BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Energiewende in Mittelhessen: Windenergie ist wichtigste regenerative Energiequelle – Ausbau der Biomasse und der Wasserkraft sind besonders umweltschädlich – BUND Hessen legt Stellungnahme zum Teilregionalplan Energie vor

03. April 2013 | Energiewende

Aus der Sicht des BUND nimmt der Regierungsbezirk Gießen eine wichtige Schlüsselstellung bei der Energiewende in Hessen ein.

BUND: „Windkraft wichtigste regenerative Energiequelle in Mittelhessen” (Grafik: Niko Martin)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der Windenergie die wichtigste regenerative Energiequelle für Mittelhessen. BUND-Vorstandssprecher Jörg Nitsch: „Wir sind froh, dass das Regierungspräsidium Gießen den Ausbau der Windkraft so energisch und gleichzeitig so umweltbewusst vorantreibt. Große Sorgen bereiten uns hingegen der geplante Ausbau der Wasserkraft und die Energiegewinnung aus Biomasse”.

Zwölf verschiedene Anträge umfasst die gestern fristgerecht abgegebene Stellungnahme des BUND Hessen zum Teilregionalplan Energie, den das Regierungspräsidium Gießen im Januar vorgelegt hat. Aus der Sicht des BUND nimmt der Regierungsbezirk Gießen eine wichtige Schlüsselstellung bei der Energiewende in Hessen ein. „Nirgendwo in Hessen ist man mit der Energiewende so weit wie hier und wir haben im letzten Jahr eine Behörde erlebt, die lernfähig ist und sich große Mühe gibt, die notwendige Energiewende mit ökologischen Anforderungen zu vereinbaren”, bewertet BUND-Vorstandsmitglied Jörg Nitsch die bisherige Arbeit.

Da der BUND befürchtet, dass die Ziele des Hessischen Energiegipfels zum Ausbau der Windkraft in Südhessen wegen der Anforderungen der Flugsicherheit für den Frankfurter Flughafen nicht erreicht werden können, ist er froh, dass der Regierungspräsident in Gießen nicht nur die vereinbarten 2 %, sondern 3,1 % der Fläche als Vorranggebiete für die Windenergie vorschlägt. Da einige der Vorschlagsgebiete aber mehrere hundert Hektar groß sind, werden die vorgeschlagenen Gebiete wohl nicht in vollem Umfang erhalten bleiben. In diesem Fall muss über zusätzliche Gebiete nachgedacht werden.

Nicht einverstanden ist der BUND mit dem weitgehenden Ausschluss des Repowering von Windenergieanlagen. „Über den langfristigen Erhalt der Anlagenstandorte, an denen zum Teil seit vielen Jahren und mit großer Akzeptanz Energie gewonnen wird, ohne dass sich im Betrieb besondere Probleme für die Bevölkerung oder den Naturschutz ergeben haben, sollte erst entschieden werden, wenn die Eigentümer in einigen Jahren tatsächlich konkrete Repoweringanträge stellen”, meint Jörg Nitsch vom BUND. Da neue Windenergieanlagen im Regelfall deutlich höher sind, ergibt sich beim Repowering ein Zielkonflikt. Die Energieausbeute steigt bei den großen Anlagen deutlich und die Zahl der Anlagen nimmt durch das Repowering ab, dafür werden die Anlagen aber wegen ihrer größeren Höhe weiterhin sichtbar. Vorteilhaft ist das Repowering nach heutigem Wissensstand hingegen für die Vogelwelt und die Fledermäuse, denn die meisten Vögel und Fledermäuse fliegen dann unterhalb der Rotoren. Sehr hohe Windenergieanlagen in großen geschlossenen Wäldern sind deshalb z.B. für den Rotmilan deutlich günstiger als die älteren kleineren Anlagen, die früher stets in der offenen Landschaft und damit in den Jagdgebieten des Rotmilans errichtet wurden.

Eine oftmals unterschätzte Gefahr für den Rotmilan geht nach Meinung des BUND durch den Maisanbau aus, dessen Anbaufläche in Deutschland im Zuge der Energiewende mit dem Ziel der Biomasseerzeugung stetig wächst. „Für den Rotmilan wäre es günstiger, wenn die Energie durch Windenergieanlagen statt durch Maisanbau zur Gewinnung von Biomasse erzeugt würde”, erläutert Jörg Nitsch vom BUND. Gerade für das Vogelschutzgebiet Vogelsberg würde sich der BUND deshalb ein Grünlandumbruchverbot und eine Reduktion des Maisanbaus wünschen, denn der Bestand des Rotmilans kann langfristig nur stabilisiert werden, wenn „die jungen Milane im Nest nicht verhungern”.

Auch den Ausbau der Wasserkraft lehnt der BUND in Mittelhessen ab, weil der ökologische Schaden im Verhältnis zur Energiegewinnung unverhältnismäßig groß ist. In Wasserkraftwerken verenden leider auch bei moderner Technik immer noch sehr viele Fische und sie stellen immer noch massive Barrieren für die notwendigen Wanderungsbewegungen der Gewässerfauna dar. Jörg Nitsch: „Die ökologischen Probleme der Wasserkraftnutzung werden oftmals in der Diskussion stark unterschätzt, weil die Schäden weniger sichtbar sind.”
 

Weitere Informationen

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb