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Pressemitteilung

Chemieunternehmen Merck wird Vorreiter bei der Abwasserreinigung in Hessen – Umweltministerin Hinz unterschätzt die Bedeutung des Kläranlagenausbaus

19. November 2021 | Flüsse & Gewässer, Chemie

„Der Bau der vierten Reinigungsstufe der Kläranlage bedeutet einen großen Fortschritt für den Gewässerschutz im Hessischen Ried."

Mit dem ersten Spatenstich zum Bau der vierten Reinigungsstufe seiner Zentralkläranlage wird das Chemieunternehmen Merck in Darmstadt zum Vorreiter der Abwasserreinigung in Hessen. Jörg Nitsch, Vorsitzender des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen): „Der Bau der vierten Reinigungsstufe der Kläranlage bedeutet einen großen Fortschritt für den Gewässerschutz im Hessischen Ried. Nach der Inbetriebnahme wird sich die Konzentration vieler Mikroschadstoffe im Abwasser des Chemie- und Pharmaunternehmens an seinem Stammsitz in Darmstadt deutlich vermindern.“

Zugleich bemängelt der BUND einen nur schleppenden Fortgang beim Ausbau kommunaler Kläranlagen. Während zwischen der Ankündigung der Firma Merck zum Bau der vierten Reinigungsstufe bis zum ersten Spatenstich nur ein Jahr vergangen ist, geht es mit dem bereits in der Regierungserklärung vom 20.03.2018 von Umweltministerin Hinz angekündigten Bau der vom hessischen Umweltministerium zur Förderung vorgesehenen vierten Reinigungsstufen in kommunalen Kläranlagen im Hessischen Ried kaum voran. So wird für die vierte Reinigungsstufe in der Großkläranlage Darmstadt immer noch an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. 

Das grün-schwarze Nachbarland Baden-Württemberg geht die Verminderung von Mikroschadstoffen hingegen wesentlich energischer an. 125 Kläranlagen sind dort für den Bau von vierten Reinigungsstufen identifiziert. Davon waren im April 2021 bereits 21 Anlagen in Betrieb und weitere 23 in Planung oder im Bau. In Bayern sollen etwa 90 Kläranlagen in vier Flusseinzugsgebieten ausgebaut werden, in oberster Priorität 10 bis 15 Anlagen vorwiegend in der Main-Region. In Hessen fällt die Landesförderung hingegen viel zu knapp aus. Gemeinden außerhalb des Hessischen Rieds haben quasi keine Chance, eine staatliche Förderung zum Bau einer vierten Reinigungsstufe zu erhalten. Sie müssen Änderung und Betrieb der vierten Reinigungsstufe komplett aus der kommunalen Abwassergebühr finanzieren. 

Fazit des BUND: Das Umweltministerium unterschätzt immer noch die Bedeutung der Erweiterung der Kläranlagen um eine vierte Reinigungsstufe beim Kampf gegen den schleichenden Eintrag von Spurenschadstoffen aus Medikamenten und vielen Alltagsprodukten in die Gewässer und von dort aus ins Grundwasser. Bezeichnend ist, dass die bereits vor Monaten erhobene Forderung des Verbandes nach einer eigenen Arbeitsgruppe „Abwasserreinigung“ im Rahmen des Dialogforums „Spurenstoffe im Hessischen Ried“ bis heute nicht beantwortet wurde.

 

Hintergrund:

 

Pressekontakt:

Thomas Norgall, stellv. Geschäftsführer des BUND Hessen | Tel.: 0170 2277238

 

 

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