BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

BUND und Land Hessen beenden Rechtsstreit um Riederwaldtunnel – Planänderungen führen zum Erhalt von Grünflächen, dem besonderen Schutz des Waldes und zum Bau einer Grünbrücke über die A 66

12. November 2019 | Mobilität, Biologische Vielfalt, Wälder, Naturschutz

Gemeinsame Pressemitteilung von Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement & Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Vertreter*innen von BUND Hessen und Hessen Mobil haben den Vergleich unterzeichnet (Foto: Hessen Mobil)

Wiesbaden, 12.11.2019. – Der Landesvorsitzende des hessischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jörg Nitsch, und der Präsident von Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement, Gerd Riegelhuth, haben heute eine Vereinbarung zur Beendigung eines Rechtsstreits unterschrieben. Dieser Rechtsstreit hatte sich vor rund zwölf Jahren an der Errichtung des Riederwaldtunnels im Zuge der A 66 im Bereich „Enkheimer Wald/Fechenheimer Wald“ entzündet. Beiderseitige konstruktive Bemühungen um eine Problemlösung in der Sache haben zu Planänderungen geführt, welche zu einer Einigung und einer Rücknahme der Klage des BUND gegen das Vorhaben geführt haben. Für den Präsidenten von Hessen Mobil, Gerd Riegelhuth, ist die Vereinbarung „ein wichtiger Schritt zur Fertigstellung des Riederwaldtunnels“. Der Landesvorsitzende des BUND, Jörg Nitsch sagte zur Vereinbarung: „Sie ist ein nach der Sach- und Rechtslage guter Kompromiss, auch wenn der Weiterbau der Autobahn A 66 für den BUND nicht die richtige Antwort auf die Verkehrsprobleme im Frankfurter Osten ist“. Im Ergebnis steht die Vereinbarung für eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Naturschutzverband und Straßenbauverwaltung zum Wohl der Menschen und ihrer Umwelt in der Region.

Nachdem der Hessische Verwaltungsgerichtshof im Jahr 2009 in einer ersten mündlichen Verhandlung über die Klage des BUND eine Überarbeitung der Planung angeregt hatte, wurde vereinbart, das Verwaltungsstreitverfahren ruhen zu lassen. Seither hat Hessen Mobil in mehreren Änderungsverfahren Umweltauswirkungen neu begutachtet und weitreichende Umplanungen vorgenommen. Im Ergebnis werden nun Maßnahmen auch vor Ort realisiert, mit denen die nachteiligen Auswirkungen des Autobahnbaus auf die Lebensbedingungen geschützter Tiere verringert werden und die die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Autobahn im Frankfurter Osten reduzieren.

Wichtigste Änderung war die räumliche Verschiebung der ursprünglich geplanten Tunneltrasse die 2011 planfestgestellt worden und zum Erhalt eines ökologisch bedeutsamen Baumbestandes im Ortsteil Riederwald geführt hat. Dieser Baumbestand entlang der Straße „Am Erlenbruch“ ist wichtig für das Stadtklima und dient gleichzeitig als Leitstruktur für verschiedene Fledermausarten auf ihrem Weg vom Enkheimer Wald in den Ostpark und zurück. Entlang dieser Bäume wird zukünftig auch ein Fuß- und Radweg die autofreie Verbindung Richtung Innenstadt erleichtern.

Aufgrund der Klage des BUND wurden weitere tierökologische Gutachten in Auftrag gegeben. Diese haben im Lichte aktueller rechtlicher Entwicklungen zu einem deutlich größeren Naturausgleich für die mit dem Lückenschluss der A 66 verbundenen Eingriffen geführt. Neben einem bereits fertiggestellten Teich im Fechenheimer Mainbogen wurde von Hessen Mobil ein weiterer Teich mit der Zweckbindung Naturschutz im Enkheimer Wald von der Stadt Frankfurt gekauft. Zudem hat Hessen Mobil Streuobstwiesen im Umfeld des Seckbacher Sausees als Kompensation gepflanzt. Daneben sind zahlreiche planerische Optimierungen von Hessen Mobil im landschaftspflegerischen Begleitplan für die oberirdische Gestaltung der Tunneldecke und der Straße „Am Erlenbruch“ vorgenommen worden, z. B. umfangreiche Baum- und Gehölzpflanzungen oder die Anlage von Grasflächen.

Die für den Naturschutz wichtigsten planerischen Veränderungen finden im Fechenheimer und Enkheimer Wald statt:

  • Der zukünftige Verzicht auf eine forstwirtschaftliche Nutzung auf einer Fläche von ca. 15 Hektar stellt einen wesentlichen Gewinn für die Tierwelt im Frankfurter Osten dar, weil auf dieser Fläche Waldbäume ihr natürliches Alter erreichen können und Tiere, wie Vögel oder Fledermäuse, die auf alte Bäume angewiesen sind, langfristig optimale Lebensbedingungen finden werden. Der zukünftige Urwaldcharakter der Fläche erhöht wesentlich das Naturerlebnis und den Erholungswert des Waldes für die Bevölkerung.

  • Mit einer neuen Grünbrücke über die vorhandene Autobahn A 66 im Verlauf der heutigen Wirtschaftswegebrücke zwischen Fechenheim und Enkheim werden die bisher durch die bestehende Autobahn jahrzehntelang getrennten Waldstücke wieder vernetzt. Fledermäuse, wie Bechstein- oder Wasserfledermaus, können zukünftig gefahrlos die Autobahn überqueren und entlang der auf der Brücke wachsenden Sträucher vom Wald südlich der Autobahn Richtung Norden zum Berger Hang fliegen und dort neue Nahrungsbiotope erreichen. Auch andere Tiere, wie Rehwild oder Eidechsen, können die Autobahn über die 20 Meter breite und bewachsene Grünbrücke queren. Für Fußgänger und Radfahrer bedeutet die neue begrünte Brücke auch eine attraktive Wegeverbindung über die stark befahrene Autobahn.
     

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