Wildkätzchen erkundet den frühherbstlichen Wald.
(Foto: Helmut Weller – blickpunkt natur)
- Wildkatzen kehren in viele Regionen zurück
- Verwechslung mit Hauskatzen gefährdet Jungtiere
- BUND gibt konkrete Verhaltenstipps
Im Frühjahr werden in Hessens Wäldern wieder junge Europäische Wildkatzen gesichtet. Die gute Nachricht: Die einst seltene Art breitet sich zunehmend wieder aus. Gleichzeitig wächst jedoch eine neue Gefahr: Immer wieder werden Wildkatzenjungtiere von Waldbesuchenden mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen. Das kann jedoch tödliche Folgen haben. Der BUND Hessen appelliert daher eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen.
Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin beim BUND Hessen: „Die Wildkatze kehrt in viele hessische Wälder zurück. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch genau diese positive Entwicklung bringt ein neues Risiko mit sich: Ihre Jungtiere werden häufig mit Hauskatzen verwechselt.“
Wildkatzen sind aber keine davongelaufenen Hauskatzen, sondern echte Wildtiere. Erst vor drei Jahren gelangen wieder Nachweise in Regionen, in denen die Art lange verschwunden war, wie beispielsweise im hessischen Odenwald. Die Anwesenheit der Wildkatze gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder.
Zum Verwechseln ähnlich
Wildkatzen sehen graugetigerten Hauskatzen ähnlich. Zudem lässt das alleinerziehende Muttertier seine Jungen während der Mäusejagd im Versteck zurück. Werden die neugierigen Jungtiere beim Spielen entdeckt, wirkt es oft so, als seien sie hilflos verlassen.
Schneider: „Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“
Die Europäische Wildkatze ist zwar im Aufwärtstrend. Doch gerade in Regionen mit kleinen oder noch instabilen Beständen kann jede Entnahme die Ausbreitung der Art gefährden.
Wildkatze entdeckt, was ist nun zu tun?
Schneider: „Wenn Sie vermeintlich verlassene Jungtiere finden, entfernen Sie sich leise. Prüfen Sie nach etwa sechs bis zwölf Stunden, ob die Kätzchen noch da sind. Wenn das der Fall ist, rufen Sie das BUND-Notfalltelefon oder eine örtliche Wildtierauffangstation an.“
Nur wenn Jungtiere offensichtlich in Not sind, sollte man direkt eingreifen. Das kann nötig sein, wenn sie beispielsweise verletzt sind oder laut schreiend dem Menschen hinterherlaufen. Wildkatzen sind deutschlandweit streng geschützt. Die Mitnahme von Jungtieren aus der freien Natur und ihre Haltung in Privathaushalten ist daher verboten.
Hinweis: Hilfe zur richtigen Entscheidung
Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der BUND Informationsmaterialien, Videos und einen Handlungsleitfaden zur Verfügung. Diese zeigen, wie Wild- und Hauskatzen unterschieden werden können und was im Ernstfall zu tun ist.
Notfalltelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda: Täglich von 10 bis 18 Uhr erreichbar unter: 036254 / 86 51 80
Weitere Informationen:
- Flyer „Achtung Verwechslungsgefahr!“
- Handlungsleitfaden zum Umgang mit Wildkatzen
- Pressebild (© Helmut Weller): Wildkätzchen mit Mutter
Videoreihe auf YouTube:
- Verwechslungsgefahr 1 Unterschiede
- Verwechslungsgefahr 2: Wildkatzenjunge im Wald lassen
- Verwechslungsgefahr 3: Wildkatzenjunges mitgenommen
- Verwechslungsgefahr 4: Wildkatzenjunge in Auffangstationen
Kontakt:
- Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte beim BUND Hessen, Tel. 069 677 376 16, E-Mail: wildkatze(at)bund-hessen.de
Pressestelle BUND Hessen
Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
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