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Hilft gegen den Scharbock: das Scharbockskraut

Scharbockskraut (Foto: Herwig Winter)
Scharbockskraut (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Der kleinwüchsige Frühblüher mit den dottergelben Blüten, der bereits im März Farbtupfer in lichte Laubwälder, Parks und auf Wiesen überall dort zaubert, wo der Untergrund feucht und reich an Nährsalzen ist, hat mit Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) schon einen recht merkwürdigen Namen erhalten. Aber nur auf den ersten Blick.

Scharbock = Skorbut

Denn Scharbock ist die alte, volkstümliche Bezeichnung für Skorbut. Diese Vitamin C-Mangelkrankheit endete vor allem bei Seefahrern des Mittelalters, die lange Zeit auf Frischkost verzichten mussten und deshalb fast immer darunter litten, oft tödlich. Nach dem Mangel im Winter stand für Landratten dann aber schnell wieder ausreichend Vitamin C zur Verfügung in Form von Salat aus den Blättern des Scharbockskrauts, das also mit Fug und Recht seinen Titel als Heilpflanze gegen Skorbut trägt. Allerdings müssen die Blätter unbedingt vor der Blüte gepflückt und verarbeitet werden, denn blühendes Scharbockskraut bildet in seinen Blättern das Gift Protoanemonin aus, das bitter und brennend scharf schmeckt und bei Menschen Magen- und Darmreizungen hervorruft. Den weiteren medizinischen Titel, den man der Pflanze mit dem Namen Feigwurz verliehen hat, verdient sie allerdings nicht. Der aus dem Wurzelstock gewonnene Saft wurde früher häufig gegen Feigwarzen eingesetzt. Nach allen heute vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen könnte bestenfalls das auf der Haut zu spürende Brennen des aufgetragenen Safts zu autosuggestiven Erfolgen gegen die Warzen geführt haben.

Früh blühen für optimales Sonnenlicht

gelbe Blüte im Wald vom Scharbockskraut (Foto: Herwig Winter)
Blüte vom Scharbockskraut (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Wieso aber steckt das Scharbockskraut zu einer Zeit, wo wegen der Kälte die meisten anderen Pflanzen noch in Deckung bleiben und abwarten, ihre Blätter und Blüten hervor? Ganz einfach: Eben weil alle anderen noch in Deckung bleiben, gehört den Kleinwüchsigen nur im frühen Frühjahr das Licht der Sonne ganz alleine. Und das haben sie dringend nötig, denn sie müssen mit der Energie des Sonnenlichts gleich mehrere Vorgänge am Laufen halten. Zunächst einmal gilt es, selbst zu wachsen und die Blätter zu vermehren. Dann müssen Blüten und Brutknöllchen für die Fortpflanzung gebildet werden. Und nicht zuletzt sind die Energietanks in Form von Wurzelknollen, die es den Pflanzen überhaupt erst ermöglichen, so früh im Jahr zu sprießen und dabei ihre Energievorräte weitgehend aufbrauchen, neu zu befüllen.

Scharbockskraut im Unterholz (Foto: Peter Wagner)
Scharbockskraut im Unterholz (Foto: Peter Wagner) XXL-Ansicht

Ausbreitungs- und Vermehrungskünstler

Die Brutknöllchen, die sich in den Achseln der Stängelblätter bilden und von dort herabfallen, dienen der vegetativen Vermehrung des Scharbockskrauts ebenso wie die Anlage neuer, zusätzlicher Wurzelknollen. So breitet sich die Pflanze polsterförmig aus, wenn ein Samenkorn vom Wind an eine weit entfernte Stelle verweht wurde. Das kleine Samenkorn hat allerdings im Frühjahr bei weitem nicht die Energievorräte, um eine vollständige Pflanze wachsen zu lassen. Deshalb kommen im ersten Jahr zunächst nur wenige kleine Blättchen zum Vorschein, die eine Wurzelknolle mit Hilfe des Sonnenlichts auftanken. Im darauf folgenden Jahr kann dann aber bereits der Zyklus mit Blüte und Brutknöllchen aufgenommen werden.

Die vergleichsweise großen, gelben Blüten weisen schon darauf hin, dass das Scharbockskraut auf Insektenbestäubung angewiesen ist, damit es zur sexuellen Fortpflanzung mit der Ausbildung von Samen kommen kann. Meist sind es zunächst Bienen, die die Blüte ansteuern. Später im Frühjahr kommen weitere Blütenbesucher dazu, denen allerdings nur Zeit bis Ende Mai bleibt. Dann verwelkt das Scharbockskraut und nur die Wurzelknollen und die Samen überdauern die Zeit bis zum nächsten Frühjahr.

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