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BUND Landesverband
Hessen e.V.

Biologie und Lebensweise

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) gehört neben dem Siebenschläfer, Baumschläfer und der Haselmaus zur Familie der Bilche, den so genannten Schlafmäusen. Sie gehören zur Ordnung der Nagetiere.

Steckbrief Gartenschläfer

Aussehen

Charakteristisch ist das schwarze Band über dem Auge bis hinter das Ohr. Diese Gesichtsmaske macht die kleine Schlafmaus unverwechselbar und bringt ihr den Spitznamen ‚Zorro’ ein. Der Rücken und die Flanken des Gartenschläfers sind graubraun bis braun, der Bauch weiß bis grauweiß. Die Ohren sind groß.

Größe

Körperlänge: 12 bis 17 Zentimeter; Schwanzlänge 10 bis 14 Zentimeter

Gewicht

60 bis 90 Gramm, im Winter bis über 130 Gramm

Nahrung

Gartenschläfer sind Allesfresser; auf dem Speiseplan stehen v.a. Insekten, Würmer, Schnecken und Eier, aber auch Früchte, Samen und Knospen. Seine Nahrung sucht der kleine Bilch am liebsten auf dem Boden.

Lebensraumansprüche

Der Gartenschläfer kommt in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor. Er besiedelt als Kulturfolger sowohl Gärten, Weinberge und Streuobstwiesen als auch die Hochlagen einiger Mittelgebirge, etwa die hohen Fichtenwälder im Harz oder im Bayerischen Wald.

Die Verschiedenartigkeit seiner Lebensräume in den unterschiedlichen Regionen ist ein Hinweis auf eine große innerartliche Biodiversität, also die genetische Vielfalt innerhalb der Art. Mit dieser Besonderheit und seinen völlig ungeklärten Bestandsrückgängen ist der Gartenschläfer ein wichtiges Symbol für die biologische Vielfalt in Deutschland.

Lebensweise

Der Gartenschläfer ist dämmerungs- und nachtaktiv. Er baut sich kugelige Schlafnester aus Moos, Gras, Laub und Federn sowie Haaren. Ein einzelner Gartenschläfer errichtet meistens mehrere Nester, zwischen denen er hin und her wechseln kann: In der Rinde von Bäumen, in Nischen zwischen Steinen und Felsen, in Erdlöchern und Baumwurzeln, verlassenen Mäusegängen und alten Vogelnestern. Auch in der Nähe des Menschen finden sich geeignete Verstecke, so zum Beispiel in Zwischenräumen von Dachziegeln und Holzstapeln. Einige dieser Verstecke eignen sich auch für den Winterschlaf. Der Winterschlaf dauert von Ende Oktober bis April. Hierfür ziehen sich die Tiere meist in tiefe Fels- oder Erdhöhlen zurück, einige überwintern aber auch in Nistkästen.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt kurz nach dem Erwachen von April bis Mai. Gartenschläfer leben polygam, sodass ein Männchen versucht, möglichst viele weibliche Tiere zu decken. Mit einem auffälligen lauten Pfeifen signalisieren die Weibchen ihre Paarungsbereitschaft. Nach drei Wochen Tragezeit werden im Mai oder Juni meist vier Jungtiere geboren. Für die Jungenaufzucht sind ausschließlich die Weibchen zuständig. Die Jungen werden vier Wochen lang gesäugt und sind nach 40 Tagen selbstständig. Die Männchen werden nach dem ersten, Weibchen nach dem zweiten Winterschlaf geschlechtsreif.

Gartenschläfer auf Äpfeln (Foto: Pröhl, fokus-natur.de) Gartenschläfer (Foto: Pröhl, fokus-natur.de)

Schutzstatus und Gefährdung

Schutzstatus

  • Berner Konvention Anhang III

  • Bundesnaturschutzgesetz § 7 Abs. 2 Nr. 13: besonders geschützte Art

  • Rote Liste Deutschland (2009): G – Gefährdung unbekannten Ausmaßes

  • Rote Liste Hessen (1995): – keine Gefährdung

In der hessischen Roten Liste der gefährdeten Säugetiere mit dem Stand von 1995 gilt der Gartenschläfer als ungefährdet. Jedoch sind in den letzten 20 Jahren die Bestände bedenklich geschrumpft, wodurch eine Neueinstufung in eine der Gefährdungskategorien wahrscheinlich ist.

Gefährdung

Greifvögel, Marder, Hauskatzen und Ratten sind die natürlichen Feinde des Gartenschläfers. Die Ursachen für den anhaltenden Rückgang sind jedoch weitgehend unklar, vielleicht sind sie in der Veränderung des Lebensraumes, dem Verlust von Strukturvielfalt oder dem Klimawandel zu finden. In Wiesbaden, in den Streuobstgebieten des Main-Taunus-Kreises und anderen Regionen, in denen der Gartenschläfer ein gewohnter Gast ist, kann man sich kaum vorstellen, dass er ansonsten fast überall im drastischen Rückgang ist. Doch in anderen Teilen Deutschlands und Europas verzeichnet diese Art den größten Populationseinbruch unter allen Nagetieren in den letzten 30 Jahren. Aus über 50% seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets ist er im letzten halben Jahrhundert verschwunden. Und niemand weiß warum...

Unser Ziel

Wir wollen die Bestände des Gartenschläfers in einem großen Teil seines deutschen Verbreitungsgebiets sichern.

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