Pressemitteilung

BUND fordert sofortigen Stopp der Bohrungen beim Naturschutzgebiet Prügelwiesen

18. September 2026 | Biologische Vielfalt, Naturschutz, Energiewende, Rhein-Main-Link

Sondierungsbohrungen nahe des Naturschutzgebiets Prügelwiesen gefährden Lebensraum des besonders geschützten Feuersalamanders

Feuersalamander Der Feuersalamander ist eine in Deutschland streng geschützte Art.  (Foto: Herwig Winter)

Der Landesverband Hessen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) fordert den sofortigen Stopp der Sondierungsbohrungen für das Netzausbauprojekt Rhein-Main-Link nahe des Naturschutzgebiets Prügelwiesen. Der Verband warnt vor Folgen für das Naturschutzgebiet bei Wiesbaden-Breckenheim und die dort lebenden, besonders geschützten Feuersalamander.

Das Naturschutzgebiet Prügelwiese ist ein Kalkflachmoor mit unterirdischen Quellen. Dazu gehört die Pfingstbornquelle, ein Lebensraum des seltenen und geschützten Feuersalamanders. Dennoch führt der Netzbetreiber Amprion dort Sondierungsbohrungen in Tiefen von zehn bis 30 Metern durch. Es besteht ein hohes Risiko, dass dortige Grundwasserströme beeinträchtigt werden und versiegen könnten. Für den Lebensraum des Feuersalamanders ergibt sich daraus eine unmittelbare Gefahr. Um mögliche Schäden zu kontrollieren, wird dabei das für die dortigen Schutzflächen geltende Betretungsverbot missachtet. Zugleich mehren sich Berichte über Bentonitaustritte und Erdfälle beim Bohrungen für die Stromleitung von Süd-Link bei anderen Baustellen.

Der BUND Hessen setzt sich seit längerer Zeit für eine alternative Planung ein, bei der der umstrittene Abschnitt des Rhein-Main-Links mit einer anderen Trasse westlich von Breckenheim gebündelt wird. Unterstützt wird der Verband, der schon über 3.800 Unterschriften gesammelt hat, von der Naturschutzinitiative Breckenheim. So wurde nicht nur die Bundesnetzagentur aufgefordert, Amprion einen anderen Trassenverlauf vorzugeben, sondern im Juni auch die Untere Naturschutzbehörde Wiesbaden gebeten, die Bohrungen nicht zu genehmigen. „Zwischenzeitlich sprach sogar Amprion von einer möglichen Alternative, die scheinbar wieder in Vergessenheit geraten ist“, sagt Dr. Werner Neumann, Energiespezialist beim BUND Hessen. Am 12. August hat der Ortsbeirat Breckenheim die Stadt Wiesbaden zudem aufgefordert, das ökologisch hochsensible Gebiet vor der Stromleitung und den Bohrungen zu bewahren.

Nachdem auf die bisherigen Forderungen keine Reaktion folgte, hat der BUND Ende August eine Anzeige gegen die Untere Naturschutzbehörde wegen eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz beim Regierungspräsidium Darmstadt erstattet. Auch darauf steht eine Reaktion aus. „Wir haben bisher nicht erlebt, dass Behörden solch hohe, offensichtliche Gefährdungen der Natur genehmigen und mit Untätigkeit glänzen. Netzagentur und Amprion haben sich als völlig unbeweglich dargestellt. Da bleiben uns gegebenenfalls nur noch juristische Schritte übrig“, sagt Gabriela Terhorst, stellvertretende Vorsitzende des BUND Hessen.

Auch die grundsätzliche Planung des Rhein-Main-Links wirft Fragen auf. Amprion erklärte im Frühjahr, dass nur in die Hälfte der Rohre Kabel eingezogen würden, da es nicht genügend Strom von Offshore-Windanlagen in der Nordsee gäbe. „Der BUND kritisiert seit zehn Jahren die überzogene Netzplanung, die mit 400 Milliarden Euro niemand bezahlen kann. Dezentrale Lösungen wären deutlich kostengünstiger und umweltfreundlicher, wie mehrere Fachinstitute zeigen. Inzwischen hat auch die Bundesregierung dabei streckenweise Freileitungen vorgeschlagen. Für uns ist klar: Bei einer Neuplanung müssen vor allem empfindliche Naturbereiche unbedingt geschützt werden, insbesondere die Natur in Breckenheim“, kommentiert Gabriela Terhorst.
 

Kontakte für Rückfragen:

  • Dr. Werner Neumann, BUND Hessen, 0172 6673815, werner.neumann@bund.net
  • Gabriela Terhorst, BUND Hessen, 0177 3318315, gabriela.terhorst@bund.net

 

Pressestelle BUND Hessen

Andrea Mateja
Tel.: 069 677376 43
E-Mail: presse(at)bund-hessen.de
Web: www.bund-hessen.de/presse

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