Moderne Kläranlagen leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Gewässer – für sauberes Wasser und mehr Artenvielfalt.
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Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) zeigt sich beeindruckt von der Reinigungsleistung der vierten Reinigungsstufe der Kläranlage Mörfelden-Walldorf. Die Anlage, die seit etwa zwei Jahren in Betrieb ist, entfernt Schadstoffe besonders effizient.
Jörg Nitsch, BUND-Landesvorsitzender: „Die Stadt Mörfelden-Walldorf hat sich für eine Variante entschieden, die auf eine Kombination von Ozonung, Pulveraktivkohle und Tuchfiltration setzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im optimierten Betrieb entfernt die Anlage eine Vielzahl schädlicher Stoffe aus dem Abwasser. Die Ablaufwerte haben sich deutlich verbessert.“
Eine Verminderung von Mikroschadstoffen in Gewässern verbessert den Gesundheitszustand und die Artenzusammensetzung der Gewässerlebewesen erheblich, wie wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen. Um den von der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten ökologischen Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen, sind in vielen Fällen einleitende Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe notwendig. Aus Sicht des BUND Hessen ist es erforderlich, derartige Maßnahmen daher hessenweit zügig umzusetzen. Ein zentrales Beispiel ist das EU-Projekt „Lebendige Lahn“. Das Ziel des von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützten Projektes ist eine deutliche Verminderung der Einträge von Nähr- und Schadstoffen. Dies erfordert insbesondere die Aufrüstung der großen Kläranlagen in Marburg, Gießen und Wetzlar.
Andreas Gräfe, Sprecher des BUND Hessen-Arbeitskreises Wasser: „Mitglieder des Arbeitskreises haben die Anlage in Mörfelden-Walldorf kürzlich besichtigt. Die Stadt kann stolz sein auf diese Investition. Das Betriebspersonal ist sehr motiviert und arbeitet höchst engagiert, um so seinen Beitrag zum Gewässerschutz zu leisten.“
Im Hessischen Ried, wo auch Mörfelden-Walldorf liegt und bis zu 40 Prozent des Trinkwassers für das Rhein-Main-Gebiet gewonnen werden, ist der Ausbau der Abwasserreinigung aus Sicht des BUND Hessen besonders dringend. Gelangen Schadstoffe aus den Kläranlagen in die Gewässer, können sie durch die Sohle in das Grundwasser versickern.
Seit etwa zehn Jahren fordert der BUND Hessen bereits eine Ausstattung von Kläranlagen im hessischen Ried mit einer vierten Reinigungsstufe. Umso mehr begrüßt er daher die Einschätzung des zuständigen Ministeriums, das am 1. Juli 2025 im Rahmen des Dialogforums „Spurenstoffe im Hessischen Ried“ betonte, wie wichtig derartige Maßnahmen für den Gewässerschutz im Ried seien.
Deutlichen Nachholbedarf sieht der BUND Hessen allerdings bei der größten in das Ried einleitenden Anlage, der Zentralkläranlage Darmstadt. Zehn Jahre nach der Diskussion zur großen Rolle, die auch diese Anlage bei der Grundwasserverschmutzung spielt, liegt lediglich eine Machbarkeitsstudie für eine vierte Reinigungsstufe vor. Eine Ausführungsplanung und der Bau sind noch in weiter Ferne.
„Hier muss endlich Tempo gemacht werden“, forder Jörg Nitsch. „Wir fordern die Stadt und das Land auf, alles Mögliche für die rasche Umsetzung dieses für das Hessische Ried besonders bedeutsamen Vorhabens zu tun.“