Ein Mensch hätte unweigerlich eine Gehirnerschütterung, würde er auch nur ein einziges Mal mit dem Kopf so gegen einen Baumstamm prallen wie das der Spechtkopf viele tausend Mal am Tag macht. Was dem Specht bei seiner Arbeit jegliches Kopfweh erspart, ist die ausgeklügelte Anatomie des Spechtkopfs, bei dem das Gehirn oberhalb der Schlagachse liegt und zudem durch ein kompliziertes Zusammenspiel mit vorgespannten Muskeln eine perfekte Stoßdämpfung erfährt.
Wenn man Spechte im Frühjahr laut trommeln hört, dann sind sie allerdings nicht mit Wohnungsbau beschäftigt. Sie haben sich vielmehr einen hohlen Ast ausgesucht, der als Resonanzkörper wirkt und damit das Trommeln weithin hörbar werden lässt, denn es dient der Reviermarkierung. Betätigt sich der Specht dagegen als Zimmermann, um eine Wohnung herzurichten, sind die eher dumpfen Schläge nur in der unmittelbaren Umgebung des Spechtbaums wahrnehmbar. Da die Spechte ihre selbstgebauten Höhlen oft nur ein- oder zweimal zum Brüten benutzen, stehen sie danach anderen Baumhöhlenbewohnern, die selbst nicht zum Höhlenbau befähigt sind, zur freien Verfügung. Meisen, Stare, Kleiber, Bilche, Fledermäuse und Hornissen profitieren von dieser Art des sozialen Wohnungsbaus.