Wildkätzchen sehen Hauskätzchen zum Verwechseln ähnlich.
(Foto: Thomas Stephan)
- Viele junge Wildkatzen sterben jedes Jahr durch Holzernte, Zäune oder Gifte
- Forstliche Arbeiten in Wildkatzengebieten benötigen besondere Umsicht
- BUND bietet Online-Fachseminar zum Schutz von Wildkatzen am 8. September an
Wildkatzen, einst fast ausgerottet, kehren langsam zurück. Trotz strengem Schutzstatus bleibt ihr Lebensraum knapp. Menschengemachte Gefahren wie Straßenverkehr, zerschnittene Wälder und in einigen Regionen die Vermischung mit Hauskatzen bedrohen sie weiterhin. Zudem bergen einige forstliche Praktiken Risiken in ihren bevorzugten Wäldern. Die Gefahren steigen im Herbst, wenn die Holzernte beginnt.
Der BUND Hessen ruft Waldbesitzende und Forstbetriebe auf, mit Blick auf die Wildkatze bei Forstarbeiten umsichtig zu handeln. Andrea Malkmus, naturschutzfachliche Koordinatorin im Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“, rät: „Um Wildkatzen zu schützen, sollten wir die Zeit der Jungenaufzucht berücksichtigen. Von März bis August sollten keine schweren Maschinen eingesetzt, Holzpolter nicht bewegt oder Energieholzmieten gehäckselt werden. Dabei könnten Wildkatzenjunge getötet werden. Wer sichergehen will, plant forstliche Arbeiten außerhalb dieser sensiblen Zeit. Wenn Tätigkeiten im Wald unverzichtbar sind, sollten diese bei Funden von Wildkatzen sofort und mindestens bis zum Folgetag unterbrochen werden."
Gefahren für Wildkatzen im Wald und wie Waldbesitzende und Forstbetriebe sie vermeiden können:
- Holzpolter und Energieholzmieten als Kinderstube: Wildkatzenmütter bringen ihre Jungen oft in Holzpoltern oder Reisighaufen zur Welt. Werden diese während der Jungenaufzuchtzeit (März bis August) abtransportiert oder gehäckselt, sterben oft ganze Würfe. Tipp: Abtransport und Häckselarbeiten zeitnah nach dem Aufstapeln nur im Herbst oder Winter oder nach vorheriger Beunruhigung durch Lärm oder Hunde am Vortrag.
- Kalamitätsflächen: Umgestürzte Bäume nach Stürmen oder Dürre bieten ideale Verstecke für Wildkatzenjunge. Eine maschinelle Beräumung kann tödlich enden. Tipp: Flächen der natürlichen Wiederbewaldung überlassen. Auf schwere Maschinen während der Aufzuchtzeit verzichten.
- Knotengitterzäune: Sie schützen neu gepflanzte Bäume, werden jedoch für Wildkatzen zur Todesfalle, wenn sie sich beim regelmäßigem Überklettern verfangen. Tipp: Alternative Zäune aus Holz einsetzen oder Überkletterhilfen wie Holzpfosten oder Durchsteighilfen wie Rohre anbringen. Nicht mehr benötigte Knotengitterzäune zeitnah entfernen.
- Gifteinsatz: Rodentizide oder Polterbegiftungen gelangen über die Nahrungskette zur Wildkatze. Besonders gefährdet sind Jungtiere in kontaminierten Bereichen. Tipp: Auf chemische Mittel verzichten.
BUND-Projekt bringt Wildkatzenschutz in die Forstpraxis
Im Projekt "Wildkatzenwälder von morgen", gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, arbeiten Forstbetriebe und Waldbesitzende aktiv mit dem BUND zusammen, um Gefahren für die Wildkatze zu verringern. Malkmus nennt Beispiele: „In unserem Projektgebiet im Gladenbacher Bergland entfernen wir gemeinsam mit Kommunen und HessenForst viele hundert Meter unnötiger Knotengitterzäune. Außerdem erforschen wir, welche Übersteighilfen an Zäunen Wildkatzen am besten nutzen. Vor Ort bekommen wir tatkräftige Unterstützung von HessenForst und ansässigen Naturschutzvereinen wie dem Naturschutzring Ehringshausen“.
Am 8. September 2025 veranstaltet der BUND ein Online-Fachseminar. Fachleute aus Forstwirtschaft, Waldbesitzerverbänden und Naturschutz diskutieren, wie moderne Waldbewirtschaftung und Wildkatzenschutz zusammenpassen. Die Veranstaltung richtet sich an Waldbesitzende, Forstbetriebe, Jägerschaften sowie Mitarbeitende in Behörden und Planungsbüros.
Hintergrund:
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um.
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute etwa 6.000 bis 8.000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. Mit dem Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ zielt der BUND darauf ab, dass sich die Wildkatze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder ausbreiten kann. Sie steht dabei stellvertretend für viele andere Waldbewohner. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen für viele Arten wie Bechsteinfledermaus, Mittelspecht oder Schwarzstorch optimal.
Mehr Informationen:
- Das Online-Fachseminar "Sichere Wälder – wie wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft gelingen kann" findet am 08.09.2025 von 14:00 bis 17:00 Uhr statt. Anmeldung hier.
- Weitere Informationen zum Abbau unnötiger Zäune
- Broschüre „Praxisempfehlungen für klimarobuste und artenreiche Wälder, Waldränder und Wiesen – Gemeinsam Lebensräume für die Wildkatze schaffen“
Pressestelle BUND Hessen
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