BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

BUND-Kommentar zur Forderung nach einer Bejagung von Wölfen – Herdenschutz muss Vorrang haben!

18. November 2021 | Biologische Vielfalt, Naturschutz, Wolf, Landwirtschaft

Der Wolf kehrt nach Hessen zurück. Um Weidetiere zu schützen, sind fachgerechte Herdenschutzmaßnahmen unabdingbar. Die Bejagung der Wölfe wird die Konflikte nicht lösen, sondern verschlimmern.

Schafe auf einer Streuobstwiese. (Foto: Niko Martin)

Frankfurt am Main, BUND-Kommentar vom 18.11.2021
 

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND Hessen) kommentiert die Forderung nach einer Bejagung des Wolfs in Hessen, die der Präsident des Hessischen Bauernverbands erhoben hat.

„Die Bejagung von Wölfen wird die Konflikte verschlimmern! Die Forderung des Bauernverbandes gehen komplett an der Realität vorbei. Wer seine Weidetiere schützen will, der muss auch Herdenschutz betreiben. Eine Bejagung wäre vor allem keine Alternative und erzeugt ein gefährliches Sicherheitsgefühl, dass sich schnell rächen würde. Effektiver Herdenschutz muss die Biologie des Wolfes berücksichtigen und sollte sich nicht populistischen Forderungen orientieren. Deshalb ist der richtige Weg, fachgerechten Herdenschutz zu errichten, damit die Wölfe nicht an die Weidetiere gelangen“. 

Die Entnahme von Wölfen, die den fachgerechten Herdenschutz überwinden, ist auch für den BUND akzeptabel. Eine willkürliche Bejagung der Tiere hingegen nicht. Sie wäre rechtlich auch nicht machbar. 

Den zuverlässigsten Herdenschutz gewährleisten ortsansässige Wolfsrudel, die keine Herdentiere angreifen und keine fremden Wölfe in ihr Streifgebiet lassen. Denn nicht jeder Wolf greift Weidetiere an. Bei einer allgemeinen Bejagung würden solche Wölfe getötet, die keine Weidetiere angreifen. Streifende Wölfe könnten dann ihr Gebiet übernehmen, wodurch das Risko von Übergriffen auf Weidetiere entstehen würde. Herdenschutz muss die Schlüsselphase berücksichtigen, in der Wölfe das eigenständige Jagen lernen. Dies ist die Phase, in der sie ihr Elternrudel verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Diese jungen Wölfe müssen den Anblick von Weidetieren mit Stromschlägen verbinden und dürfen gar nicht erst die Erfahrung machen, wie leicht ungeschützte Schafe oder Ziegen zu erbeuten sind. 

 

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