BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Stoppt das REWE-Logistikzentrum in Wölfersheim: Aktionsbündnis ruft zu Protesten auf

15. Mai 2020 | Landwirtschaft, Flächenschutz

Mit großer Empörung reagiert das Aktionsbündnis auf die Information, dass REWE beim Bauamt des Wetteraukreises eine Bauvoranfrage vorgelegt hat.

Wertvolle Böden schützen! (Foto: Lynn Anders / BUND Hessen)

Friedberg 15. Mai 2020, Pressemitteilung vom Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau


Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau ruft zu Protesten auf

Das Aktionsbündnis Bodenschutz in der Wetterau ruft aus aktuellem Anlass erneut zu Protesten gegen das geplante REWE-Logistikzentrum in Wölfersheim auf. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Umwelt- und Naturschutzverbänden, den beiden großen Kirchen, dem regionalen Bauernverband und zahlreichen weiteren Verbänden und Privatpersonen. 

Mit großer Empörung reagiert das Aktionsbündnis auf die Information, dass REWE beim Bauamt des Wetteraukreises eine Bauvoranfrage vorgelegt hat und nun sogar einen Antrag zum „Oberbodenabtrag und Abtransport sowie Erdbauarbeiten zur Geländeregulierung inkl. Planumstabilisierungsmaßnahmen“ eingereicht hat. Dies bedeutet, dass REWE ohne rechtliche Grundlage plant, den humusreichen Mutterboden abzutragen und auf den Feldern der umliegenden Gemarkung zu verteilen. Ebenso wurden schon Entwässerungskanäle verlegt. REWE muss gehindert werden, vollendete Tatsachen zu schaffen und damit einen Schaden an Natur und Umwelt anzurichten, der nicht wiedergutzumachen ist. 

Wolfgang Dittrich, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Wetterau: Die Bewahrung der Schöpfung heißt für uns, genau hinzuschauen, wenn bester Ackerboden vernichtet wird. Der Bau des REWE Logistikzentrums an dieser Stelle kommt dem „Turmbau zu Babel“ gleich. Für uns als Kirche stellt dieses Projekt einen eklatanten Verstoß gegen die Bewahrung der Schöpfung dar. Durch die jetzt geplante Verlagerung wird die hohe Qualität des Bodens endgültig zerstört. REWE sind die einzigen, die den Wahnsinn jetzt noch stoppen können, deshalb fordern wir REWE auf, aus diesem gigantischen Projekt auszusteigen, bevor alles unwiederbringlich zerstört ist.“

Dr. Werner Neumann, Mitglied im Landesvorstand des BUND: Der BUND klagt weiterhin gegen die Zielabweichung im Regionalplan. Leider sind weder die Gemeinde Wölfersheim noch REWE auf unsere Argumente eingegangen. Es ist unglaublich, REWE vertreibt Tragetaschen mit dem Aufdruck „Wir tragen Verantwortung“ und in Wölfersheim wird der beste Boden für REWE abgetragen. REWE will einen Preis für soziale Unternehmensverantwortung gewinnen und erklärt dem Bodenschutz nun den Krieg. Das passt nicht zusammen.“

Andrea Rahn-Fahr, Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt: „Die Vernichtung der seltenen und hochwertigen Schwarzerdeböden im Bereich Berstadt führt unwiederbringlich zum Verlust der Möglichkeit, dass auch zukünftige Generationen dort hochwertige Lebensmittel erzeugen. Bei den archäologischen Ausgrabungen zeigte sich, dass dort schon seit 6000-7000 Jahren Landwirtschaft betrieben wird – das Jahr 2020 wird das letzte sein, wo dies möglich ist. Gerade die Corona-Krise zeigt, die regionale Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung für die sichere Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln entscheidend ist. Wir lehnen das Logistikzentrum ab, weil wir wissen, dass auch in vielen weiteren Orten Logistikprojekte zu Lasten der regionalen Landwirtschaft gehen. Und was wir hier nicht erzeugen, muss dann wieder per Logistik importiert werden – ein unsinniger Teufelskreis.“

