Symbolbild Wasser
(Daniel Sinoca
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Zum Weltwassertag am 22. März 2026 erinnert der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) daran, sorgsam mit Wasser und besonders mit Grundwasser umzugehen – auch in Hessen. Denn auch hier stehen Wasserressourcen zunehmend unter Stress. Schadstoffe im Wasser führen zu gesundheitlichen Schäden und die weltweite Klimaerwärmung trägt zu bedenklich schrumpfenden Wasservorräten bei.
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Viele Menschen tun weiterhin so, als wäre Wasser unbegrenzt verfügbar. Doch gerade wenn für Energieversorgung, verarbeitendes Gewerbe, Bergbau, Industrie und Landwirtschaft immer mehr Grundwasser entnommen wird, fehlt es an anderer Stelle. In der Folge können beispielsweise Wasserpegel von Flüssen drastisch sinken und ganze Wälder vertrocknen, wie es aktuell im Hessischen Ried geschieht.“
Doch schrumpfen die Wasservorräte nicht nur, auch ihre Qualität sinkt stetig. Das liegt an der wachsenden Nitratbelastung des Grundwassers infolge der Überdüngung aus der Landwirtschaft. Immer wieder gelangen zudem Medikamentenrückstände über das Abwasser ins Grundwasser und in Oberflächengewässer. PFAS, auch Ewigkeitschemikalien genannt, belasten immer stärker unsere Gewässer.
Der BUND Hessen ruft dazu auf, sorgsam und sparsam mit Wasser umzugehen und zählt Lösungsansätze auf, die direkt in Hessen umsetzbar sind:
- Im Hessischen Ried führen Grundwasserprobleme im Jägersburger und im Groß-Rohrheimer Wald zu schwerwiegenden Baumschäden, da die Wurzeln der Bäume durch gesunkene Pegel den Grundwasseranschluss verloren haben. Um weitere größere Schäden zu vermeiden, ist sofortiges Handeln notwendig. Dazu müssten Vorhaben konsequent priorisiert werden, um größere Mengen aufbereiteten Rheinwassers dem Grundwasser zuzuführen. Doch laut der vom Land Hessen geförderten „Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Rheinwasseraufbereitung“ des Wasserverbands Hessisches Ried kann erst im Jahr 2040 begonnen werden.
- Die Stadt Frankfurt könnte durch gezielte Maßnahmen 50 Prozent ihres Wassereigenbedarfs ortsnah decken. Das zeigen Analysen des BUND Hessen. So könnte die Stadt durch Anpassungen ihres Wasserkonzepts unabhängiger von Wasserimporten aus dem Umland werden. Gleichzeitig könnte die Stadt durch kürzere Transportwege von einer Energieersparnis profitieren. (Siehe Stellungnahme zum Frankfurter Wasserkonzept.)
- Die Erstellung von kommunalen Wasserkonzepten ist eine hessenweite Maßnahme, die dazu beiträgt, die Wasserversorgung angesichts des Klimawandels nachhaltig, sicher und effizient zu gestalten. Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, die Förderung solcher Konzepte wieder aufzunehmen, die das Land Hessen im Jahr 2023 eingestellt hatte.
- Die vermehrte Einrichtung von Zisternen zum Auffangen von Niederschlagswasser sowie der Erlass von Zisternensatzungen können helfen, den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren, indem er durch Betriebswasser substituiert wird. In Hessen finden sich entsprechende Satzungen als Beispiele. Bei städtebaulichen Planungsprojekten müssen Schwammstadtkonzepte regelmäßig mitbedacht werden.
- Die Einführung eines Wasserentnahmeentgelts (Wassercent) dient dazu, finanzielle Anreize zum Wassersparen zu schaffen und gewässerschützende Maßnahmen zu finanzieren. 13 von 16 Bundesländern erheben bereits den Wassercent, auch Bayern will 2026 nachziehen – Hessen fehlt jedoch noch.
- Kläranlagen in Hessen sollten dringlich um vierte Reinigungsstufen erweitert werden. Damit würden Schadstoffe wie PFAS, Arzneimittelrückstände, Röntgenkontrastmittel, Haushalts- und Industriechemikalien usw. aus dem Abwasser entfernt, ehe sie in die anliegenden Bäche abgeleitet werden und somit im Grundwasser und folglich auch in unserem Trinkwasser landen.
- Die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie wird nicht nur in Hessen deutlich verfehlt. So fordert die Richtlinie, dass Oberflächengewässer bis 2027 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand und die Grundwasserkörper in einen guten chemischen und mengenmäßigen Zustand zu bringen sind. Das zu diesem Zweck eingeleitete Förderprogramm der Hessischen Landesregierung „100 Wilde Bäche“ muss dazu ausgeweitet und beschleunigt werden.
- Der schlechte Instandhaltungszustand der Wasserleitungsnetze in hessischen Kommunen muss deutlich verbessert werden, um Trinkwasserverluste zu reduzieren. Marode Leitungsnetze verursachten im Jahr 2023 laut Statistik der hessischen Regierungspräsidien ca. 25 Millionen Kubikmeter Trinkwasserverluste. Damit könnte eine Stadt wie Frankfurt ein halbes Jahr lang mit Trinkwasser versorgt werden.
Für Rückfragen:
Wolf Rüdiger Hansen, Arbeitskreis Wasser des BUND Hessen: 0171 2257 520 oder ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de
Pressestelle BUND Hessen
Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Hessen e.V. | Geleitsstr. 14, 60599 Frankfurt
Hinweis: Diese Pressemeldung wurde am 30.03.2026 nachträglich redaktionell leicht angepasst (präzisierende Formulierungen).