Europäische Wildkatze
(Foto: Stefan Eschweiler)
Gemeinsam gegen das Leid von Streunerkatzen und für den Schutz der gefährdeten Wildkatze kämpfen. Das haben sich der Verein der Jäger des Dillkreises (Dillkreisjäger), die Initiative Katzenschutz Lahn-Dill und der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) zum Ziel gesetzt. Anlass ist die stetig zunehmende Population von wildlebenden Hauskatzen im Lahn-Dill-Kreis und die damit zusammenhängenden Probleme, die sowohl den Tierschutz, als auch den Artenschutz tangieren. Die drei Verbände fordern daher die Städte und Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis dazu auf, Katzenschutzverordnungen zu erlassen. Als gutes Beispiel gehen Herborn und Haiger voran, die seit 2025 Katzenschutzverordnungen haben.
Mareike Haas von der Initiative Katzenschutz Lahn-Dill: „Im Lahn-Dill-Kreis leben geschätzt 6.100 Streunerkatzen, also Hauskatzen ohne festes Zuhause. Sie müssen Hunger leiden und haben häufig Krankheiten, wie FELV (Katzenleukämie), FIV (Katzen-Aids) oder Parvovirose (Katzenseuche). Die Tiere sind nicht kastriert und vermehren sich ungebremst – was das Leid nur noch verschlimmert.“ Die Initiative kümmert sich um Streunerkatzenpopulationen, führt Kastrationsaktionen durch und klärt Anwohner*innen auf. Sie ist dem Tierschutzverein Marburg und Umgebung e.V. angegliedert. Während sich Mareike Haas mit der Initiative schwerpunktmäßig um den Lahn-Dill-Kreis kümmert, betreuen die Kolleg*innen des Tierschutzvereins Marburg und Umgebung e.V. vor allem den Landkreis Marburg-Biedenkopf.
„Hauskatzen ohne festes Zuhause leben vor allem in den Ortsrandlagen. Hier sind sie nicht nur Beutegreifer von Bodenbrütern und anderen, zum Teil geschützten, Arten. Sie können sich auch mit der streng geschützten Wildkatze paaren. Dies stellt eine zunehmende Gefahr für die Art dar“, so Silvan Schönhofen von den Dillkreisjägern.
Auch Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin beim BUND Hessen, zeigt sich besorgt: „Bei einem genetischen Monitoring bei Herborn im Jahr 2025 wurde ein Hybrid aus Haus- und Wildkatze festgestellt – und das bei einer recht kleinen Stichprobe. Hybride treten seit einigen Jahren deutschlandweit vermehrt vor allem an den Ausbreitungsrändern der Wildkatze auf. Sie sind fortpflanzungsfähig und können so die Wildkatzenpopulationen in Bedrängnis bringen.“
In den nächsten Monaten werden die drei Verbände an die Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis herantreten, um diese über die Vorteile einer Katzenschutzverordnung aufzuklären und ihnen bei Bedarf beratend zur Seite zu stehen. Wünschenswert wäre es, auch Tierärzt*innen und Tierheime als wichtige Multiplikatoren zu gewinnen.
Katzenschutzverordnungen geben eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht von Hauskatzen mit Freigang ohne räumliche Einschränkung vor. Sie sind ein maßgebliches Instrument, um das Tierleid und die Hybridisierungsgefahr von Haus- und Wildkatze einzudämmen. Katzenschutzverordnungen geben den Kommunen Handlungs- und Argumentationsmöglichkeiten, um Maßnahmen zu ergreifen und tragen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei. Auch können Tierarztpraxen und Tierschutzvereine juristisch fundierte Beratungsmöglichkeiten zur Kastration geben. Denn jede kastrierte Hauskatze, die sich nicht fortpflanzt, trägt zur Reduktion der freilebenden Hauskatzenpopulationen und zur Stärkung des Wildkatzenschutzes bei.
Bislang haben von 426 Gemeinden und kreisfreien Städten in Hessen - nach Kenntnisstand der Landesbeauftragten für Tierschutz - 147 eine Katzenschutzverordnung eingeführt.
