Einleitestelle von K+S für salzhaltige Abwässer in die Werra.
(Foto: Thomas Norgall / BUND Hessen)
Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) fordert von K+S am Runden Tisch zur Vermeidung von Haldenabwässern von der Salzrückstandshalde Neuhof, endlich Vorschläge zur Verbesserung der Umweltsituation vorzulegen.
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Der Runde Tisch tritt seit Monaten auf der Stelle. Nun muss K+S sich endlich erklären. Wenn das Unternehmen in den nächsten Wochen keine Vorschläge zur Verbesserung der Umweltsituation am Runden Tisch vorlegt, dann macht eine Fortsetzung des Formats keinen Sinn mehr.“
Die Vorschläge sollte K+S noch rechtzeitig vor den Kommunalwahlen in Hessen am 15. März 2026 äußern, damit die Politik Gelegenheit hat, dazu Stellung zu beziehen. Auch für Wählende können die nächsten Schritte des Unternehmens und die Reaktionen der Politik von Interesse sein.
Der BUND weist zudem darauf hin, dass nur schnelle Entscheidungen des Runden Tisches noch in die laufende Planung zur Reduzierung der Salzbelastung durch K+S einfließen können. Dringend ist dies, da das Unternehmen entgegen früherer Zusagen plant, die Werra auch nach 2028 und bis mindestens 2039 unverändert zu belasten. Aktuell gilt hier zwar noch die Bewirtschaftungsplanung 2021-2027, doch die Fortschreibung zur „Bewirtschaftungsplanung 2027-2033“ hat längst begonnen.
Nach Meinung des BUND muss K+S verbindlich erklären, dass die Halde Neuhof nach dem Auslaufen der bestehenden Genehmigung im Jahr 2035 nicht mehr vergrößert wird. Bei der von K+S geplanten Fortsetzung des Kalibergbaus müssen alle Rückstandssalze wieder in das Bergwerk verbracht werden.
Die bisher geplante vollständige Abdeckung der Halde Neuhof ist, wie der Gutachter Dr. Ralf Krupp am 14. Januar 2026 bei der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative Umwelt Neuhof e.V. erläuterte, nicht möglich. Der immer wieder auch vom BUND geforderte Rückbau der bestehenden Halde Neuhof drängt sich nun verstärkt als notwendige Maßnahme auf. Das Gutachten von Dr. Krupp muss im Rahmen des Runden Tisches schnellstens durch die Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden.
K+S muss seinen Widerstand gegen Bau und Inbetriebnahme einer Pilotanlage zur Entsalzung aufgeben. Diese Anlage wurde von der Fachgruppe Entsalzung des Runden Tisches einstimmig gefordert.
Auf allen standfesten Bereichen der Halde Neuhof müssen schnellstens Photovoltaikanlagen errichtet werden. Durch eine überlappende Anordnung der Anlagen und die Ableitung des Regenwassers über eine unten angebrachte Regenrinne kann der Eintritt von Niederschlagswasser in die Salzrückstandshalde reduziert werden. Der mit Photovoltaikanlagen gewonnene Ökostrom wird dringend gebraucht.
Hintergrund
Der Runde Tisch beruht auf dem Eckpunktepapier zwischen K+S, der Gemeinde Neuhof und der Bürgerinitiative Umwelt Neuhof e.V. (BI Umwelt Neuhof) vom 3. März 2023. Hintergrund war die von K+S geplante Dickschichtabdeckung der riesigen Salzrückstandshalde in Neuhof, die mehr als 100 Jahre andauern und zur großflächigen Haldenerweiterung führen sollte. Gegen dieses Vorhaben gründete sich die BI Umwelt Neuhof, die bis heute eine starke Unterstützung in der Bevölkerung besitzt.
Von der ersten Sitzung am 13.09.2023 bis zum 27.08.2025 fanden 11 Sitzungen des Runden Tisches sowie weitere Sitzungen von Arbeitsgruppen statt. In keiner Sitzung legte K+S einen Vorschlag zur Reduktion der Haldenabwässer vor, sondern konzentrierte sich darauf, Vorschläge aller anderen Teilnehmer*innen abzuwehren.
Als Reaktion auf diese Haltung brachten die Gemeinde Neuhof, die BI Umwelt Neuhof, der BUND Hessen, die Jagdgenossenschaft und die Landwirte in die 11. Sitzung des Runden Tisches einen gemeinsamen Beschlussvorschlag ein. Dieser beinhaltete, dass die künftige Beratung sich auf die Machbarkeit des „Drei-Phasen-Plans“ bestehend aus Phase 1 „Sofortige Reduzierung der Salzfracht in die Werra“, Phase 2 „Schrittweise Reduzierung des Haldenwasseranfalls und Phase 3 „ökologische Renaturierung der Resthaldenfläche“ beschränken solle.
K+S nahm an der 11. Sitzung nicht teil. Als Begründung gab das Unternehmen an, der Beschlussvorschlag stelle eine unzulässige Einschränkung zum Eckpunktepapier dar, da er eine ergebnisoffene Diskussion verhindere.
Der BUND Hessen hatte sich in dieser Sitzung dafür eingesetzt, dass die Vertragsparteien des Eckpunktepapiers sich bis zur nächsten Sitzung des Runden Tisches auf eine aktualisierte, gemeinsame Grundlage der weiteren Beratung am Runden Tisch einigen sollten. Einstimmig beschlossen wurde „Die Teilnehmenden bringen ihren Wunsch zum Ausdruck, dass die Vertragsparteien K+S, Gemeinde und Bürgerinitiative Umwelt Neuhof in Vorbereitung der nächsten Sitzung des Runden Tisches etwaige Anmerkungen und Änderungsvorschläge seitens K+S verhandeln und eine endgültige Fassung des Beschlussvorschlags zur Abstimmung des 12. Runden Tisches vorbereiten.“
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