BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Vorderheide: Planer haben die Nachtigall übersehen – Qualität der überarbeiteten Unterlagen weiterhin mangelhaft

02. Juni 2015 | Lebensräume, Naturschutz

Rettet die Streuobstbestände der Vorderheide! – BUND beanstandet Mängel beim Bebauungsplan der Stadt Hofheim am Taunus.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird seinen Rechtsstreit gegen den Bebauungsplan Vorderheide fortsetzen, um die ökologisch wertvollen Streuobstbestände zu retten. Das ist das Ergebnis nach Durchsicht der neuen Unterlagen, die derzeit offengelegt sind. BUND Naturschutzreferent Thomas Norgall: „Die neuen Gutachten werfen neue Fragen auf und sind weiterhin mangelhaft.”

Als Beispiel für die mangelhafte Qualität führt Norgall an, dass Planer die Nachtigall übersehen haben, obwohl dieser Vogel wegen seines lauten und schönen Gesangs auch Laien gut bekannt ist. Bis in die erste Maihälfte singen Nachtigallen intensiv. Nun, Anfang Juni, muss man schon Glück haben, um sie noch zu hören, denn die Tiere konzentrieren sich jetzt auf das Brutgeschäft. Unverständlich ist für den Naturschutzfachmann auch die Aussage, dass die Planer der Stadt Hofheim das Reh „aktuell” nicht mehr in der Vorderheide festgestellt haben. Um diese häufige Art zu beobachten, müsse man allerdings morgens früh genug durch die Vorderheide gehen. Die Tiere wechseln nämlich meist erst bei Dunkelheit aus dem Wald in das Streuobstgebiet und ziehen sich von dort morgens mit dem Auftreten der ersten Spaziergänger und Hunde wieder in den Wald zurück.

Auch in dem reichhaltigen Fledermausvorkommen sieht der BUND weiterhin einen Knackpunkt der Planung. Es sei zwar gut, dass die Stadt auf den Druck des BUND hin nun endlich die Fledermäuse habe gründlicher untersuchen lassen. Doch mit den Schlussfolgerungen der städtischen Gutachter ist der BUND nicht einverstanden. Das Gebiet ist mit mindestens zwölf Arten außergewöhnlich wertvoll und für diese hohe ökologische Qualität enthält die Planung bisher kein überzeugendes Ausgleichskonzept. Die umfangreichen Gutachten zur Vogelwelt und zum Vorkommen der Fledermäuse, die die Stadt nun endlich vorgelegt habe, belegen für den BUND vielmehr eindrucksvoll, dass die Erhaltung der Natur in der Vorderheide Vorrang vor der Schaffung eines neuen Baugebietes haben muss.

Die Bebauung der Vorderheide ist für den BUND eine Planung aus der Vergangenheit, die nicht mehr in unsere Zeit passt. „Wir müssen als Gesellschaft endlich ernst machen mit der Schonung der Böden und der Innenentwicklung Vorrang vor dem Flächenverbrauch geben”, fordert Norgall und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das Jahr 2015 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr zum Schutz des Bodens” erklärt wurde.
 

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