Pressemitteilung

Rechenzentren: Im Wettlauf um die KI-Hoheit darf uns nicht die saubere Luft wegbleiben

09. April 2026 | Rechenzentren

Damit die Stromversorgung von Rechenzentren auch bei Netzausfällen gewährleistet werden kann, verfügen sie oft über Notstromdieselmotoren. Doch dies geht zu Lasten unserer Gesundheit, warnt der BUND Hessen.

Server-Raum eines Rechenzentrums Die Serverleistung im Rechenzentrum verbraucht viel Energie.  (Foto: phonlamaiphoto / AdobeStock)

Rechenzentren gelten als Motor der digitalen Zukunft. Doch ihr rapider Ausbau weist Parallelen zu einer Zeit auf, in der Autos die Luft ungefiltert verschmutzten, bevor das Ausmaß der entstehenden Gesundheitsschäden ernst genommen wurde, mahnt der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen).

Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Im Wettlauf um die KI-Hoheit darf uns nicht die saubere Luft wegbleiben. Niemand sollte Schadstoffe einatmen müssen, nur weil Hessen ein führender Standort für Rechenzentren bleiben will. Hessen sollte nicht nur bei der Rechenleistung, sondern auch bei der Nachhaltigkeit Maßstäbe setzen, damit der Fortschritt nicht zur Belastung für unsere Gesundheit wird.“

Weit mehr als 100 Rechenzentren gibt es bereits im Rhein-Main-Gebiet und damit auch über 400 Dieselgeneratoren, die bei Netzausfällen die Stromversorgung der Anlagen sicherstellen sollen. Diese Dieselmotoren werden regelmäßig getestet – in der Regel einmal im Monat für eine Stunde und zusätzlich einmal im Jahr im 24-Stunden-Dauerbetrieb. Bei diesen Tests stoßen die Motoren enorme Mengen Schadstoffe aus, darunter Stickoxide und vor allem auch viel Feinstaub, die bekanntermaßen schwere Atemwegserkrankungen wie Asthma verursachen können, das Herz-Kreislauf-System belasten und allein in Deutschland jedes Jahr zu mehreren Tausend vorzeitigen Todesfällen führen. Die Verschmutzung ist oft besonders groß, da die Motoren lediglich als Notstromversorgung dienen und weniger als 300 Stunden im Jahr betrieben werden. So müssen sie die Emissionsgrenzwerte für Stickoxide nicht einhalten.

Kein Wunder also, meint der BUND Hessen, dass die Luftbelastung im Rhein-Main-Gebiet nicht sinkt. Zudem muss ab 2030 die Stickoxidbelastung der Atemluft halbiert und nach Empfehlung der WHO sogar um den Faktor vier gesenkt werden. „Zum Ziel, die Luftqualität kontinuierlich zu verbessern, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen, passen die Rauchschwaden aus den Dieselmotoren der Rechenzentren nicht. Zudem genehmigen die Behörden oft Emissionswerte, die um das Fünf- bis Zehnfache höher liegen als technisch machbar ist“, kritisiert Jörg Nitsch.

Je mehr dieser Rechenzentren in Betrieb gehen, desto größer also die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Daher fordert der BUND Hessen, für bestehende und künftige Rechenzentren die bestmögliche Abgasreinigung für alle Notstromdiesel einzusetzen und zugleich zügig bessere Lösungen zu entwickeln und zu etablieren – etwa moderne Generatoren auf Basis von Brennstoffzellen. Das Land Hessen sollte sich zudem dafür einsetzen, dies auch in einer Überarbeitung der 44. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (44. BImSchV) gesetzlich festzuschreiben. „Wenn wir in Hessen bei Rechenzentren langfristig vorne mitspielen wollen, müssen wir Vorreiter sein und als Erste die saubersten und modernsten Systeme für die Notstromversorgung einsetzen“, sagt Jörg Nitsch.

 

Mehr Informationen:

 

Pressestelle BUND Hessen

Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Hessen e.V. | Geleitsstr. 14, 60599 Frankfurt

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