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Schon im Januar den Frühling im Herzen: Der Waldkauz

Der Waldkauz (Strix aluco) lässt seinen Balzruf bereits in kalten und klaren Januarnächten ertönen. Unter einem Kauz stellt man sich eher einen kleineren Vogel vor, doch ist der Waldkauz in Deutschland nach dem Uhu die zweitgrößte Eule etwa von der Größe einer Krähe. Obwohl er überall vorkommt, wo es alte Bäume mit offenem Gelände im Umfeld gibt, also auch in Stadtparks, haben die meisten Menschen ihn in freier Natur noch nie gesehen. Denn er ist nachtaktiv und verbringt den Tag in einer Höhle oder im dichten Blätterdach einer Baumkrone versteckt. Das typische Heulen dagegen (am besten umschrieben mit: „Huuh---Huhuhu-Huuuh”) hat sicher jeder schon einmal gehört.

Brutbeginn oft schon im Februar

Der Waldkauz markiert damit sein Brutrevier, das er das ganze Jahr über besetzt hält und in dem er mitunter schon im Februar mit der Brut beginnt. Dafür wählt er sich meist eine Baumhöhle, aber auch Dachböden oder sogar leere Fuchsbauten kommen für ihn in Frage. Das Gelege, das in der Regel aus drei bis vier Eiern besteht, wird ausschließlich vom Weibchen etwa vier Wochen lang bebrütet. In dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Beide Altvögel machen Beute für die Aufzucht der Jungen, die rund 10 Wochen dauert, doch die Fütterung der Jungen ist wiederum alleinige Angelegenheit des Weibchens. Die Jungen verlassen die Bruthöhle oft schon bevor sie richtig fliegen können und klettern dann im Geäst umher. So sind sie vor Feinden besser geschützt, denn wenn beispielsweise ein Marder die Bruthöhle findet, fallen ihm alle Jungvögel auf einmal zum Opfer. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Waldkauz-Weibchen besonders empfindlich und verteidigen ihre Jungen heftig, wobei sie gelegentlich sogar Menschen, die ihrem Nachwuchs zu nahe kommen, angreifen.

Kleinvögel „hassen” auf die Eule

Auf seinem Speisezettel steht so ziemlich alles an Kleintieren, das zu überwältigen der Waldkauz in der Lage ist. Vornehmlich sind das Mäuse und sonstige Kleinsäuger, aber auch Frösche, Kröten, Käfer und selbst Regenwürmer werden nicht verschmäht. Und auch vor Vögeln bis zu Taubengröße macht der Waldkauz nicht halt, was dazu führt, dass Singvögel dem aufmerksamen Beobachter manchmal das Tagesversteck verraten, indem sie mit lautem Gezeter auf die Eule hassen, also auch Angriffsflüge machen, um den Feind aus ihrer Umgebung zu vertreiben.

Geräuschloser Überraschungsangriff

Doch der Feind kommt nachts und dank seines völlig lautlosen Fluges trifft der Waldkauz seine Beute stets unvorbereitet und überraschend. Dabei kommen ihm zwei für Eulen typische Eigenarten zugute: die ausgezeichnete Sehfähigkeit bei schwachem Licht und die noch besser ausgeprägte Hörfähigkeit. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Eulen am Tag nicht blind, sie sehen wahrscheinlich sogar besser als Menschen, nur weniger farbig. Denn in ihrer Netzhaut überwiegen die für das Dämmerungssehen zuständigen Sehzellen, die so genannten Stäbchen. Damit kann sich eine Eule sogar noch bei Sternenlicht sicher im Flug bewegen; bei völliger Dunkelheit sieht sie allerdings auch nichts mehr. Doch ihr Gehör ist so fein ausgeprägt, dass sie das kleinste Geräusch exakt orten und damit selbst eine in der Dunkelheit nicht mehr zu erkennende Maus aufgrund eines Raschelns sicher anpeilen und greifen kann.

Verschluckt Beute mit Haut und Haar

Die Beute wird nicht wie bei Greifvögeln mit dem Schnabel zerkleinert, sondern in der Regel ganz verschluckt. Da Federn, Haare und Knochen ebenso wie Chitinpanzer von Insekten nicht verdaut werden können, formt der Waldkauz wie alle Eulen in seinem Magen Gewölle aus unverdauten Beuteresten. Sie besitzen in etwa die Größe eines Hühnereis und werden vom Waldkauz meist im Flug in seinem Revier verstreut ausgewürgt.

Aufgrund seiner großen Anpassungsfähigkeit sowohl bezüglich seines Lebensraums als auch bezüglich seiner Beute ist der Waldkauz die am häufigsten in Deutschland vorkommende Eulenart und in seinem Bestand derzeit nicht bedroht.

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