BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

SuedLink: Überdimensionierte Stromtrassen – kostengünstige und umweltfreundliche Alternativen machen sie überflüssig

16. Juni 2021 | Energiewende

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten BUND Hessen und der beauftragte Gutachter die Ergebnisse des Gutachtens zur Notwendigkeit der Stromleitung SuedLink vor. Dezentrale, kostengünstige und umweltfreundliche Alternativen machen die überdimensionierte Stromtrasse überflüssig.

Dezentral läuft's besser. (Grafik: Niko Martin)

Frankfurt am Main, Pressemitteilung vom 16. Juni 2021 anlässlich der Pressekonferenz zum Gutachten zur Notwendigkeit von SuedLink
 

Der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND Hessen) hat gemeinsam mit zahlreichen Partnern1 ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Notwendigkeit der Hochspannungs-Gleichstromleitung SuedLink zu prüfen. Prof. Dr. Lorenz Jarass und Dipl.-Ing. Carsten Siebels kommen in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis, dass SuedLink nur für seltene Stromlastspitzen erforderlich ist. Dieses Problem könne jedoch einfacher, weitaus kostengünstiger und umweltfreundlicher gelöst werden.

Dr. Werner Neumann, Energieexperte im Landesvorstand des BUND Hessen: „Das Gutachten ist geeignet, die laufenden Planungsverfahren für die Stromleitung SuedLink ins Wanken zu bringen. Nunmehr liegt eine Prüfung vor, die die Belastung des Stromnetzes stundenweise auf Basis des Netzentwicklungsplans 2030 durchrechnet. Dabei stellt sich heraus, dass SuedLink nicht zwingend erforderlich ist. Der Fehler der Stromnetzplanung ist, dass der Leitungsbau sich am Spitzenbedarf orientiert und hierbei die Kosten der Leitungen nicht einbezogen werden.“

Tatsächlich übersteigen die Kosten für diese 600 km lange Leitung den Nutzen bei weitem. Alternative Maßnahmen sind kostengünstiger, weshalb Eingriffe durch SuedLink in Natur, Boden, Grundwasser und Eigentum nicht zu rechtfertigen sind, ebenso wenig wie die Umlage der Kosten von 10 Milliarden € auf die Stromabnehmer*innen. Seit 10 Jahren protestiert der BUND gegen den überdimensionierten Stromnetzausbau und hat unzählige Stellungnahmen mit Vorschlägen für Alternativen eingereicht.2 Die ebenfalls von zahlreichen Bürgerinitiativen vorgetragene Kritik wurde von der Bundesnetzagentur und den Stromnetzbetreibern jedoch ignoriert.

Dieses Gutachten bestätigt zudem weitere Gutachten: Das Deutsche Institut für Wirtschaft3 hatte mit Frau Prof. Kemfert im April 2021 gezeigt, dass eine dezentral organisierte Energiewende mit deutlich weniger neuen Stromtrassen auskommt. Im Jahr 2020 hatten sich zudem zahlreiche Expert*innen für neue Strommarktregeln ausgesprochen4, die auf regionalen „zellularen“ Ansätzen beruhen, wie sie auch der VDE Deutschland vorschlägt. Mit regionalem Ausgleich von Stromerzeugung und -nutzung können Spitzenwerte und hoher überregionaler Übertragungsbedarf vermindert werden.

Dr. Werner Neumann, betont wie wichtig nun Änderungen im Energierecht sind: „Die EU-Kommission hat vorgegeben, dass „Erneuerbare Energie Gemeinschaften“ gegründet werden können. Hier können Erzeuger und Nutzer von Strom diesen gegenseitig regional austauschen, speichern und handeln. Das entlastet die Netze und stärkt die Bürgerenergie, denn der BUND will eine Energiewende in Bürgerhand.“

Der BUND kritisiert, dass die Bundesregierung jedoch verhindert hat, dass EE-Gemeinschaften gebildet werden können.

„Nicht überdimensionierte Übertragungsnetze sondern regionaler Stromverbund der Bürgerenergie sind das Rückgrat der Energiewende“, stellte Neumann fest. Der BUND fordert daher eine grundlegende Änderung der Stromnetzplanung mit Einführung von Kosten-Nutzen-Analysen sowie Änderung des Energierechts zugunsten regionaler Strommärkte.

Neumann: „Der dringende Ausbau der erneuerbaren Energien muss dezentral in der Hand der Bürgerenergie erfolgen. Nun müssen die veralteten Regeln des Strommarktes dem angepasst werden.“

 

Weitere Informationen

 


1 Auftraggeber des Gutachtens:

  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Hessen e.V., Frankfurt am Main
  • N-ERGIE Aktiengesellschaft, Nürnberg
  • Initiativkreis Netzentwicklungsplanung (IK NEP), Würzburg
  • Marktgemeinde Burghaun (nördlich von Fulda)
  • Stadt Hünfeld
  • ÖkoKreis Wählervereinigung Gemünden, Gemünden am Main

sowie die Bürgerinitiativen:

  • A7 Stromtrasse NEIN, Wasserlosen bei Schweinfurt
  • Bergrheinfeld e.V, Bergrheinfeld bei Schweinfurt 
  • Fuldatal e.V., Fulda
  • Müll und Umwelt e.V., Poppenhausen bei Schweinfurt
  • Thüringer gegen SuedLink e.V., Gerstungen
  • Werra-Meissner-gegen-SuedLink e.V., Bad Sooden-Allendorf

 

2 https://www.bund.net/energiewende/erneuerbare-energien/stromnetze/
3 https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.816979.de/diwkompakt_2021-167.pdf
4 https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/energiewende/energiewende_bbplan_kritik_mdbs.pdf

 

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