BUND Landesverband
Hessen e.V.

Wiesbaden-Ostfeld

Das Stadtentwicklungsprojekt Wiesbaden-Ostfeld umfasst ein Gebiet von insgesamt 450 Hektar – das entspricht rund 630 Fußballfeldern. Auf einer Fläche von 68 Hektar soll eine neue Satellitenstadt für 8.000 bis 12.000 Bewohner*innen entstehen, zuzüglich Wege und Freizeitflächen. Dazu kommt eine Gewerbefläche von ca. 27 Hektar für die zentrale Ansiedlung des Bundeskriminalamtes mit 5.000 bis 7.000 Beschäftigten. Der BUND kritisiert das Projekt aus diversen Gründen.

Deshalb klagt der BUND:

  • Landwirtschaftliche Flächen und Natur in Wiesbaden erhalten!
  • Auswirkungen auf Natur und Umwelt durch Flächenfraß verhindern!
  • Böden und ihre wichtigen Ökosystemleistungen schützen!
  • Kaltluftschneise für Mainz und Wiesbaden nicht zubauen!

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Verlust wertvoller Ackerflächen

Ackerflächen auf dem Wiebadener Ostfeld.  (Foto: Julia Beltz)

Durch die geplante Bebauung gehen rund 100 Hektar fruchtbare Ackerböden mit ihren wichtigen Ökosystemleistungen unwiederbringlich verloren:

die Erzeugung von Nahrungsmitteln, Speicherung von Regenwasser, Bindung von CO2, uvm.

Feldlerche auf Distel.  (Foto: Herwig Winter)

Die Bebauung von Landwirtschaftsflächen verringert insgesamt den Lebensraum der besonders bedrohten Offenlandarten.

So ist mit dem Verlust von bis zu 25 Brutrevieren der Feldlerche zu rechnen. Wo die rechtlich vorgeschriebenen Ersatzquartiere angelegt werden können, ist ungeklärt.

Flächenverbrauch im Offenland stoppen

Wasserversorgung

Durch Siedlungszuwächse – nicht nur im Wiesbadener Ostfeld – steigt auch der Trinkwasserbedarf im gesamten Ballungsraum Rhein-Main.

Ein konkretes Gesamtkonzept zur Versorgung mit Trink- und Löschwasser für das Entwicklungsvorhaben Ostfeld, bei dem auch andere städtebauliche Entwicklungen in Wiesbaden berücksichtigt werden, soll allerdings erst im Zuge weiterer Planungsschritte erstellt werden.

Die Wasserversorgungbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (WLW) und Hessenwasser stellen die Trinkwasserversorgung Wiesbadens inklusive der Neubaugebiete im Ostfeld zwar als gesichert dar, verweisen aber gleichzeitig auf hierfür erforderliche Infrastrukturmaßnahmen wie etwa den Bau einer neuen Leitung für den steigenden Wasserbezug aus dem Hessischen Ried. Diese 35 km lange Leitung ist bisher jedoch nur im ersten Abschnitt realisiert.

Mit der Klimaerhitzung steigt zudem der Bedarf für die Bewässerung von Stadtbäumen, Grünanlagen und Gärten und in der Landwirtschaft.

Trinkwassergewinnung & Grundwasserproblematik im Hessischen Ried

Beeinträchtigung von Biotopen und bedrohten Tierarten

Feuchtbiotop im Umfeld des Ostfelds.  (Foto: Julia Beltz)

Im Planungsraum oder direkt angrenzend liegen wertvolle Biotope, in denen zahlreiche Tiere und Pflanzen beheimatet sind:

der ehemalige Steinbruch Kalkofen, das Wäschbachtal, verschiedene Gehölz-, Gewässer- und Feuchtbiotope im Dyckerhoffbruch, der Grünzug am Zwerchweg mit dem Cyperuspark und das Wäldchen am Fort Biehler.

Derartige Grünstrukturen gibt es häufig am Ostfeld.  (Foto: Julia Beltz)

Die genannten Biotopflächen sollen zwar nicht bebaut, sondern teilweise in eine durchgehende neue Grünachse integriert werden.

Trotzdem sind negative Auswirkungen durch die neuen Baugebiete und die vielen Menschen, die hier leben und arbeiten und ihre Freizeit verbringen sollen, zu befürchten. Dazu kommt die Zerschneidungswirkung durch neue Verkehrswege.

Lärmbelastung durch den benachbarten Militärflughafen

Das geplante urbane Quartier liegt nahe am US-Army Airfields. Die künftige Entwicklung des militärischen Flugverkehrs dort ist derzeit nicht absehbar, erst kürzlich wurden weitere Hubschrauber stationiert. Die rechtlichen Anforderungen des Fluglärmschutzes sind bei militärischen zwar deutlich niedriger als bei zivilen Flughäfen – der Fluglärm für die betroffene Bevölkerung bleibt jedoch gleich. Die Regionalversammlung hat daher für den neuen Stadtteil strengere Lärmschutzvorgaben für Wohnnutzungen beschlossen, was aus Sicht des BUND zu begrüßen ist. Das schränkt allerdings den planerischen Spielraum für die angestrebte Schaffung von Wohnraum ein – und stellt damit aus Sicht des BUND das Gesamtkonzept des geplanten Stadtteils in der vorgesehenen Größenordnung infrage.

Fakten kurz und bündig: Verkehrslärm und Luftschadstoffe

Beeinträchtigung von Kaltluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebieten

Blick von Wiesbadener Ostfeld auf Mainz.  (Foto: Julia Beltz)

Das Vorhaben beansprucht stadtklimatisch relevante Flächen mit großer Bedeutung für die Kaltluftentstehung und die Frischluftversorgung der am Rhein gelegenen Stadtteile Wiesbadens.

Die großräumigen klimatischen Folgen der geplanten Bebauung sind in den für die Planung erstellten Gutachten bisher nicht ausreichend untersucht.

Vereinbarkeit mit dem Klimanotstand?

Der ausgerufene Klimanotstand in Wiesbaden hätte Auswirkungen auf das Bauvorhaben. (Foto: Niko Martin)

Die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung hat im Sommer 2019 den Klimanotstand ausgerufen.

Danach müsste dieses Großprojekt in jeder Beziehung klimaneutral realisiert werden (Baustoffe, Plusenergiehausstandard, regenerative Energieversorgung, emissionsfreier Verkehr, etc.).

Das dies – auch angesichts der aktuellen Kostensteigerungen im gesamten Bausektor – tatsächlich für einen ganzen Stadtteil und ein Behördenstandort in der vorgesehenen Größenordnung umgesetzt werden wird, ist anzuzweifeln.

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