Joerg Weber und Karl Moch von Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung e.V. und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert: „Auf der einen Seite wirbt REWE mit dem Slogan „Direkt vom Acker auf den Tisch“ und hier wird durch REWE ausgerechnet unser wertvollstes Ackerland vernichtet. Wir sagen, REWE soll sich vom Acker machen in Wölfersheim. Wenn es angeblich nur um 1% der Fläche von Wölfersheim geht, warum hat REWE von allen Optionen die gewählt, die den größten ökologischen Schaden macht?“ 

Dr. Doris Jensch vom Kreisverband Wetterau des NABU: „REWE will den hochwertigsten Boden vernichten. Die dortige „Parabraun-Schwarzerde“ kommt äußerst selten vor. Boden kann man nicht einfach per LKW verfrachten, er verliert seine Funktionen. Dieser Boden als großartiger Speicher für Wasser und Kohlenstoff, als Filter unseres Grundwassers und Grundlage für die Landwirtschaft und als Lebensraum darf nicht unter Beton und Asphalt begraben werden.“

Seit dem 11. Mai 2020 wird nun auch die dritte Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan REWE Logistikzentrum in Wölfersheim fortgeführt. Unterlagen findet man bei der Gemeinde Wölfersheim im Internet. Das Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau ruft auf zu Stellungnahmen bis zum 5. Juni 2020. Eine Mustereinwendung der Bürgerinitiative, des BUND und des NABU mit vielen guten Argumenten findet man bei www.buerger-fuer-boden.de

 

Das Aktionsbündnis ruft daher zu verstärktem Protest auf. Wenn REWE meint, ohne rechtliche Grundlage den besten Boden der Wetterau vernichten zu wollen, dann stellen wir uns quer, politisch, vor Gericht und auf dem Acker. 

Für das Aktionsbündnis: Wolfgang Dittrich, Evangelisches Dekanat Wetterau Tel. 06031/16154-13

Zu Klageverfahren und Einwendungen: Dr. Werner Neumann, BUND Hessen, Tel. 0172 66 73 815               

Die Klage des BUND und die Arbeit des Aktionsbündnisses Bodenschutz Wetterau können unterstützt werden durch Spenden auf das Konto des BUND Landesverbandes Hessen bei der GLS Gemeinschaftsbank eG 
  
IBAN: DE69 4306 0967 8013 6150 00
Stichwort: Bodenschutz Wetterau

 

Hintergrundinformationen:

Im Frühjahr 2017 hatte sich das Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau gegründet gegen die Pläne der Gemeinde Wölfersheim und der Firma REWE in der Nähe der Autobahnauffahrt Wölfersheim einen „Logistikpark“ mit Versiegelung einer Ackerfläche von bis zu 30 ha zu errichten. Das Aktionsbündnis setzt sich für eine regionale Landwirtschaft und nachhaltige Ernährungskonzepte, Bodenschutz und gegen den Flächenfraß ein. 

Das Aktionsbündnis wird getragen von:

  • BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Hessen e.V., Kreisverband Wetterau 
  • NABU Naturschutzbund Deutschland, Kreisverband Wetterau e.V. 
  • Evangelische Kirche Dekanat Wetterau, Ev. Kirche in Hessen und Nassau - Referat für Gesellschaftliche Verantwortung / Ev. Kirchengemeinde Wölfersheim-Berstadt / Ev. Dekanat Büdinger Land
  • Katholische Kirche Bistum Mainz / Dekanat Wetterau Ost/ Dekanat Wetterau West
  • Regionalbauernverband Wetterau-Frankfurt a.M. e.V. 
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ABL e.V. (Wetterau)
  • Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung e.V.
  • Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. 
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Ortsgruppe Nidda 

 

 

Weitere Informationen

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
069 677376 43
presse(at)bund-hessen.de
www.bund-hessen.de

BUND Landesverband Hessen e.V.
Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main

 

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