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Macht sich rar: der Feldsperling

Der Feldsperling (Passer montanus) galt lange Zeit als Schädling und wurde in früherer Zeit häufig das Opfer von Bekämpfungsaktionen, die meist darin bestanden, dass man die Nester mit der Brut vernichtete. Zusammen mit seinem Vetter, dem Haussperling, fiel er nämlich oft in Schwärmen über Getreidefelder her. Doch die Zeiten großer Schwärme gehören wohl eher der Vergangenheit an. Denn mittlerweile wird er in der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten auf der Vorwarnstufe geführt. Wie konnte es dazu kommen, dass diese Allerweltsart derart im Bestand zurückgegangen ist? Das hat in erster Linie mit der nahezu vollständig andersartigen Form der Landwirtschaft, wie sie heute im Vergleich zu früheren Zeiten betrieben wird, zu tun. Denn die reichhaltig strukturierte Landschaft, bestehend aus Getreideäckern, Wiesen, Weiden, Hecken, Feldgehölzen und Streuobstflächen ist vielerorts großflächigen Monokulturen zum Opfer gefallen. Darunter litten sowohl das Nahrungs- als auch das Brutplatzangebot für den Feldsperling.

Feldsperling (Foto: Herwig Winter)
Feldsperling (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Bewohner alter Spechthöhlen

Im Gegensatz zum Haussperling, der seinem Namen in aller Regel gerecht wird, indem er seine Nester fast immer irgendwo in Ritzen und Spalten von Häusern anlegt, ist der Feldsperling ein echter Höhlenbrüter, der gerne alte Spechthöhlen übernimmt und ebenso gerne in Nistkästen einzieht. Die Nähe des Menschen ist für ihn also weit weniger von Bedeutung als für den Haussperling. Was er zudem unbedingt braucht, ist eine offene Umgebung mit eingestreuten Gehölzen. Gut zu unterscheiden ist er vom Haussperling durch seinen schokoladenbraunen Scheitel und einen dunklen Fleck auf weißer Wange, wobei beide Geschlechter gleich gefärbt sind. 

Feldsperling an Nisthöhle (Foto: Herwig Winter)
Feldsperling an Nisthöhle (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Je nach Angebot und Witterung macht der Feldsperling zwei bis drei Bruten im Jahr; das Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, Brut und Jungenaufzucht dauern je ungefähr zwei Wochen. Sein Nest ist gut erkennbar daran, dass die gesamte Bruthöhle ausgefüllt ist mit Grashalmen und Federn; es wirkt sehr unordentlich. Während der Fütterung der Jungen ist der ansonsten eher wenig scheue Vogel äußerst vorsichtig. Wenn er sich beobachtet fühlt, fliegt er die Bruthöhle nicht an. Das hat seinen guten Grund. Denn er hat auch heute noch viele Feinde, die ihm und seinen Jungen nachstellen. Greifvögel wie Sperber oder Baumfalke lauern ständig, und auch die Elster, die zwar an die in der Höhle sicheren Jungen nicht herankommt, passt häufig den Zeitpunkt des Ausfliegens ab, um die dann noch wenig flugerfahrenen Jungvögel zu überwältigen. Marder und Katzen jedoch können auch den Jungen in der Höhle gefährlich werden.

Vom Vegetarier zum Insektenfresser

Der Feldsperling ist das Jahr über ein Vegetarier, der sich von Sämereien aller Art ernährt, eben auch von Getreide. Das brachte ihm bald den Ruf eines Schädlings ein, zumal er in den vergangenen Jahrhunderten wesentlich häufiger gewesen sein dürfte als heute. Deshalb kam es immer wieder zu Bekämpfungsaktionen mit Gift und auch Auslobungen von Fangprämien. In der Zeit der Jungenaufzucht dagegen ist der Feldsperling ein Insektenjäger mit großem Futterbedarf. Deshalb erwies sich so manche Bekämpfungsmaßnahme gegen ihn sehr schnell als Rückschlag. Als Mitte des letzten Jahrhunderts in China von Mao Zedong die sogenannte „Große Spatzenkampagne” angeordnet worden war mit dem Erfolg, dass alleine in Peking binnen dreier Tage etwa eine halbe Million Tiere getötet wurden, kam es in der Folge zu einer starken Vermehrung von Insekten, was wiederum die Einfuhr von Sperlingen aus Russland notwendig machte.

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