

  • Änderung der Ernährungsgewohnheiten (deutlich weniger tierische Produkte)
  • Reduktion der Lebensmittelverschwendung
  • Änderung der Tierhaltung (z. B. bevorzugt Weidehaltung)
Nachhaltige Ernährung > Gesundheitsförderung

Unsere derzeitige Ernährung ist hauptverantwortlich für die sogenannten „Wohlstandskrankheiten“. Dazu gehören neben Herz- und Kreislauferkrankungen auch Diabetes und diverse Krebserkrankungen. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät seit Jahren zu einem pflanzlicheren Speiseplan. So wird, rein aus gesundheitlichen Gründen, von mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche abgeraten. Manche Ernährungsforscher, wie beispielsweise Dr. Markus Keller und Prof. Dr. Claus Leitzmann von der Justus-Liebig Universität Gießen, raten zur Reduktion von Milch und Milchprodukten.

Lesetipps

Lesetipps

BUND-Bestellkorb