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Stürzt sich selbst in eiskalte Fluten: die Wasseramsel

Wasseramsel (Foto: Herwig Winter)
Wasseramsel (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Klare und schnellfließende Gebirgsbäche mit zahlreichen Stromschnellen sind das Metier der Wasseramsel (Cinclus cinclus). Sie ist, obwohl zu den Singvögeln gehörend, ein Wasservogel geworden, so dass sie den ersten Teil ihres Namens vollkommen zu Recht trägt. Doch mit der Amsel hat sie nichts zu tun. Eher hat der schwarzbraun gefärbte Vogel mit dem schneeweißen Kehlfleck von der Größe eines Stars etwas von einem zu groß geratenen Zaunkönig, denn die relativ kurzen Schwanzfedern werden beim Sitzen fast immer nach oben angehoben. Meist landet sie nach kurzem und raschem Schwirrflug dicht über dem Wasser mitten im Bach auf einem Stein, um sich unmittelbar darauf kopfüber in die Fluten zu stürzen. Unter Wasser benutzt sie die Flügel als Schwimmflossen ähnlich den flugunfähigen Pinguinen. Doch sie kann auch am Bachgrund laufen, indem sie die Flügel schräg nach oben anstellt, um von der Strömung nach unten gedrückt zu werden. Legt sie die Flügel an, schnellt sie aufgrund der Luftpolster in ihrem mit Hilfe der großen Bürzeldrüse stets gut gefetteten Gefieder wie ein Korken aus dem Wasser und beginnt sofort wieder zu fliegen. Auf dem Wasser schwimmend sieht man sie kaum. Wozu aber unternimmt sie eigentlich ihre Tauchgänge? Ganz einfach: Sie besorgt sich Kleintiernahrung dort, wo keine andere Vogelart es ihr streitig machen kann. Indem sie kleine Steine am Grund der Gewässer umdreht, findet sie Kleinkrebse und die Larven einer ganzen Reihe von Insekten wie Eintags-, Köcher- und Steinfliegen oder auch Libellen.

Kugelnest stets über fließendem Wasser

Ihr fußballgroßes und ebenso rundes Nest baut sie bereits im März aus Moos und kleinen Ästchen in Nischen unter Brücken, Steinmauern am Ufer oder auch in die Wurzelteller umgestürzter Bäume stets so, dass sich der seitliche, schräg nach unten gerichtete Eingang unmittelbar über dem fließenden Wasser befindet. Die Brut auf den vier bis sechs weißen Eiern, die sich die Partner teilen, dauert rund zweieinhalb Wochen. Die Jungen werden nach dem Schlüpfen etwa drei Wochen lang gefüttert, ehe sie flügge sind. Das Tauchen müssen sie ebenso wenig lernen wie das Fliegen; beides ist ihnen angeboren. Aber üben müssen sie, ehe sie das gleiche Geschick beim Beute machen unter Wasser aufweisen wie ihre Eltern. Deshalb werden sie auch dann, wenn sie schon ausgeflogen sind, noch einige Zeit von den Altvögeln gefüttert, bis diese eventuell je nach Witterung zu einer zweiten Brut schreiten.

Für Feinde fast nicht erreichbar

Feinde haben die Wasseramseln kaum zu fürchten, denn das Nest ist für Nesträuber kaum zugänglich. Und für Feinde aus der Luft bewegt sich die Wasseramsel meist viel zu dicht über der Wasseroberfläche, so dass ein Sperber bei einem Fangversuch unweigerlich ins Wasser stürzen würde. Am ehesten erwischt noch ein Marder einen unerfahrenen Jungvogel, wenn der seine Tauchversuche vom Ufer aus unternimmt. So waren in der Vergangenheit in erster Linie Gewässerverschmutzungen der Grund, dass sich die Wasseramsel mancherorts am Rande des Aussterbens befand. Heute kommt sie fast an allen Bächen bis hin zu den Quellen vor und fehlt nur dort, wo Gewässer immer noch naturfern ausgebaut sind. Als Standvogel stürzt sie sich auch in eiskalte Fluten, und nur völlig zugefrorene Gewässer bei langen und strengen Wintern führen gelegentlich zu Populationseinbrüchen, die aber nach wenigen Jahren wieder ausgeglichen werden.

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Die Fotografien von Herwig Winter dürfen unter Angabe von „(Foto: Herwig Winter)“ zu nicht‑kommerziellen Zwecken verwendet werden. Andere Verwendungen müssen mit Herwig Winter abgesprochen werden.

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