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In Hessen wandert er nicht: Der Wanderfalke

Wanderfalke (Foto: Herwig Winter)
Wanderfalke (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) war in Hessen Mitte des vergangenen Jahrhunderts fast ausgestorben. Ein letztes Brutpaar gab es noch in einem ehemaligen Steinbruch am Neckar bei Hirschhorn, das ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre aber keinen Bruterfolg mehr hatte. Diese prekäre Situation ging im Wesentlichen auf nur eine Ursache zurück, nämlich das in der Land- und Forstwirtschaft ausgebrachte DDT. Dieses Insektizid reicherte sich in der Nahrungskette an und führte damit im Fettgewebe der Endglieder wie dem Wanderfalken zu derart hohen Konzentrationen, dass die infolge dessen viel zu schwach ausgebildeten Eischalen beim Brüten zerbrachen. Ende der 1970er Jahre kam es dann endlich zu einem DDT-Verbot in Deutschland. Ein danach von der Staatlichen Vogelschutzwarte wissenschaftlich begleiteter Auswilderungsprozess war  überaus erfolgreich; mittlerweile brüten in Hessen wieder mehr als 70 Brutpaare.

Vom Felsen- zum Gebäudebrüter

Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Wanderfalken immer dann, wenn sie ihren Brutplatz in Steinbrüchen wählen, mit den dort ebenfalls nistenden Uhus in Konflikt geraten und dabei immer den Kürzeren ziehen, hat dazu geführt, dass die Brutplätze sich mittlerweile überwiegend an Kirchtürmen, Burgen oder talüberspannenden Brückenbauwerken meist in künstlich angebrachten Nisthilfen befinden.

Tauben hat er zum Fressen gern

Der erwachsene Wanderfalke ist gekennzeichnet durch eine dunkelblaugraue Oberseite und eine weiße bis cremefarbene Unterseite mit dunkler Querbänderung. Der schwarze Bartstreif setzt sich von der hellen Kehle scharf ab. Augenring und Beine sind gelb. Auffallend ist der starke Größenunterschied zwischen den Geschlechtern. Das Weibchen kann fast bussardgroß werden, während das deutlich kleinere Männchen nur etwa Taubengröße erreicht. Das hindert den schnellen Jagdflieger aber nicht daran, auch Vögel anzugreifen, die ihn an Größe übertreffen, um sie in blitzschnellem Sturzflug zu erbeuten. Damit ist der unter Brieftaubenzüchtern oftmals verhasste Falke zum beliebten Helfer gegen die Taubenplage in den Städten geworden, denn Tauben sind seine häufigsten Beutetiere.

Wanderfalke-Jungvögel im Dunenkleid (Foto: Herwig Winter)
Jungvögel im Dunenkleid (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Jagdflug-Training mit dem Nachwuchs

Mit der Balz beginnen die Wanderfalken, die in Deutschland Standvögel sind, bereits im Januar. Schon Mitte März erfolgt die Eiablage, wobei der Falke kein Nest gebaut hat, sondern Felsplateaus, Mauernischen oder eigens für ihn konstruierte Brutkästen nutzt. Das Gelege aus meist zwei bis vier Eiern wird in etwas mehr als fünf Wochen ausgebrütet; in weiteren sechs Wochen werden die Jungen flügge. Schon während der Balz, aber vor allem während der Brut jagt ausschließlich das Männchen und versorgt das Weibchen mit Nahrung. Erst wenn die Jungen etwa drei Wochen alt sind, geht auch das Weibchen wieder auf die Jagd. Noch weitere rund vier Wochen, nachdem sie ausgeflogen sind, werden die Jungvögel mit Futter versorgt, wobei die Beute dann oft lebend gebracht und vor den Augen der Jungen freigelassen wird, damit der Nachwuchs die überlebenswichtigen Jagdflüge trainieren kann.

Zu den Feinden des Wanderfalken gehören Nesträuber wie Marder, die sich an den Eiern oder den kleinen Jungvögeln vergreifen. Den Altvögeln ebenso wie den bereits ausgeflogenen Jungvögeln dagegen wird oft der Uhu zum Verhängnis, der nachts auf Beuteflug geht. Die dann auf einem Felsvorsprung schlafenden Falken oder auch brütende Weibchen werden im Schlaf überrascht und erbeutet.

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