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Schießt mit Liebespfeilen auf den Partner: die Weinbergschnecke

Weinbergschnecke (Foto: Peter Wagner)
Weinbergschnecke (Foto: Peter Wagner) XXL-Ansicht

Schnecken sind zwittrige Tiere, sie produzieren also sowohl Spermien als auch Eizellen. Niemals aber begatten sie sich selbst, sondern stets gegenseitig. Nicht nur die Weinbergschnecke (Helix pomatia) beginnt den Geschlechtsakt damit, dass zwei Tiere Fuß an Fuß kriechen und etwa 1 cm lange, so genannte Liebespfeile, die aus Kalk bestehen, aufeinander abschießen. Dieses merkwürdige Verhalten dient nicht so sehr der Verankerung der Partner, sondern hat durch Hormonübertragung eher etwas mit der sexuellen Stimulierung und damit der erfolgreichen gegenseitigen Übertragung der Spermien zu tun. Jedes der Tiere legt dann wenige Wochen nach der Kopulation in eine Erdmulde rund 60 weißliche, glibberige Eier, aus denen nach weiteren zwei Wochen die Jungschnecken schlüpfen, die noch kein festes Kalkgehäuse besitzen.

Weinbergschnecke (Foto: Peter Wagner)
Weinbergschnecke (Foto: Peter Wagner) XXL-Ansicht

Schneckenkönige haben ein besonderes Haus

Die erwachsene Schnecke dagegen trägt ihr Haus immer mit sich und kann sich so bei Gefahr zurückziehen. Das Schneckenhaus besteht aus Kalk und ist spiralig gewunden, wobei die Windungen in aller Regel rechtsgängig sind. Nur bei einem von etwa 20.000 Tieren, das dann als Schneckenkönig bezeichnet wird, ist das Gehäuse linksgängig. Die Kriechbewegung erfolgt mit dem muskulösen Fuß auf einer schleimigen und damit gleitfähigen Unterlage, wobei die Schnecke diesen Schleim in Drüsen am Fuß selbst herstellt und als Kriechspur hinterlässt. Sie orientiert sich mit Hilfe ihrer beiden Fühlerpaare am Kopf, die in erster Linie als Tastorgane dienen und bei Reizung eingezogen werden können. Das rasche Einziehen der Fühler geht dem langsameren Zurückziehen der Schnecke in ihr Haus immer voraus. Am Ende des größeren Fühlerpaares besitzt die Schnecke auch Augen. Aber es handelt sich dabei um einfache Lochaugen, die nur schemenhaftes Bildsehen ermöglichen.

Bei Gärtnern, die sich auskennen, durchaus beliebt

Weinbergsschnecken sind in erster Linie Vegetarier, die mit ihrer Raspelzunge (der so genannten Radula) Algen und weiche Pflanzenteile abraspeln; doch mitunter verspeist sie auch sehr zur Freude eines jeden Gärtners Gelege von Nacktschnecken.

Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verkriecht sich die Weinbergschnecke in der Erde, zieht sich in ihr Haus zurück und verschließt den Eingang mit einem festen Kalkdeckel. Sie verbringt die kalte Jahreszeit wie alle wechselwarmen Tiere in Winterstarre. Im Frühjahr öffnet sie den Kalkdeckel und kommt wieder aus dem Boden hervor. Doch auch zum Gegenteil der Winterstarre ist die Weinbergschnecke in der Lage. Wird es im Sommer über lange Zeit zu trocken, dann kann sie diese Zeit in einer Trockenstarre verbringen.

Fressfeind ist nur der Mensch

Welche Fressfeinde haben Weinbergschnecken zu fürchten? Praktisch keine, denn kaum ein Beutegreifer vergreift sich an dem gehäusegeschützten Tier, dessen zäher Schleim alles andere als Appetit macht. Für Schnecken fressende Singvögel oder selbst für den Igel ist sie mit ihrer bis zu 5 cm betragenden Körperlänge sowieso eine Nummer zu groß. Doch da ist ja noch der Mensch, insbesondere der südlich der Alpen beheimatete, der als Gourmet Weinbergschnecke in Kräuterbutter gegart sehr zu schätzen weiß. Eine Bedrohung für die Schneckenpopulationen stellt er aber dadurch nicht dar, zumal die meisten Tiere, die ihm als Delikatesse zur Vorspeise dienen, aus Zuchten stammen.

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