Im Wald ist der Wolf daheim.
(Foto: Cornelia Arens / KlickFaszination)
In Hessen sind im Jahr 2025 weiterhin nur wenige Wölfe sesshaft. Auch die Anzahl der Nutztierrisse bleibt gering. Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) fordert deshalb, in Hessen auf eine allgemeine Jagdzeit für Wölfe zu verzichten.
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Bei nur drei Wolfsrudeln in Hessen macht eine allgemeine Jagdzeit für den Wolf in Hessen keinen Sinn. Wichtiger zur Vermeidung von Nutztierrissen bleiben nach wie vor insbesondere Verbesserungen beim Herdenschutz.“
Die Anzahl der sesshaften Wölfe ist im Jahr 2025 in Hessen mit drei Wolfspaaren und -territorien gegenüber dem Vorjahr unverändert. Dies entspricht dem bundesweiten Trend, nachdem die Bestandsgröße seit zwei Jahren gleichbleibend ist. Das frühere Wachstum der Wolfspopulation in Deutschland gehört damit der Vergangenheit an.
Keines der hessischen Rudel reißt auffällig viele Nutztiere, wie auch die amtliche Tabelle der Nutztierrisse bestätigt. „Das Risiko für Nutztierrisse kann sich jedoch sofort erhöhen, wenn infolge der allgemeinen Jagdzeit ein territorialer Altwolf geschossen und damit die bestehende Rudelstruktur zerstört wird“, warnt der BUND Vorsitzende. Dass dies Probleme auslösen kann, ist ein bekannter Effekt. So führt die Zerschlagung von Rudelstrukturen oft dazu, dass neue Wölfe einwandern, die wiederum vermehrt Nutztiere reißen, oder die Jagdstrategie des bestehenden Rudels sich ändert und damit ebenfalls zu vermehrten Nutztierrissen führt.
Tatsächlich gab es in Hessen auch im Jahr 2025 nur wenige bestätigte Nutztierrisse durch den Wolf. Die Zahl stieg zwar gegenüber 2024 von sechs auf elf an, blieb damit aber moderat. Die Zahlen haben sich im Vergleich zum Jahr 2023 mit 45 bestätigten Nutztierrissen auf niedrigem Niveau eingependelt. Verursacher dürften vor allem „Wanderwölfe“ sein, die auf der Suche nach einem eigenen Territorium über Hunderte von Kilometern durch Europa laufen. Diese Wölfe sind ständig in einer neuen Umgebung und müssen lernen, allein Beute zu machen. Ungeschützte Schafe und Ziegen sind für sie leicht zu erlegen. Es besteht daher immer das Risiko, dass solche Wölfe wiederholt versuchen, durch diesen Lerneffekt Nutztiere zu reißen.
Um die Zahl der Nutztierrisse weiter zu senken, ist nach Meinung des BUND Hessen wichtig, die Akzeptanz des Herdenschutzes zu fördern. So werden in Hessen vor allem Schafe und Ziegen gerissen, die ohne Herdenschutz auf Weiden gelassen werden. In den Jahren 2022 bis 2024 betrug der Anteil der Nutztiere, die ganz ohne Herdenschutz gerissen werden, über 68 Prozent. Auch die jüngsten Risse bei Greifenstein erfolgten an Schafen, die nicht speziell gegen Wölfe geschützt waren.
Die wichtige Bedeutung des Herdenschutzes bei der Prävention von Nutztierrissen hat auch der Bundestag erkannt, wie in seinem Entschließungsantrag an die Bundesregierung deutlich wird. So ermöglichen die sehr weitgehenden Möglichkeiten des neuen Bundesjagdgesetzes nur dann den erleichterten Abschuss eines Wolfs, wenn dieser vor dem Riss eines Nutztieres den Herdenschutz überwunden hat.
Wie viele Nutztierrisse durch Wölfe möglicherweise unerkannt blieben, lässt sich aus den amtlichen Zahlen nach der Änderungen der Bewertungskategorien unter Landwirtschaftsminister Ingmar Jung nur schwer abschätzen. Bis Ende 2024 gab es in der amtlichen Tabelle der Nutztierrissedie Kategorie „Wolf kann mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden“, ab 2025 lautet diese Einstufung nun „Wolf kann nicht ausgeschlossen werden“. In 2025 wurden dieser Kategorie 34 Fälle aufgelistet, in 2024 waren es 36 Fälle. Immerhin kann aus den Zahlen trotz der geänderten Kategorisierung ein Gleichstand der Fälle in beiden Jahren gefolgert werden. Offen bleibt, wie wahrscheinlich die Annahme des Wolfs als Verursacher des Nutztierrisses seit 2025 tatsächlich ist. „Die Kategorie zur Bewertung von Nutztierrissen wurde leider entsprechend der Weidetier-Richtlinie vom 23. Januar 2025 angepasst. Durch diese verschleiernde Formulierung wird der Wolf noch häufiger vorschnell zum Verursacher erklärt“, erklärt Jörg Nitsch.
Hintergrundinformationen:
- Wolfsterritorien in Hessen
- Liste der gemeldeten Nutztierschäden in Hessen
(Anhand dieser Tabelle hat der BUND Hessen eine eigene Auswertung vorgenommen) - Antwort des Minister fü̈r Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat vom 06.10.2025 – LT-Drucksache 21/2505
- Vorgehensweise Beurteilung von Nutztierschäden
(Die Änderung der Kategorien erfolgte entsprechend den erleichterten Entschädigungsregeln in der neuen hessischen Weidetier-Richtlinie vom 23.01.2025. Dass Tierhalter auch im „Zweifelsfall“ entschädigt werden, führt zur Verschleierung mit welcher Wahrscheinlichkeit der Wolf als Verursacher von Nutztierrissen zu sehen ist.) - Entschließungsantrag von CDU/CSU und SPD im Bundestag – BT-Drs. 21/4371
Kontakte für Rückfragen:
- Thomas Norgall, Sprecher der AG Wolf und Weidetiere im BUND, Tel.: 0170-2277238, E-Mail: thomas.norgall(at)bund.net
- Josephin Bruhn, Naturschutzreferentin BUND Hessen, Tel.: 0176-85911130, E-Mail: josephin.bruhn(at)bund-hessen.de
Pressestelle BUND Hessen
Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Hessen e.V. | Geleitsstr. 14, 60599 Frankfurt