Hintergrund
In Hessen leben schätzungsweise über 150.000 freilebende Katzen und 230.000 unkastrierte Freigängerkatzen. Hauskatzen sind sehr fruchtbare Tiere, weshalb die Populationen schnell und unkontrolliert wachsen können, wenn Freigängerkatzen nicht kastriert sind und sich untereinander oder mit Streunerkatzen paaren. Daraus können sich negative Auswirkungen auf die heimische Artenvielfalt ergeben. Neben Vogelpopulationen und Kleinsäugern, wie z.B. der gefährdete Gartenschläfer, können auch die der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) in besonderem Maße betroffen sein. Wildkatzen sind Wildtiere und laut Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.
Zum Schutz und für die positive Entwicklung der in Deutschland vorkommenden Europäischen Wildkatze ist es von essenzieller Wichtigkeit, dass Freigänger unter den Hauskatzen und verwilderte Hauskatzen kastriert und geimpft sind. Das Impfen verhindert die Übertragung von Hauskatzenkrankheiten auf die im Gebiet vorkommende Wildkatzenpopulation. Die Kastration unterbindet nicht nur einen Anstieg der Zahl der verwilderten Hauskatzen, sondern auch, dass es zu Hybridisierungen mit der Europäischen Wildkatze kommt. Allgemein liegt die Hybridisierungsrate zwischen Europäischer Wildkatze und Hauskatze in Deutschland noch bei circa 2-4 Prozent, doch insbesondere an den Rändern des aktuellen Verbreitungsgebietes kommt es vermehrt zu Hybridisierungen. Vor allem aus Baden-Württemberg gibt es alarmierende Zahlen von über 50 Prozent Hybridenanteil. Ein Grund dafür scheint die an den Rändern noch sehr geringe Wildkatzendichte zu sein, die eine alternative Partnerwahl begünstigt.
Aktuell sind laut repräsentativer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes 90 Prozent der Katzen, die in deutschen Haushalten leben, kastriert. Selbst der vermeintlich geringe Anteil unkastrierter Freigängerkatzen trägt jedoch massiv zum Problem der Streunerkatzen bei. Damit die Eindämmung der Streunerkatzenpopulationen Erfolg haben kann, ist es notwendig, dass 98 Prozent der Freigängerkatzen kastriert werden. Zeitgleich müssen auch Streunerkatzen konsequent eingefangen, kastriert und wenn keine Vermittlung in ein Zuhause möglich ist, wieder zurückgesetzt werden. Nur wenn beides umgesetzt wird, kann die Zahl der Streunerkatzen langfristig reduziert werden. Daher leisten Tierschutzvereine wie die Initiative Katzenschutz Lahn-Dill durch das Einfangen, Kastrieren und wieder Freilassen von verwilderten Hauskatzen einen wichtigen Beitrag zum Wildkatzenschutz. Ebenso wie Privatpersonen, die sich dafür entscheiden, ihre Hauskatzen kastrieren zu lassen.
Mehr Infos:
- Initiative Katzenschutz Lahn-Dill: https://www.katzenschutz-lahn-dill.de/
- Verein der Jäger des Dillkreises e.V.: https://www.dillkreisjaeger.com/
- BUND Hessen: https://www.bund-hessen.de/wildkatze
- Tierschutz Hessen: https://tierschutz.hessen.de/heimtiere/katzen/kastration-und-katzenschutz
Pressefotos:
Gruppenbild Bündnispartner (© Mareike Haas; v.l.n.r.: Mareike Haas (Initiative Katzenschutz Lahn-Dill), Susanne Schneider (BUND Hessen), Christoph Groß-Bachmann (BUND Herborn), Christina Köhler (Initiative Katzenschutz Lahn-Dill), Silvan Schönhofen (Dillkreisjäger e.V.))
Wildkatze (© Helmut Weller)
Pressekontakte:
Susanne Schneider, BUND Hessen: Tel.: 069 677376 16 | E-Mail: susanne.schneider(at)bund-hessen.de
Mareike Haas, Initiative Katzenschutz Lahn-Dill: mareike(at)katzenschutz-lahn-dill.de
Silvan Schönhofen, Verein der Jäger des Dillkreises e. V. | E-Mail: info@dillkreisjaeger.com
Pressestelle BUND Hessen
Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Hessen e.V.
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