BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

BUND-Rechtsgutachten: Bundesverkehrswegeplan ist verfassungswidrig – Planung und Bau hessischer Autobahnprojekte müssen sofort gestoppt und neu bewertet werden

07. Oktober 2021 | Mobilität, Klimawandel

Ein Rechtsgutachten des BUND zeigt, dass die Planung der Bundesverkehrswege rechtswidrig ist. Das betrifft auch Autobahnen in Hessen. Der BUND Hessen fordert daher von der Landsregierung, Autobahn-Neu- und Ausbau-Projekte schnell zu stoppen und unter Berücksichtigung aller Klima- und Naturschutzaspekten neu zu bewerten.

Jörg Nitsch, Landesvorsitzender BUND Hessen (Foto: Niko Martin)

Frankfurt am Main, Pressemitteilung vom 7. Oktober 2021
 

Anlässlich der anstehenden Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene veröffentlicht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein von ihm in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zum Bundesverkehrswegeplan. Dieses Gutachten zeigt, dass sowohl der Fernstraßenbedarfsplan (Anlage zum Fernstraßenausbaugesetz vom 23.12.2016) als auch der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 die EU-rechtlichen Vorgaben zur Strategischen Umweltprüfung nicht erfüllen. Darüber hinaus beachten die Pläne die Belange des Klimaschutzes nicht entsprechend des Klimabeschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 23.04.2021 und sind deshalb unions- und verfassungsrechtswidrig. Auch Straßenneubauprojekte in Hessen sind hiervon betroffen.

Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Das Gutachten zeigt: Die Fernstraßenplanungen sind mit Grundgesetz und Klimaschutzgesetz nicht vereinbar. Statt immer neue und größere Straßen zu bauen, brauchen wir gerade in ländlichen Regionen mehr öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn. Der Verkehrssektor bleibt sonst für einen Großteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Klimaschutzziele lassen sich mit immer neuen Straßen nicht einhalten. Und auch Artenvielfalt und Biodiversität leiden unter immer neuen, immer größeren Straßenbauten. Wir erwarten deshalb von der Landesregierung, dass sie sich dafür einsetzt, dass Projekte wie der Neubau der A49 durch den Dannenröder Wald und der A44 durch den Stiftswald, die Verbreiterung des Autobahnrings um Frankfurt auf bis zu zehn Spuren oder der Ausbau von A5 und A67 parallel zur ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim schnell gestoppt und unter Berücksichtigung aller Klima- und Naturschutzaspekten neu bewertet werden.“ 

2022 steht die Überprüfung des Fernstraßenbedarfsplans an. Diese Überprüfung muss Anlass sein, die Fehlplanung der letzten Jahrzehnte einer Generalüberholung zu unterziehen. Ziel einer Überarbeitung und Neubewertung aller Verkehrsinfrastrukturprojekte muss sein, die Emissionsbudgets des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Bis 2030 müssen dafür die Treibhausgasemissionen im Verkehr, wie im Klimaschutzgesetz vorgegeben und vom Bundesverfassungsgericht unterstrichen, nahezu halbiert werden. Nur mit einer deutlichen Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und einer Stärkung des öffentlichen Verkehrs und Radverkehrs lässt sich dieses Ziel erreichen.

Hintergrundinformationen

Das vom BUND in Auftrag gegebene Gutachten zeigt auf, dass der Bundesverkehrswegeplanerheblichen verfassungsrechtlichen Bedenken unterliegt. Er ist weder mit dem Ziel der Klimaneutralität noch mit Artikel 20a des Grundgesetzes vereinbar. Dieser besagt, dass der Staat auch für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen künftiger Generationen sowie der Tiere verantwortlich ist. Das Pariser Klimaabkommen sieht eine Begrenzung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau vor. Der BVWP 2030 hat die Ziele des Pariser Klimaabkommens aber gar nicht berücksichtigt, sondern orientierte sich an anderen Maßgaben. Es ist auch nicht erkennbar, dass eine Einhaltung der Minderungsziele für den Verkehrssektor bei Realisierung der im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Straßenprojekte gelingen kann. Es ist deshalb fraglich, ob dieser Plan noch bindend für die einzelnen Fernstraßenprojekte einen Bedarf vorgeben kann. 

 

 

Die neue Bundesregierung muss die Mobilitätswende endlich voranbringen. Deshalb ruft der BUND mit vielen anderen für den 8.-10. Oktober zu einem dezentralen Aktionswochenende auf. Bundesweit bringen Menschen ihre Forderungen auf die Straße.

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
069 677376 43
presse(at)bund-hessen.de
www.bund-hessen.de

BUND Landesverband Hessen e.V.
Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main

 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb