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BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Bündnis Agrarzukunft Hessen gegründet

16. Januar 2013 | Landwirtschaft

Umwelt- und Verbraucherverbände sowie Landwirtschaftsvereinigungen stellen agrarpolitisches Grundsatzpapier vor. Bündnis gegen Kürzung der Ausgleichszulage.

Pressekonferenz in Baunatal – von links: Oliver Conz (Vorsitzender HGON), Michael Rothkegel (Geschäftsführer BUND Hessen), Hans-Jürgen Müller (Sprecher der VÖL), Reinhard Nagel (Vorsitzender AbL Hessen) und Jörg Weber (Bürger AG). (Foto: Bündnis Agrarzukunft Hessen).

Die Hessische Vereinigung Ökologischer Landbau (VÖL), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Hessen (AbL), die Bürger AG für nachhaltiges Wirtschaften FrankfurtRheinMain, die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und der Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen (BUND) haben heute auf einer Pressekonferenz am Rande der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal das Agrarpolitische Grundsatzpapier des „Bündnisses Agrarzukunft Hessen” vorgestellt.

Die Vertreter des Neuen Bündnisses beteiligten sich vor der Presekonferenz an einer Kundgebung gegen die gerade beschlossene Kürzung der Ausgleichszulage (AGZ) für besonders benachteiligte Gebiete in Hessen. Das Bündnis versteht sein Grundsatzpapier als Gegenentwurf zum Zukunftspakt Landwirtschaft der vom Landwirtschaftsministerium einseitig mit dem Hessischen Bauernverband abgeschlossen wurde. Das wichtige Interessensgruppen von der Landesregierung von den Gesprächen über den Zukunftspakt ausgeschlossen wurden, bezeichnete VÖL-Sprecher Müller als einen „handfesten Skandal”. „Eine Kürzung der AGZ hätte es mit uns nicht gegeben”, gab Müller Staatsekretär Weinmeister mit auf den Weg in die Veranstaltungshalle.

Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU) wurde vom AbL-Vorsitzenden Reinhard Nagel aufgefordert, „sich von der unmittelbaren Einflussnahme des Bauernverbandes zu lösen”. „Sie soll sich in Berlin und Brüssel dafür einzusetzen, dass öffentliche Gelder an die Landwirtschaft in Zukunft für gesellschaftlich gewünschte Leistungen eingesetzt werden”.  „Die Gesellschaft will ihre Steuergelder nicht in eine Landwirtschaft investieren, die ständig größere Umweltprobleme nach sich zieht und oft genug den Tierschutz missachtet”, führte Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND Hessen, während der Pressekonferenz aus.
 

Die wichtigsten Forderungen der Verbände für die Zukunft:

  • Agrarinvestitionsförderung verstärkt auf Umwelt und Tierschutz ausrichten:

    Stallneu- und -umbauten sollen nur dann gefördert werden, wenn sie in ihren Tierschutzstandards deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Zudem soll die Zahlung daran gebunden sein, dass eine flächengebundene Tierhaltung gewährleistet ist. Die Betriebe sollen mindestens 50 Prozent des Futters auf eigenen Flächen erzeugen.
     
  • Agrarumweltprogramme ausbauen:

    • Stärkung des ökologischen Landbaus in Hessen
      Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe sollen eine höhere Förderung erhalten, damit sie im Wettbewerb mit den konventionellen Kollegen bestehen können. Sie sollen in die Lage versetzt werden, die steigende Nachfrage in Hessen nach ökologisch erzeugten Produkten auch aus hessischen Betrieben zu bedienen. Deshalb soll die Landesregierung einen Aktionsplan Ökolandbau zur Förderung, Ausweitung und Vermarktung des Ökolandbaus in Hessen erstellen.
    • Vielfältige Fruchtfolge mit Eiweißpflanzen fördern
      Eine angemessene Förderung soll Anreize für den Anbau von mehreren aufeinander folgenden Anbaukulturen (Fruchtfolge) setzen. Durch diese vielfältigen Fruchtfolgen werden u.a. Pflanzenkrankheiten vermindert, der Aufwand von Agrarchemie reduziert und die Artenvielfalt und das Nahrungsangebot für Bienen verbessert. Weiterhin soll der Anbau von Eiweißpflanzen (Leguminosen) angeregt werden.  Dadurch kann der Import von überwiegend gentechnisch veränderter Soja aus Übersee verringert werden.
    • Junglandwirteförderung gezielter einsetzen:
      Die Landesregierung soll die wachsende Nachfrage nach Existenzgründungen von jungen Menschen in der Landwirtschaft gezielt fördern. Im Programm für die ländliche Entwicklung soll ein besonderes Beratungsangebot für die Hofübergabe erstellt und finanziell abgesichert werden. Die Hofübergabe an familienfremde Existenzgründer soll zusätzlich durch günstige Darlehen abgefedert und erleichtert werden.
    • Benachteiligte Gebiete stärken:
      In Hessen gibt es eine Vielzahl von sogenannten benachteiligten Gebieten. Diese haben eine wichtige Funktion für die Biodiversität aber auch für den Tourismus. Für benachteiligte Gebiete und Ungunstregionen sollen besondere Förderkonzepte bzw. ein zusätzliches Förderprogramm etabliert werden. Dieses Programm sollte vor allem dabei helfen, die agrarische Vielfalt und die Kulturlandschaft auf ungünstigeren Standorten zu bewahren.
    • Aus- und Weiterbildung modernisieren
      Die Aus-und Weiterbildung muss modernisiert werden. Die angehenden Landwirtinnen und Landwirte müssen umfassend auf die neuen Herausforderungen Umwelt,- Klima-, Arten- und Tierschutz vorbereitet werden.
    • Beratung und Wissenstransfer:
      Auch die landwirtschaftliche Beratung in Hessen muss ihr bisheriges Beratungskonzept, welches auf Intensivierung und Wachstum der Betriebe ausgerichtet ist, umstellen und stärker auf die oben genannten neuen Herausforderungen konzentrieren. Das Beratungsangebot für den Ökologischen Landbau in Hessen soll im Bereich Umstellungs- und Fachberatung deutlich ausgeweitet werden.
      Die Landesregierung soll die Entstehung eines Netzwerkes zur Koordinierung von praxisnaher Forschung und Wissenstransfer finanziell unterstützen.
    • Verbraucher für gesunde und regionale Lebensmittel sensibilisieren
      Ein Schulfach „Gesunde Ernährung“ in enger Zusammenarbeit mit der praktischen Landwirtschaft und der Verbraucherzentrale ist eine wesentliche Voraussetzung, um die zukünftigen Verbraucher zu für eine gesunde Ernährung und deren zusammenhänge mit der heimischen Landwirtschaft zu sensibilisieren.

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