Pressemitteilung

Der Wildkatze ganz nah

31. August 2026 | Wildkatzenwälder, Wildkatze

Auf den Spuren der Wildkatze im Forstrevier Siegbach

Die Teilnehmenden der Wildkatzenwanderung haben sich für ein Gruppenbild in einer Reihe aufgestellt. Die Wandernden zusammen beim Abschlussbild bei den Wilhelmsteinen  (Foto: BUND Hessen)

Am späten Vormittag des 23. August 2026 trafen sich zehn wissbegierige Wander*innen am Sternhäuschen zwischen Tringenstein und Hirzenhain Bahnhof, um sich gemeinsam mit dem hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Forstamt Herborn auf die Spur der Wildkatze zu begeben. Nach einer kurzen Einführung durch Susanne Schneider (BUND) und Peter Thorn (Forstamt Herborn) ging es auf die rund sechs Kilometer lange Strecke durch das Forstrevier Siegbach.

An verschiedenen Stationen erfuhren die Teilnehmenden Wissenswertes zur Biologie der Wildkatze und ihre Ansprüche an den Lebensraum. Förster Peter Thorn vermittelte auf humorvolle Weise sein Wissen zu ökologischen Zusammenhängen im Wald und stellte gemeinsam mit Andrea Malkmus, Projektmitarbeiterin beim BUND und zuständig für die naturschutzfachlichen Maßnahmen, eine Pflanzmaßnahme für die Wildkatze vor. Diese wurde 2024 im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ auf einer ehemals durch Fichten bestockten Fläche durchgeführt. Durch die Pflanzung von verschiedenen Baum- und Straucharten wie Pfaffenhütchen, Wildkirsche und Co. wird hier in den nächsten Jahrzehnten ein arten- und strukturreicher Waldrand entstehen.

Der neue Waldrand bietet der Wildkatze und auch anderen Wildtieren einen wichtigen Nahrungsraum, wie Peter Thorn mithilfe der Darstellung einer Nahrungspyramide zeigte: „Ganz oben steht die Wildkatze als Top-Prädator. Sie ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern, die aber nur durch ein reiches Angebot an Insekten, Würmern, Samen und Wildobst existieren können. Deshalb ist es so wichtig, diese Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen – denn in der Natur hängt alles miteinander zusammen.“

Auch weitere Maßnahmen wie die Aufschichtung von Totholzhaufen als Versteck für die Wildkatze und der Bau verschiedener Arten von Kletterhilfen über Zäune setzt das Forstamt um. Susanne Schneider wies in diesem Zusammenhang auf die Gefahren für Wildkatzen im Wald hin: „Junge Forstkulturen müssen durch Zäune vor dem Wildverbiss geschützt werden. Gleichzeitig sind die Freiflächen gute Jagdgründe für die Wildkatze, weshalb es ihr gefahrlos möglich sein sollte, die Zäune zu überwinden. Dies erreicht man mit einfachen Überkletterhilfen aus Holz, die wie Brücken über den Zaun fungieren.“ Es kommt leider immer wieder vor, dass Wildkatzen beim Versuch des Überkletterns mit den Krallen im Zaun hängenbleiben und qualvoll verenden.

Nach einem Abstecher zum Naturmonument Wilhelmsteine ließ sich die Gruppe am Ende der zweieinhalbstündigen Tour Kuchen und Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen schmecken, eine willkommene Stärkung nach der sportlichen Aktivität.

Hintergrund

Damit sich die immer noch seltene Wildkatze auch weiterhin erfolgreich ausbreiten kann, möchte der BUND im aktuellen Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ mit gezielten Maßnahmen im Wald die Lebensräume der Wildkatze aufwerten. Dies trägt gleichzeitig dazu bei, Wälder artenreicher und widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen.

Im Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ sind neben dem BUND Landesverband Hessen noch der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt. Damit ist beinahe das gesamte aktuelle Verbreitungsgebiet der Art in Deutschland abgedeckt. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) ist Co-Förderer des Vorhabens.

 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter:

Pressestelle BUND Hessen

Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Hessen e.V.

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