Pressemitteilung

40 Jahre Sandoz-Chemieunfall: BUND Hessen fordert strengere PFAS-Regelungen

29. Oktober 2026 | Flüsse & Gewässer

Der Chemieunfall von 1986 verseuchte den Rhein. Auch Löschschaum mit PFAS trug damals unbemerkt zur Belastung bei. Der BUND Hessen fordert ein umfassendes PFAS-Verbot und strengere Grenzwerte für Abwasser.

Dem Rhein geht es dank verschiedener Maßnahmen heute wieder besser. Trotzdem enthält er aufgrund unseres chemie- und konsumgeprägten Lebensstils immer noch Substanzen mit einem ungewissen Restrisiko.

Am 1. November 1986 geriet eine Lagerhalle des Chemieunternehmens Sandoz in Basel in Brand. Bei der Brandbekämpfung gelangten mit dem Löschwasser Hunderte Tonnen giftiger Pestizide, Quecksilber und andere Chemikalien in den Rhein. Eine durch das Löschmittel rot gefärbte Giftwelle löste ein verheerendes Fischsterben aus, das bis nach Wiesbaden reichte. Zahlreiche Wasserwerke entlang des Flusses schalteten vorsorglich Brunnen ab, um das Trinkwasser zu schützen, bis die Giftwelle abgeklungen war.

Bei der Brandbekämpfung kam auch in großen Mengen PFAS-haltiger Löschschaum zum Einsatz, darauf weist der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) hin. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien waren damals als Umweltgefahr noch kaum im Blick. Auch bei vielen anderen Großbränden und Löschübungen kamen sie zum Einsatz.

Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Unsere Umwelt ist durch den bisherigen Umgang mit PFAS bereits viel zu stark belastet. Umso erschreckender ist es, dass die Vorgaben für den Umgang mit diesen Ewigkeitschemikalien bis heute nicht streng genug sind. Wir fordern ein umfassendes Verbot mit wenigen, zeitlich befristeten Ausnahmen, damit nicht noch mehr dieser Stoffe in die Umwelt gelangen. Dazu gehören auch verbindliche Abwassergrenzwerte, die den Aufsichtsbehörden strengere Vorgaben für die Abwasserreinigung ermöglichen.“

Die Katastrophe führte zu einem Wandel im Gewässerschutz. Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) mit Sitz in Koblenz gewann an Bedeutung. Die Überwachung des Rheins wurde ausgebaut und Frühwarnsysteme wurden verbessert. Während 1986 viele Substanzen unentdeckt blieben, erfassen heutige Messstationen zahlreiche Mikroverunreinigungen bis in den Nanogrammbereich – wenn auch nicht alle. Ergänzend soll das Non-Target-Screening helfen, unbekannte Substanzen frühzeitig zu erkennen.

„Trotz dieser Maßnahmen enthält das Rheinwasser als Abbild unserer chemiegeprägten Konsumwelt immer noch einen chemischen Cocktail mit ungewissem Restrisiko“, sagt Jörg Nitsch. „Deshalb begrüßen wir das Ziel der IKSR und der Anliegerstaaten, die Belastung des Rheins mit Mikroverunreinigungen bis 2040 um mindestens 30 Prozent zu senken. Wir fordern jedoch eine Reduzierung um insgesamt 50 Prozent bis 2040, um die Gewässer angesichts des Klimawandels und häufiger extremer Niedrigwasserphasen besser zu schützen.“

 

Pressestelle BUND Hessen

Andrea Mateja 
Tel.: 069 677376 43 
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