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In die Geschichte eingegangen: das Weidenröschen

Schmalblättriges Weidenröschen (Foto: Herwig Winter)
Schmalblättriges Weidenröschen (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) hat Geschichte gemacht. Im Jahr 1790 entdeckte der Botaniker Christian K. Sprengel an dieser Pflanze die Fremdbestäubung, also die Tatsache, dass zur Entstehung eines Samens in einer Blüte der Bestäubungsvorgang mit Blütenstaub stattfindet, der nicht aus der gleichen Blüte stammt, sondern von einer anderen Blüte der gleichen Pflanzenart kommen muss. Die Samen einer Pflanze enthalten ihre Embryos. Damit ein Embryo entstehen kann, ist ein Befruchtungsvorgang notwendig, der bei Blütenpflanzen dadurch zustande kommt, dass von einem Pollenkorn aus, welches sich auf der Narbe des Stempels in der Blüte abgelagert hat, ein mikroskopisch kleiner Schlauch eine Samenzelle zur Eizelle im Fruchtknoten transportiert. Nach der Befruchtung der Eizelle erst bildet sich der Embryo, der zusammen mit Nährgewebe von einer derben Hülle umgeben wird; fertig ist der Pflanzensamen.

Farbenprächtige Kronblätter sollen Insekten anlocken

Doch damit das alles ablaufen kann, muss erst einmal das Pollenkorn auf die Narbe gelangen, und zwar möglichst nicht ein Pollenkorn aus der Blüte der Pflanze auf die eigene Narbe, denn dann käme es zur Selbstbefruchtung, was Wildpflanzen durch allerlei Vorkehrungen auszuschließen versuchen. Wie aber kommt ein Pollenkorn einer Blüte auf die Narbe einer anderen Blüte der gleichen Art? Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten: entweder durch den Wind getragen oder durch Lebewesen wie beispielsweise Insekten transportiert. Wenn eine Pflanze wie das Weidenröschen farbige Kronblätter besitzt, die sich trotz des nur zarten Rosa von der grünen Umgebung deutlich abheben, dann kann man davon ausgehen, dass sie durch Insekten bestäubt wird, die durch diese Farbgebung angelockt werden.

Samen fliegen mit dem Wind

Bei den Pflanzensamen selbst gibt es dann auch wieder viele Möglichkeiten, wie sie verbreitet werden. Besonders beliebt ist hier wiederum der Wind. Auch das Weidenröschen nutzt diesen Transporteur, indem es die Samen mit Flughaaren versieht, die in früherer Zeit Verwendung fanden zum Flechten von Kerzendochten. Es kann sein, dass sich daraus der Name Stauden-Feuerkraut, den man für das Schmalblättrige Weidenröschen auch verwendet, entwickelt hat. Doch wahrscheinlich kommt der Name eher daher, dass das Weidenröschen sich als Pionierpflanze auf Waldbrandflächen als erste ansiedelt und sehr schnell ausbreitet. Nach dem Krieg war die Pflanze besonders häufig auf den Schutt­halden der zerbombten Städte anzutreffen, was ihr die Bezeichnung Trümmerblume eintrug.

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