BUND Landesverband
Hessen e.V.

Knotengitterzäune im Wald: Gefahr für Wildkatzen

04. September 2020 | Wildkatze

Europäische Wildkatze im Sommer. (Foto: Thomas Stephan)

Bei Waldspaziergängen fallen sie immer wieder auf: Knotengitterzäune, die ganze Waldstücke umgeben. Diese Zäune werden dort aufgestellt, wo neu gepflanzte Bäume vor Verbiss durch Wildtiere geschützt werden sollen. Doch leider werden diese Zäune immer wieder zur Todesfalle – auch für die gefährdete Europäische Wildkatze.

Wildkatzen versuchen bei ihren Streifzügen durch den Wald über die Zäune zu klettern und können dort mit ihren Krallen in den Drahtverknotungen hängenbleiben. Die Katzen können sich aus den Zäunen nicht selbst befreien und verstümmeln sich häufig bei dem Versuch. Die Tiere sterben meistens qualvoll nach einigen Tagen an Verdurstungen oder ihren Verletzungen.

Deshalb sollte der Einsatz von Knotengitterzäunen in Wildkatzenlebensräumen wo immer möglich vermieden werden. Alternativen sind z.B. Hordengatter aus Holz oder angepasste Wildbestände. Jedenfalls müssen alte, überflüssige Knotengitterzäune zügig aus dem Wald entfernt werden. Möglicherweise können auch Überkletterhilfen aus Holz das Risiko für Wildkatzen abmildern.

Wenn Sie ein verunfalltes Tier in einem solchen Zaun entdecken, sollten Sie es keineswegs anfassen. Das Tier ist dann extrem gestresst und wird sich heftig wehren. Zudem unterstehen Wildkatzen dem Naturschutzrecht, so dass Sie sie nicht einfach mitnehmen können. Am besten informieren Sie schnellstmöglich die regionale Naturschutzbehörde, den BUND oder die Polizei.

 

Seltene Rettung durch Wildkatzenfreund*innen

Nur in seltenen Fällen können verunfallte Katzen gerettet werden: Im Herbst 2019 verfing sich eine Wildkatze an einem Knotengitterzaun in einem Waldstück in Mittelhessen. Der Kuder blieb mit seinem Hinterlauf in dem Drahtgeflecht hängen und wurde erst nach mehreren Tagen von einer Spaziergängerin gefunden.

Tierschützer*innen der Wildtierhilfe befreiten das Tier aus dem Zaun und brachten ihn in die Tierklinik. Die Ärzte konnten das Leben des Katers in einer Notoperation zwar retten, doch sein verstümmelter Hinterlauf musste amputiert werden.

Heute lebt die Wildkatze, die mittlerweile den Namen Carlos trägt, zusammen mit einer gleichaltrigen weiblichen Katze in einem Wildtiergehege, wo er darauf wartet, in den neu gestalteten Tierpark Lüneburger Heide umzuziehen.

 

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