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Fastenspeise im Mittelalter: der Biber

Fisch ist eine Fastenspeise in der Glaubensgemeinschaft der Katholiken. Der Europäische Biber (Castor fiber) ist aber eindeutig ein Säugetier. Das hinderte Päpste im Mittelalter jedoch nicht daran, ihn aufgrund seines Schuppen tragenden Ruderschwanzes und seiner amphibischen Lebensweise als Fisch zu definieren, so dass er in der Fastenzeit verzehrt werden durfte. Gejagt wurde er aber auch wegen seines Pelzes und wegen des Bibergeils. Das ist der Duftstoff aus den am Hinterleib der Tiere befindlichen Drüsen, mit dem die Biber ihre Reviere markieren. In früheren Zeiten war Bibergeil als medizinisches Wundermittel begehrt.

Ursprünglich in ganz Europa verbreitet, war der Biber durch intensive Bejagung, aber auch durch Zerstörung seiner Lebensräume im Zuge von Fluss- und Bachbegradigungen und der damit einhergehenden Intensivierung der Landwirtschaft auf wenige und kleine Areale an der Elbe, der Rhône und Südnorwegens zurückgedrängt worden. Menschliche Schutzbemühungen haben erst in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass er mittlerweile auf dem Vormarsch ist und beispielsweise Spessart und Rhön wieder zu seiner Heimat erklärt hat.

Biberbaum (Foto: Herwig Winter)
Biberbaum
(Foto: Herwig Winter)

Der Biber bewohnt Fließgewässer mit einem breiten Saum an Weichholz. Er ist neben dem Menschen das einzige Lebewesen der Erde, das Bäume fällt. Allerdings dauert eine solche Fällaktion viele Tage, denn ihm stehen als Werkzeuge ausschließlich seine scharfen Nagezähne zur Verfügung, mit denen er unermüdlich meist nachts ans Werk geht. Das dicke Stammholz interessiert ihn dabei gar nicht, er hat es auf die eher daumendicken Zweige abgesehen. Sie dienen ihm zum einen als Baumaterial für seine Dämme, mit denen er Stauseen anlegt, um darin seine Burg mit einem stets unter Wasser liegenden Eingang ebenfalls aus Zweigen zu errichten. Zum anderen sind die Zweige seine Nahrung, denn er ist ein reiner Vegetarier, der sich von Wasserpflanzen, jungen Trieben von Bäumen und Sträuchern, aber auch von Baumrinde ernährt.

Seine Baumfällarbeiten erfüllen ganz nebenbei noch einen weiteren Zweck: Auf den frei werdenden Flächen im Auewald wachsen junge Hölzer nach, die Lieblingsspeise des Bibers. Die Dämme dienen ebenfalls einem doppelten Zweck: Sie sorgen dafür, dass die gleichsam von einem Wassergraben umgebene Biberburg für Beutegreifer wie Fuchs und Marder unzugänglich bleibt, und sie stellen einen Nahrungsvorrat für den Winter dar. Wenn Eis und Schnee den Bibersee bedecken, lassen es sich die Bewohner der Burg dennoch gut gehen, indem sie die unter dem Eis im Wasser gelagerten Zweige verspeisen. Die Biber können den über dem Wasserspiegel liegenden Wohnraum ihrer Burg durch den unter Wasser liegenden Eingang jederzeit verlassen und damit ihre Nahrungsvorräte erreichen.

Die Paarungszeit der Biber beginnt im Januar und endet im März; die Paarung findet im Wasser statt. Etwas mehr als drei Monate danach werden meist zwei oder drei Junge geboren. Zu diesem Zeitpunkt beansprucht das Weibchen die Burg für sich alleine, so dass das Männchen vorrübergehend, die Jungtiere aus dem Vorjahr aber endgültig ausziehen müssen. Ihre Geschlechtsreife erreichen die jungen Biber allerdings erst mit drei Jahren.

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Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet werden. Andere Verwendungen müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden.

Jetzt Online-Formular ausfüllen und BUND-Mitglied werden! (Grafik: Titelbild BUNDmagazin 1/2010: Uli Staiger/die lichtgestalten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan)

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