Pressemitteilung

PFAS: Wildschweine in Hessen belastet

14. Oktober 2026 | Chemie, Umweltgifte

BUND-Recherche zeigt: Wildschweine auch in Hessen mit PFAS belastet

Zwei Wildschweine im Wald Zwei Wildschweine im Wald  (Foto: Tho-Ge Pixabay)

PFAS sind längst in unseren Ökosystemen angekommen und reichern sich auch in Wildtieren an. Eine BUND-Auswertung von Behördendaten zeigt: Alle untersuchten Wildschweinleberproben überschreiten die EU-Höchstgehalte. In 86 Prozent der Wildfleischproben wurden Ewigkeitschemikalien nachgewiesen, in 12 Prozent werden die Grenzwerte überschritten. 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Behördendaten zur Belastung von Wildschweinfleisch und Wildschweinleber mit den Ewigkeitschemikalien PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) bei allen Bundesländern angefragt, darunter auch Hessen. Sämtliche der 114 von den Behörden untersuchten Leberproben überschritten die gesetzlich zulässigen Höchstgehalte für PFAS deutlich. 86 Prozent der insgesamt 152 analysierten Fleischproben enthielt mindestens eine der vier PFAS; bei über 12 Prozent wurden sogar die Grenzwerte überschritten.

Die gemessenen Konzentrationen zeigen, dass sich PFAS längst in Ökosystemen ausgebreitet haben und in Wildtieren anreichern. Gesundheitlich ist das ebenfalls Ergebnis bedenklich. Wildschweinleber sollte gar nicht verzehrt werden; das hessische Umweltministerium hatte diese Empfehlung sogar bereits 2021 ausgesprochen. Doch auch bei der Hälfte der analysierten Fleischproben war die PFAS-Konzentration so hoch, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen bei einem regelmäßigen, wöchentlichen Verzehr langfristig nicht ausgeschlossen werden können. Der BUND fordert eine weitreichende Beschränkung der Produktion und Verwendung von PFAS.

Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Wildschweine können nicht auf ein ‚PFAS-frei‘-Label achten. Wenn schon sie in diesem Maße belastet sind, zeigt das, wie tief die Ewigkeitschemikalien bereits in unsere Natur vorgedrungen sind. Pflanzen und Tiere nehmen sie unweigerlich auf – in Mengen, die wir nicht ignorieren dürfen. Wir fordern die hessische Landesregierung auf, schon heute zu handeln und die PFAS-Einträge in Gewässern und Böden bestmöglich zu verhindern, Emissionen strenger zu kontrollieren und auch unser Trinkwasser besser zu schützen.“

Die Daten der Fleischproben stammen neben Hessen auch aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Die Daten zu den Wildschwein-Lebern wurden von den Behörden aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. Besonders alarmierend ist, dass die Belastung nicht auf einzelne bekannte Schadstoffquellen beschränkt ist, sondern vielerorts auf Hintergrundkonzentrationen in Böden, Gewässern und Nahrungsketten zurückzuführen sein dürfte.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die PFAS-Belastung nicht mehr nur an einzelnen sogenannten Hotspots hoch ist, sondern selbst vergleichsweise naturnahe Lebensräume betroffen sind. Damit bestätigt die Studie die Ergebnisse zweier aktueller Untersuchungen des Umweltbundesamtes, die eine weitverbreitete Belastung von Wildtieren und Böden mit PFAS nachweisen.

Die EU-weite Beschränkung der PFAS-Chemikalien befindet sich derzeit in einer entscheidenden Phase. Noch in diesem Jahr werden die Ausschüsse der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ihre Empfehlungen vorlegen. Danach liegt es an der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, den Weg für eine wirksame Regulierung der Ewigkeitschemikalien freizumachen. Der BUND fordert eine weitreichende Beschränkung der Produktion und Verwendung der Ewigkeitschemikalien. Zeitlich befristete Ausnahmen darf es nur dort geben, wo für unverzichtbare Anwendungen noch keine geeigneten Alternativen verfügbar sind.

Hintergrund:

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind extrem langlebig und können sich im Körper anreichern. Einmal in der Umwelt bauen sie sich nicht oder nur teilweise ab und können sich über Luft und Wasser verteilen.

Die Stoffgruppe umfasst nach aktuellen Schätzungen über 10.000 Einzelsubstanzen. Zur Zeit finalisiert die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine Empfehlung für eine Beschränkung der Produktion und Verwendung der Chemikaliengruppe PFAS. Dabei werden alle Anwendungsfälle angeschaut. Es wird bewertet, ob es bereits Alternativen auf dem Markt gibt. Je nach Verfügbarkeit der Alternativen sind unterschiedlich lange Übergangsfristen vorgesehen.

Wenn die EU-Kommission Ende des Jahres die Empfehlung der ECHA erhält, ist es Aufgabe der Kommission, einen Beschränkungsvorschlag den Mitgliedstaaten vorzulegen. Noch ist ungewiss, ob die Kommission und die Staaten dem differenzierten wissenschaftlichen Vorschlag der ECHA folgen werden, oder pauschale Ausnahmen vorziehen. Der BUND fordert befristete Ausnahmen nur für essentielle Anwendungen zuzulassen, bis geeignete Alternativen entwickelt sind. Nur so kann der Eintrag von PFAS in die Umwelt beendet werden.

Mehr Informationen:

 

Pressestelle BUND Hessen

Andrea Mateja 
Tel.: 069 677376 43 
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de 
Web: www.bund-hessen.de/presse

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 
Landesverband Hessen e.V.

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