BUND Landesverband
Hessen e.V.

Trotz seines auffälligen Gefieders bekommt man den Eisvogel (Alcedo atthis) selten zu Gesicht. Das liegt zum einen an seinem pfeilschnellen Flug dicht über der Wasseroberfläche, zum anderen daran, dass er sich gerne einen Sitzplatz unter den herabhängenden Zweigen des Ufergestrüpps sucht. Meist nur dann, wenn er von dort gerade abfliegt, kann man sein Rücken- und Flügelgefieder aufblitzen sehen, das in der Sonne hellblau funkelt und ihm die Ehrenbezeichnung "Fliegender Edelstein" eingebracht hat. Öfter als man ihn sieht, hört man seinen metallisch klingenden Pfiff, mit dem er beispielsweise dem Partner oder den Jungvögeln seine Ankunft signalisiert.  

Weibchen mit erbeutetem Signalkrebs (Foto: Herwig Winter) Weibchen mit erbeutetem Signalkrebs (Foto: Herwig Winter)

Beutefang im Sturzflug

Wasser ist sein Metier, denn im Wasser lebt seine Beute: Fische in der Größe zwischen 5 und 10 Zentimetern, Kaulquappen und Wasserinsekten sowie deren Larven und sogar wehrhafte Krebse. Der Beutefang ist spektakulär und hat dazu geführt, dass er auch als Königsfischer bezeichnet wird: 

Kopfüber stürzt sich der Eisvogel ins Wasser und packt mit seinem langen Schnabel wie mit einer Pinzette zu. Dann schnellt er aus dem Wasser, um einen nahe gelegenen Ast anzufliegen, auf den der Fisch so lange mit dem Kopf geschlagen wird, bis er das Zappeln eingestellt hat. Dann wird er mit dem Kopf voran verschluckt.  

Durch die Toilette zum Wohnzimmer

Eisvogel beim Fischen (Foto: Herwig Winter) Eisvogel beim Fischen (Foto: Herwig Winter)

Dreht der Eisvogel den Kopf des Fisches jedoch in Richtung Schnabelspitze, dann ist ein Transport vorgesehen. Von Ende März bis Anfang September dauert je nach Witterung die Brutsaison, in der zwei Bruten die Regel, aber drei durchaus möglich sind. Zwischen 6 und 8 Jungvögel warten in der Bruthöhle auf nichts sehnlicher als auf Frischfisch. Die Höhle haben die beiden Elternvögel in die Steilwand eines Uferabbruchs gegraben; sie ist rund einen Meter tief und besitzt am Ende einen etwa fußballgroßen Brutkessel.

Der Gang in den Brutkessel hat ein schwaches Gefälle nach draußen und funktioniert damit gleichzeitig als Toilettenanlage, denn die Jungen spritzen ihren Kot einfach in Richtung Ausgang. Belegte Eisvogelhöhlen erkennt man deshalb gut an den am Eingang herunterlaufenden Exkrementen, was die Elternvögel dazu veranlasst, gleich nach dem Verlassen der Höhle erst einmal ein Bad zu nehmen. Bach- und Flussbegradigungen haben dem Eisvogel vielerorts die Brutmöglichkeiten genommen und so dazu beigetragen, dass er auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht.  

Hohe Fortpflanzungsrate als Überlebensstrategie

Eisvogel vor seiner Höhle (Foto: Herwig Winter) Eisvogel vor seiner Höhle (Foto: Herwig Winter)

Mit Eis hat er nichts am Hut. Im Gegenteil: Dort wo der Winter besonders hart ist und selbst die Fließgewässer über längere Zeit mit einer Eisdecke verschließt, muss der Eisvogel, der das ganze Jahr über in seinem Brutareal bleibt, starke Einbußen seiner Population hinnehmen, die er aber dank seiner hohen Nachkommenzahl bei einer erfolgreichen Brutsaison rasch wieder ausgleichen kann.

Sein Name bezieht sich wohl eher auf das wie Eiskristalle in der Sonne funkelnde Rücken- und Flügelgefieder, das ihn als einen Verwandten einer Vogelfamilie ausweist, deren Vertreter vorwiegend in den Tropen und Subtropen zuhause sind. Natürliche Feinde wie Greifvögel hat der erwachsene Eisvogel dank seiner Schnelligkeit und seiner versteckten Lebensweise kaum zu fürchten, seine Jungen allerdings werden des öfteren Beute von Mardern oder Wieseln, wenn sie die Bruthöhle entdecken. 

Mehr Artenportraits?

Herwig Winter freut sich über Rückmeldung: Falls Sie sich ein Portrait zu einer speziellen Tier- oder Pflanzenart wünschen, können Sie das Herwig Winter gerne mitteilen. Vielleicht ein Tier mit Q? – Sie erreichen ihn unter herwig.winter(at)bund.net.  

Bildverwendung

Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet – allerdings nicht auf anderen Internetseiten veröffentlicht werden. Andere Verwendungszwecke müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden. 

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(Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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