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Unsichtbar allgegenwärtig: der Fuchs

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist in ganz Europa verbreitet. Ganz? Ganz! Denn ursprünglich ein eher scheuer Waldbewohner, der die offene Landschaft nur zur Beutejagd aufsuchte, ist er mittlerweile sogar mitten in Großstädten unterwegs, und das keineswegs nur zur Nahrungssuche. Die Scheu vor dem Menschen ist ihm durchaus geblieben, deshalb bekommt man das dämmerungs- und nachtaktive Tier nur sehr selten zu Gesicht. Als Nahrungsopportunist frisst er so ziemlich alles, was der Mensch und die Natur ihm bieten: Von Abfällen aller Art bis hin zu Himbeeren und Brombeeren reicht sein Speisezettel, auf dem aber in der freien Landschaft nach wie vor Mäuse ganz oben stehen. Wenn in seinem Bau drei bis fünf hungrige Junge warten, ist der Fuchs die ganze Nacht hindurch auf Nahrungssuche und kann dann schon manchem Geflügelzüchter oder auch dem städtischen Zoo, dem er die Flamingos und Pinguine einen nach dem anderen holt, sehr lästig werden. Eine ausgewachsene Gans, wie ihm ein allseits bekanntes Kinderlied nachsagt, packt allerdings auch der stärkste Fuchs nicht. Dafür reichen die 7 bis 9 kg Körpergewicht des eher kleinen Beutegreifers aus der Familie der Hunde nicht aus. Nur aufgrund seines buschigen Fells und seines langen, buschigen Schwanzes wirkt er größer und kräftiger, als er eigentlich ist.

Rotfuchsweibchen mit Jungtier (Foto: Herwig Winter)
Rotfuchsweibchen mit Jungtier (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Einzelgänger mit Potenzial zur Gruppenbildung

Im Gegensatz zu den Haushunden als Abkömmlingen der Rudel bildenden Wölfe gilt der Fuchs eher als Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit im Januar und Februar finden die Partner zusammen. Im Zentrum seines bis zu 20 km2 umfassenden Reviers hat der Fuchs einen Bau gegraben, der neben dem Haupteingang immer auch Fluchtausgänge besitzt. Dort kommen meist im Mai die anfangs noch blinden Jungen mit wolligem, graubraunem Fell zur Welt und werden vom Weibchen vier bis sechs Wochen lang gesäugt. Danach verlassen sie erstmals den Bau und besitzen zu diesem Zeitpunkt bereits das fuchstypische, rötlichbraune Fell. Sie werden nun von beiden Eltern noch etwa drei Monate lang mit Nahrung versorgt. Danach ziehen sie, bis sie etwa ein Jahr alt sind, mit ihrer Mutter gemeinsam umher auf der Suche nach Nahrung. Geschlechtsreif werden sie nach rund 10 Monaten.

Erstmals Ende der 1970er Jahre wurde von englischen Wissenschaftlern anhand von Studien nahe Oxford nachgewiesen, dass Füchse auch Familiengruppen bilden. Gerade die Lebensräume in den Städten garantieren ihnen ausreichend Nahrung auf vergleichsweise engem Territorium. Noch ist nicht geklärt, ob das die Ursache für die Entwicklung vom Einzelgänger zum Rudeltier darstellt, zumal es auch im ländlichen Umfeld im Schweizer Jura solche Nachweise gibt. Jedenfalls hat der Rotfuchs ganz offensichtlich das Potenzial für derartige Sozialstrukturen.

Jahrelangen Gaskrieg gut überstanden

Feinde haben die Füchse außer dem Menschen nur wenige. Im Gebirge stellt ihnen der Steinadler nach, ansonsten wird wohl so manch unvorsichtiger Jungfuchs das Opfer des Uhus, der sich mittlerweile überall in den deutschen Mittelgebirgen wieder ausbreitet. Die hohe Reproduktionsrate gepaart mit einer Lebenserwartung von bis zu zwölf Jahren hat dazu beigetragen, dass selbst Vernichtungsfeldzüge, die der Mensch vor allem in den 1970er Jahren durch Jagd und Vergasung der Bauten zur Tollwutbekämpfung gegen den Fuchs geführt hat, seine Population nicht ernsthaft bedrohen konnten.

Weniger schlau, eher vorsichtig

In Märchen und Fabeln ist der Fuchs stets der Listige und Verschlagene, der beispielsweise dem Raben durch heuchlerisches Schmeicheln den Käse abspenstig macht. In Wirklichkeit dürfte das eher umgekehrt sein, denn mit der Intelligenz von Rabenvögeln kann sich ein Fuchs nicht messen. Was ihm zugute kommt und ihm seinen Ruf als Schlaumeier eingebracht hat, ist seine Vorsicht, was ihn für die meisten Menschen nahezu unsichtbar macht.

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