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Frühaufsteher in frostiger Zeit: die Erdkröte

Erdkrötenmännchen (Foto: Herwig Winter)
Erdkrötenmännchen (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist eine eher unscheinbare Kreatur: Warzige Haut, Grundfarbe braun, bei Männchen manchmal verwaschene, dunkle Flecken und rote Punkte. Apart aber ist die bernsteinfarbene Iris um eine elliptische, waagrecht liegende Pupille. Die Erdkröte ist neben wenigen anderen ein Frühaufsteher unter den Amphibien, die allesamt die kalte Jahreszeit in Winterstarre verbringen. Irgendwo eingegraben unter der Laubschicht im Bereich einer Baumwurzel lag sie mehr tot als lebendig. Die Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung waren auf ein Minimum herabgesetzt, der Stoffwechsel kam nahezu zum Erliegen. Deshalb benötigt eine Erdkröte auch keine ausgedehnte Fettschicht als Vorratsspeicher, denn sie verbraucht kaum Nahrung in der Winterstarre. Wenn sie einen Überwinterungsplatz gewählt hat, der nicht frostsicher ist, dann gefriert ihre Körperflüssigkeit, was für das Tier den Tod bedeutet. Das passiert allerdings erst bei einigen Graden unter Null, denn die Körperflüssigkeit enthält zahlreiche Salze sozusagen als natürliches Frostschutzmittel.

Wanderweg fest programmiert

Als Frühaufsteher kann man die Erdkröte deshalb bezeichnen, weil sie bereits Anfang März aus der Winterstarre erwacht und ihre legendären Wanderungen beginnt. Diese können mehrere hundert Meter, aber auch bis zu drei Kilometer betragen. Die Bedingungen dafür, dass die Kröten wie von Zauberhand alle fast gleichzeitig losmarschieren, sind folgende: Rund 10° C Außentemperatur, Regen, Dunkelheit. Der Wanderweg führt sie allesamt genau zu dem Gewässer, in dem sie ihr eigenes Leben als Laich begonnen haben. Meist schon auf dem Weg treffen die stets in Überzahl vorhandenen Männchen auf ein Weibchen und klammern sich auf dessen Rücken fest. Huckepack geht es dann weiter zum Laichplatz, einem Stillgewässer. Tümpel, Gartenteiche und Fischteiche kommen in Frage. Der Wanderweg und die Entfernung sind durch einen Prägungsvorgang derart fest programmiert, dass es beispielsweise bei einem Straßenneubau quer zu einem Krötenwanderweg keinen Sinn macht, ein neues Laichgewässer diesseits der Straße anzulegen. Es wird von den Kröten nicht angenommen, sie wandern einfach weiter. Zahlreiche Populationen wurden dabei auf stark frequentierten Straßen bereits vernichtet, denn sie laufen sehr langsam, auf allen Vieren, nicht rasch hüpfend wie die Frösche. Das Einzige, was hilft und das Überleben einer Population auf Dauer garantieren kann, sind Amphibienschutzzäune kombiniert mit Amphibientunneln unter der Straßendecke.

Heftiges Gerangel um Geschlechtspartner

Erdkröten-Weibchen mit Männchen im Huckepack (Foto: Herwig Winter)
Erdkröten-Weibchen mit Männchen im Huckepack (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Am Laichgewässer angekommen entbrennt der Kampf der Männchen um die im Vergleich etwas größeren Weibchen. Einer versucht den anderen aus der Huckepackposition zu verdrängen und an seine Stelle zu gelangen. Denn nur wer Huckepack sitzt, kann den Laich, den die Weibchen in langen Gallertschnüren um Uferpflanzen im Gewässer wickeln, mit seinem Samen befruchten. Nur bei der Paarung sind die ansonsten rein nachtaktiven Tiere auch während des gesamten Tages in Aktion und nur zur Paarungszeit gehen sie ins Wasser. Erdkröten sind Landbewohner, aber die Eier müssen dorthin, wo die kiemenatmenden Larven überleben: ins Wasser. Ebenfalls nur in der Paarungszeit lassen sie ihre eher verhaltenen Rufe erklingen, wobei die etwas lauteren, rasch hintereinander ausgestoßenen Rufe der Männchen so genannte Befreiungsrufe darstellen, die sie dann erklingen lassen, wenn sich im Paarungsgerangel versehentlich ein anderes Männchen auf ihrem Rücken festgeklammert hat. Die Befreiungsrufe lassen den Verursacher seinen Irrtum erkennen, woraufhin er sofort loslässt, sein Fehlverhalten also korrigiert.

Von Tausenden überleben nur wenige

Nicht aus allen Eiern schlüpfen Kaulquappen. Viele fallen im März häufigen Nachtfrösten zum Opfer und auch Beutegreifer wie der Bergmolch vergreifen sich gerne daran. Den vegetarisch lebenden Kaulquappen, die meist Algenteppiche von Steinen abweiden, stellen Libellenlarven ebenso nach wie beispielsweise Gelbrandkäfer und deren noch viel gefräßigere Larven. Zwischen 3.000 und 8.000 Eier pro Erdkrötenweibchen machen also Sinn, denn es kommen letztendlich nur einige dutzend durch. Sobald sich die Kaulquappe in eine erwachsene Kröte umgewandelt hat, verlässt sie das Gewässer und lebt fortan an Land, am liebsten in lichten Laubwäldern, aber auch in naturnahen Gärten und Parks. Die Erdkröte ist ihrerseits ein Beutegreifer, der stets nachts auf Beutezug nach Schnecken, Würmern, Spinnen und Insekten geht. Ins Beuteschema passt alles, was sich bewegt, aber möglichst nicht zu schnell. Feinde hat die Erdkröte dank ihrer Giftdrüsen im Bereich der Ohren nur wenige zu fürchten. Das Gift reizt die Schleimhäute der Beutegreifer, so dass beispielsweise ein unerfahrener Jungmarder eine gerade gepackte Erdkröte gleich wieder ausspuckt. Die Ringelnatter lässt sich von dieser Abwehrstrategie allerdings in keiner Weise beeindrucken. Da sie aber meist im Wasser auf Jagd geht, trifft sie eher auf Frösche als auf Erdkröten.

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