Roadkill: Grünbrücken helfen, das Problem der zerschnittenen Lebensräume abzumildern.
(Foto: Renardo la vulpo
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Mit dem Herbst beginnt für viele Wildtiere eine besonders aktive Zeit. Sie müssen sich Winterspeck anfressen oder Nahrungsvorräte anlegen, erschließen eigene Reviere, oder wandern in ihre Winterquartiere. Ob Reh, Wildschwein oder Eichhörnchen: Für viele Tiere wird der Straßenverkehr zur tödlichen Gefahr. Besonders kritisch wird es nach der Zeitumstellung Ende Oktober. Denn während die Tiere ihren natürlichen Aktivitätsrhythmus beibehalten, verschieben sich die menschlichen Tagesabläufe um eine Stunde. Was für die Tiere zuvor eine ruhige Dämmerungsphase war, fällt dann häufiger mit dem morgendlichen oder abendlichen Berufsverkehr zusammen, erklärt der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen).
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Für viele Wildtiere ist der Straßenverkehr die Todesursache Nummer 1. Besonders bitter ist jeder Verlust bei seltenen Arten wie Wildkatze und Luchs. Aber auch der Igel, der in Hessen immer seltener beobachtet werden kann, wird häufig Opfer des Straßenverkehrs.“
Vor allem in Waldgebieten sollten Autofahrende deshalb mit Wildtieren auf und neben der Straße rechnen, ihre Geschwindigkeit anpassen und die Straßenränder aufmerksam beobachten. Das gilt besonders an Stellen, die mit Wildwarnschildern gekennzeichnet sind. Auch am Ortsrand, in der Nähe von Gärten und Grünanlagen, können Tiere unterwegs sein. Gerade für Igel sind solche Lebensräume wichtig. Da im Herbst viele junge Igel umherstreifen, ist in dieser Zeit besondere Vorsicht geboten.
Wer ein Tier am Straßenrand sieht, sollte die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und, sofern es die Verkehrssituation zulässt, anhalten. Das Fernlicht sollte abgeschaltet werden. Unkontrollierte Brems- oder Ausweichmanöver sollten jedoch vermieden werden: Die eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmenden haben Vorrang.
Kommt es zu einem Wildunfall, also einem Unfall mit Haarwild wie beispielsweise Wildschwein, Reh oder Fuchs, muss die Polizei verständigt werden. Bei Unfällen mit Igeln muss die Polizei nicht benachrichtigt werden, aber der BUND Hessen bittet darum, verletzte Tiere umgehend zum Tierarzt zu bringen und Totfunde im Onlineportal des HLNUG zu melden. Die Meldungen liefern wichtige Hinweise darauf, an welchen Orten die Tiere besonders häufig vorkommen und wo möglicherweise Maßnahmen ergriffen werden können, um Gefahren zu vermeiden.
„Vorsichtiges Fahren kann einzelne Kollisionen verhindern. Das grundsätzliche Problem löst es aber nicht: Unsere Straßen zerschneiden Lebensräume und bringen Tiere bei der Überquerung in Lebensgefahr“, sagt Jörg Nitsch. „Wir brauchen deshalb mehr Grünbrücken und andere Querungshilfen. Gleichzeitig müssen die letzten unzerschnittenen Naturräume erhalten bleiben. Noch mehr Straßen durch wertvolle Lebensräume zu bauen, verschärft das Problem.“
Weitere Informationen:
- Igel-Sichtungen im Onlineportal des HLNUG melden
- Naturnahe Gärten helfen Igeln und anderen Wildtieren
- Die Wildkatze durch ein „Rettungsnetz” schützen
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