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Scheu und ein Problem für den Wald: das Reh

Das Reh (Capreolus capreolus) gehört zur Familie der Hirsche und ist ihr kleinster in Deutschland natürlich vorkommender Vertreter. Die Männchen tragen ein Geweih, das aus Knochensubstanz besteht und in erster Linie dem ab Anfang Mai stattfindenden Revierkampf dient, bei dem sich die Kämpfer mit den Geweihen ineinander verhakt gegenseitig wegzudrücken versuchen. Das Geweih wird spätestens im November abgeworfen, doch unmittelbar danach entwickelt sich von einer Haut überzogen ein neues.

Rehbock im Bast (Foto: Herwig Winter)
Rehbock im Bast (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Die Haut (der Bast) über den Knochen des Geweihs wird im Frühjahr an Büschen und jungen Bäumen „gefegt” und damit entfernt. Die Männchen, die die besten Reviere erobern konnten, haben auch die größten Chancen bei der Fortpflanzung. Die Paarungszeit ist in unseren Breiten Ende Juli, Anfang August. Die befruchtete Eizelle macht dann eine so genannte Keimruhe bis Dezember, so dass die Rehkitze erst im Mai des Folgejahres geboren werden. Das ist für den Nachwuchs der günstigste Zeitpunkt, denn jetzt ist das Futterangebot am reichhaltigsten und vielfältigsten.

Rehe (Foto: Herwig Winter)
Rehe (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Fast überall zu hohe Bestände

Ohne den biologischen Trick der Keimruhe würden die Kitze in der kalten Jahreszeit geboren und hätten kaum eine Überlebenschance. Denn der Winter stellt für die Rehe unter normalen Bedingungen eine Zeit schwerer Hungersnot dar. Viel stärker als die natürlichen Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Bär reguliert der Winter die Rehbestände, dem vor allem schwache und kranke Tiere zum Opfer fallen. Welche Folge die gut gemeinte, aber unbiologische und meist übertriebene Winterfütterung der Rehe hat, weiß jeder Waldbesitzer. Die allenthalben durchgeführten Fütterungen in der so genannten Notzeit führen zwangsläufig zu überhöhten Rehwildbeständen. Das hat zur Konsequenz, dass kaum irgendwo in Deutschland Jungwald heranwachsen kann, ohne dass er durch Zäune vor dem Verbiss der Knospen und Triebe, an denen sich die Rehe gütlich tun, geschützt wird.

Gut getarnt zu jeder Jahrszeit

Der Fellwechsel der Rehe geht mit einem auffälligen Farbwechsel einher: Im Sommer sind sie rotbraun, im Winter eher graubraun gefärbt. Sie haben damit im Winter nahezu die gleiche Farbe wie die Rinde der Bäume und sind damit zwischen den Stämmen im Wald schwer auszumachen. Aber ist ein rotbraunes Reh auf einer hellgrünen Frühlingswiese nicht doch sehr auffällig? Für uns Menschen ja, nicht aber für die eher farbenblinden natürlichen Feinde. Für einen Wolf muss man sich die Rehszene auf der Frühlingswiese auf einem Schwarzweiß-Film festgehalten denken; der Grauton, den das Fell des Rehs hat, stimmt mit dem Grauton, den die Frühlingswiese aufweist, ziemlich genau überein. Die Tarnung gegenüber dem Wolfsauge ist also perfekt.

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