Die Europäische Wildkatze ist eine wilde Verwandte unserer Hauskatze – und eine wahre Überlebenskünstlerin. Nach ihrer fast vollständigen Ausrottung durch den Menschen schleicht sie heute wieder durch viele Teile Deutschlands – auch dank jahrzehntelanger Schutzbemühungen. In Hessen leben etwa 1.000 der insgesamt 6.000 bis 8.000 Wildkatzen, die in ganz Deutschland vorkommen. Trotz einer sich gut entwickelnden Population bleibt sie dennoch gefährdet.
Jörg Nitsch, Landesvorsitzender des BUND Hessen, erklärt: „Im Gegensatz zur Hauskatze lebt die Wildkatze sehr zurückgezogen im Wald und reagiert empfindlich auf Veränderungen und Störungen. Vor allem der Verlust und die Zerschneidung ihrer Lebensräume setzen ihr stark zu. Auch der Straßenverkehr, die Vermischung mit Hauskatzen und nicht zuletzt unser Verhalten im Wald stellen eine erhebliche Gefahr für diese Art dar.“
Die Europäische Wildkatze ist ein echtes Wildtier. Deswegen bekommen wir Menschen sie nur selten zu Gesicht. Katzenfreund*innen können unserer heimlichen Waldbewohnerin dennoch helfen.
Vier Wege, der Wildkatze nachhaltig zu helfen:
- Katzenhalter*innen sollten ihre Freigänger konsequent kastrieren lassen. Es stellt einen wichtigen Beitrag dar, um Paarungen mit Wildkatzen zu vermeiden und das Leid der rund zwei Millionen Streunerkatzen in Deutschland einzudämmen.
- Naturfreund*innen können bei Aktionen im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ mitmachen. Die BUND-Landesverbände bieten deutschlandweit öffentliche Pflanzfeste und Zaunabbau-Aktionen sowie Wanderungen an.
- Ehrenamtlich aktive BUND-Mitglieder, die im Verbreitungsgebiet der Wildkatze leben, können ein kostenloses Infopaket bestellen und andere Menschen über das Vorkommen der Europäischen Wildkatze und die Bedeutung intakter Lebensräume aufklären.
- Flächenbesitzende und –bewirtschaftende haben eine Schlüsselrolle im Schutz der Wildkatze, indem sie ihre Flächen wildkatzengerecht gestalten und gleichzeitig in klimarobuste und artenreiche Lebensräume umwandeln. Bei Fragen gibt der BUND gern praktische Tipps.
Hintergrund:
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um.
Die Europäische Wildkatze ist nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und gilt laut Roter Liste der gefährdeten Arten Deutschlands bundesweit als „gefährdet“. Unsere Hauskatzen stammen nicht von der Wildkatze ab, sondern von der Afrikanischen Falbkatze. Nach Einschätzung einiger Forschender könnten die Römer die Hauskatzen nach Mitteleuropa gebracht haben. Hybride aus Haus- und Wildkatze weisen veränderte genetische Merkmale auf. Die ursprünglich sehr guten Anpassungen an den Lebensraum können bei Wildkatzen-Hauskatzenhybriden verloren gehen. Bisher tritt Hybridisierung vor allem in Baden-Württemberg auf, aber auch in anderen Teilen Deutschlands werden Hybridkatzen genetisch vereinzelt nachgewiesen. Sie sind optisch meistens nicht als solche zu erkennen und können gleichermaßen wie Haus- oder Wildkatzen aussehen. Klarheit liefert nur ein Gentest.