BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Deutscher Erdüberlastungstag: Von heute an leben wir auf Pump

04. Mai 2021

Es hat nur vier Monate gedauert, bis Deutschlands verfügbare Ressourcen für 2021 erschöpft sind: Am 05. Mai 2021 ist der deutsche Erdüberlastungstag. Damit hat Deutschland an diesem Tag bereits so viele Ressourcen verbraucht, wie unserem Land rechnerisch für das ganze Jahr zur Verfügung stehen.

Klima retten! (Foto: Jörg Farys)

Frankfurt am Main. Am 05. Mai 2021 ist der deutsche Erdüberlastungstag. Damit hat Deutschland an diesem Tag bereits so viele Ressourcen verbraucht, wie unserem Land rechnerisch für das ganze Jahr zur Verfügung stehen. „Es hat nur vier Monate gedauert, bis Deutschlands verfügbare Ressourcen für dieses Jahr erschöpft sind“, kritisiert der Landesvorsitzende des hessischen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen), Jörg Nitsch. „Der frühe deutsche Erdüberlastungstag ist ein Alarmsignal und Armutszeugnis für die verfehlte Umwelt- und Naturschutzpolitik der vergangenen Jahre. Auch die Hessische Landesregierung muss dringend handeln und nach dem wegweisenden Beschluss des Bundesverfassungsgerichts deutlich ambitioniertere Klima-Ziele und Instrumente festlegen. Zugleich muss sie die überfällige Ressourcenwende einleiten! Auch in Hessen werden zu viele Ressourcen verbraucht.“

Der Umweltverband weist auf die viel zu hohe Flächenversiegelung in Hessen hin. Das Ziel der Landesregierung, den Flächenverbrauch in Hessen auf unter 2,5 ha/Tag im Jahr 2030 zu reduzieren, sei unzureichend und nicht nachhaltig. Böden und wertvolle Ackerflächen seien eine endliche Ressource. Nachhaltig sei allein eine Flächenversiegelung von Netto-Null.

Im Gegensatz zum weltweiten Erdüberlastungstag im Hochsommer liegt der deutsche Erdüberlastungstag bereits im Frühjahr. Gründe dafür sind unter anderem der weiterhin viel zu hohe Energieverbrauch, der steigende CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie die Verunreinigung von Böden, Luft und Grundwasser.

Entgegen der Zielsetzung der Landesregierung bis 2020 eine Senkung der CO2-Emissionen um 30 % im Vergleich zum Jahr 1990 zu erreichen, ist bis 2019 nur eine Minderung um 25 % erreicht worden. Bezieht man die Emissionen ein, die in anderen Bundesländern für Stromverbrauch in Hessen erfolgen, liegt die CO2-Minderung in Hessen bei nur 15 % gegenüber 1990. Die Ziele der Landesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2025 um 40 % und bis 2030 um 55 % zu vermindern, sind mit der bisherigen Politik nicht mehr erreichbar.

Dürresommer und Starkregen, der Zustand unserer Wälder, das Insektensterben oder der Verlust an Artenvielfalt: Die Folgen des unverantwortlichen Umgangs mit unserem Planeten sind auch hierzulande unübersehbar und werden sich in den kommenden Jahren verschlimmern, wenn nicht gegengesteuert wird.

Der BUND Hessen fordert von der Landesregierung klare gesetzliche Rahmenbedingungen, um gesellschaftliche und ökologische Veränderungen zu erreichen. Alle Maßnahmen, Investitionen in Haushalten, Gewerbe und Kommunen sollten daraufhin geprüft werden, ob und wie sie auch dem Klimaschutz dienen. Nun müsse entschlossen und zielgerecht gehandelt werden. Nitsch weiter: „Das bestehende auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftssystem führt neben den katastrophalen ökologischen Auswirkungen global und hier in Deutschland zugleich zu immer gravierenderen sozialen Brüchen. Alles, was wir jetzt auf den Weg bringen, ist eine Investition in die Freiheit dieser und künftiger Generationen, denen wir ein lebenswertes Hessen erhalten wollen.“

Hintergrund:

Der Erdüberlastungstag wird jährlich von dem Global Footprint Network für einzelne Länder sowie für den ganzen Planeten errechnet. Am globalen Erdüberlastungstag hat die Weltbevölkerung alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die unser Planet im Laufe eines Jahres erzeugen kann. Ab diesem Tag beanspruchen wir für das übrige Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald, als uns rein rechnerisch zur Verfügung stehen. Das Ziel des Aktionstages ist es, die Begrenztheit und Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und der Erde ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Länder wie Haiti, Ruanda oder auch Indien haben einen weitaus kleineren ökologischen Fußabdruck als Deutschland, gleichzeitig schultern sie einen Großteil der Folgen der katastrophalen Erdausbeutung wie Dürren, Überschwemmungen oder Artensterben.

Bei der Berechnung der nationalen Erdüberlastungstage konnten die Auswirkungen der globalen Corona-Pandemie noch nicht berücksichtigt werden. Für das Pandemiejahr 2020 lässt sich ein signifikanter Rückgang der CO2-Emissionen vor allem durch weniger Verkehr feststellen. Das sind aber nur kurzfristige Effekte, ohne verbindliche Maßnahmen wird der CO2-Ausstoß nach Pandemie-Ende vermutlich wieder sprunghaft ansteigen.

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
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