BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Welttag des Zugvogels | Der Steinschmätzer: Leben im Extremen

07. Mai 2021 | Biologische Vielfalt, Naturschutz

Am 08. Mai ist der Tag des Zugvogels, den wir 2021 dem Steinschmätzer widmen, denn um den kleinen Singvogel steht es schlecht: In Deutschland ist die Art heute „vom Aussterben bedroht“ und in Hessen gibt es nur noch gut 20 Brutpaare.

Steinschmätzer-Weibchen mit fetter Beute.

Frankfurt am Main, Pressemitteilung vom 07. Mai 2021

Das Leben des kleinen und heute bei uns seltenen Singvogels findet zwischen Extremen statt. Kein anderer Kleinvogel legt einen so weiten Weg zwischen Sommer- und Winterquartier zurück. Alle Populationen überwintern im tropischen Afrika. Je nach Brutregion legen die nur 25 Gramm schweren Zugvögel jedes Jahr Strecken zwischen 4.000 Kilometern nach Mitteleuropa und bis zu 30.000 Kilometern nach Alaska zurück. Das ist Weltrekord unter den Singvögeln.

Ebenso extrem ist die Populationsentwicklung der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe): In Deutschland ist die Art heute „vom Aussterben bedroht“ und wird in der höchsten Kategorie der Roten Liste der bedrohten Vogelarten geführt. In Hessen ist der Bestand der einst weit verbreiteten Art in den letzten Jahren auf einen Restbestand von nur noch gut 20 Brutpaaren zurückgegangen.

Der gut getarnte Vogel hat auch extreme Ansprüche an geeignete Brutgebiete:

Wichtig ist eine spärliche Vegetation sowie Gelände mit Höhlen zum Nestbau. In Deutschland findet er diese Bedingungen beispielsweise im Hochgebirge, wo seine Bruten überwiegend oberhalb der Baumgrenze zwischen 2.000 und 3.000 Metern Höhe liegen oder auf Meereshöhe in den Dünen der Nordseeküste. Hier macht er sich die Bauten von Kaninchen für die Aufzucht seiner Jungen zu eigen. In Hessen gibt es nur noch eine einzige Steinschmätzer-Population im Rhein-Main-Gebiet.

Als Ursache des Rückgangs können die starken Nährstoffeinträge aus der Luft angenommen werden, die überall für eine in früheren Jahrhunderten starke Vegetationsentwicklung sorgten, wodurch die vom Zugvogel bevorzugte Kargheit in Landschaften zur Seltenheit wurde. Doch die sehr trockenen Sommer der letzten Jahre haben das Pflanzenwachstum gehemmt, sodass er wegen des verringerten Vegetationsaufwuchses mehr Nahrung für die Jungvögel fand und die Nachwuchsrate anstieg. Dadurch ist die Population in Hessen etwas angewachsen. Trotzdem löst der weltweite Klimawandel wie für jeden Zugvogel vor allem Sorgen aus, weil niemand vorhersagen kann, welche Wirkungen er auf die Lebensbedingungen an den extrem unterschiedlichen Lebensstätten hat und welche neuen Gefahren unserem Weltrekordhalter noch drohen.

Weitere Informationen:

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
069 677376 43
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