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Zimmermann im Dienst des sozialen Wohnungsbaus: Der Specht

Kleinspecht (Foto: Herwig Winter)
Kleinspecht (Foto: Herwig Winter)

Ein Mensch hätte unweigerlich eine Gehirnerschütterung, würde er auch nur ein einziges Mal mit dem Kopf so gegen einen Baumstamm prallen wie das der Spechtkopf viele tausend Mal am Tag macht. Was dem Specht bei seiner Arbeit jegliches Kopfweh erspart, ist die ausgeklügelte Anatomie des Spechtkopfs, bei dem das Gehirn oberhalb der Schlagachse liegt und zudem durch ein kompliziertes Zusammenspiel mit vorgespannten Muskeln eine perfekte Stoßdämpfung erfährt.

Lautes Trommeln zur Reviermarkierung

Wenn man Spechte im Frühjahr laut trommeln hört, dann sind sie allerdings nicht mit Wohnungsbau beschäftigt. Sie haben sich vielmehr einen hohlen Ast ausgesucht, der als Resonanzkörper wirkt und damit das Trommeln weithin hörbar werden lässt, denn es dient der Reviermarkierung. Betätigt sich der Specht dagegen als Zimmermann, um eine Wohnung herzurichten, sind die eher dumpfen Schläge nur in der unmittelbaren Umgebung des Spechtbaums wahrnehmbar. Da die Spechte ihre selbstgebauten Höhlen oft nur ein- oder zweimal zum Brüten benutzen, stehen sie danach anderen Baumhöhlenbewohnern, die selbst nicht zum Höhlenbau befähigt sind, zur freien Verfügung. Meisen, Stare, Kleiber, Bilche, Fledermäuse und Hornissen profitieren von dieser Art des sozialen Wohnungsbaus.

Schwarzspecht Weibchen (Foto: Herwig Winter)
Schwarzspecht Weibchen (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Baumspechte und Erdspechte

In Deutschland lebt ein halbes Dutzend verschiedener Spechtarten, vom krähengroßen Schwarzspecht bis zum spatzengroßen Kleinspecht. Dabei sind die schwarz bzw. schwarzweiß gefärbten Spechte, zu denen der bekannte Buntspecht gehört, so genannte Baumspechte, die grün gefärbten dagegen Erdspechte. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf den Ort, an dem die Nahrungssuche stattfindet. Der Buntspecht beispielsweise ist ein Spezialist für Borkenkäferlarven, die sich unter der Baumrinde verborgen halten. Mit seiner Zunge, die gut anderthalb Mal so lang wie der Schnabel und an der Spitze mit kleinen Hornplättchen besetzt ist, die als Widerhaken wirken, folgt er den Fraßgängen und harpuniert die Larven. Der Grünspecht dagegen ist ein Spezialist für Ameisen, weshalb man diesen Vogel oft dabei beobachten kann, wie er mitten auf einer Wiese im Boden wühlt, wobei er es nicht zuletzt auf die Brut der Ameisen abgesehen hat. Er besitzt eine Leimrutenzunge mit löffelartiger Hornspitze; eine Einrichtung, die besonders gut geeignet ist, um Ameisenpuppen gleichsam aus ihren Kammern zu löffeln. Im Winter gräbt er unter Umständen metertiefe Löcher in die Haufen von Waldameisen, um an die im Untergrund überwinternde Beute zu gelangen.

Buntspecht Weibchen füttert Junges (Foto: Herwig Winter)
Buntspecht Weibchen füttert Jungvogel (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht
Buntspecht Männchen (Foto: Herwig Winter)
Buntspecht Männchen (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht
Grünspecht, Weibchen füttert Junge (Foto: Herwig Winter)
Grünspecht, Weibchen füttert Junge (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Alle unsere Spechte sind Standvögel, obwohl sie sich überwiegend von Insekten ernähren. Sie können aber dank ihrer Hackschnäbel ohne weiteres auf Nüsse und Körner umsteigen und natürlich auch die Verstecke der in Winterstarre verharrenden Insekten beispielsweise unter der Baumrinde erreichen.

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