Landesdelegiertenversammlung des BUND in Frankfurt fordert sofortige und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz des globalen Klimas - BUND fordert endgültige Stilllegung des AKW Biblis und lehnt geplanten Neubau von Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger ab

Einstimmig verabschiedeten die 120 Delegierten des hessischen Landesverbandes des BUND auf Ihrer Landesdelegiertenversammlung 2007 eine Resolution, in der sofortige und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz des globalen Klimas gefordert werden.

Lesen Sie auf dieser Seite die Resolution und hier die Pressemitteilung zum Thema.

Der BUND Hessen fordert von den im Land Hessen Verantwortung tragenden Politikern und Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Gesellschaft sofortige und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz des globalen Klimas.

Beschluss der Landesdelegiertenversammlung am 31. 03. 2007

Die CO2-Emissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger sind innerhalb der nächsten drei Legislaturperioden in Hessen drastisch zu reduzieren. Es darf keine Genehmigung neuer Großkraftwerke mehr geben, die auf der Basis fossiler Energieträger arbeiten.
Da auch die Atomkraft keinen Ausweg aus der Klimaproblematik darstellt, ist das AKW Biblis als eine der ältesten Anlagen seiner Art in Deutschland mit seinem hohen Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung im Rhein/Main/Neckar-Ballungsraum umgehend endgültig stillzulegen.
Eine zukunftsfähige Energiepolitik, welche dem Agenda-21-Prinzip der Nachhaltigkeit Rechnung trägt, kann alleine auf der Basis regenerativer Energieträger gewährleistet werden. Der BUND Hessen kritisiert die Landesregierung, dass sie der Stromgewinnung aus Windkraft Hindernisse in den Weg räumt, auf die Verlängerung der Laufzeit des unsicheren AKW Biblis setzt und die Energieerzeugung aus Sonne und Biomasse nicht energisch genug vorantreibt.

Der BUND Hessen fordert die hessischen Entscheidungsträger auf, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, von finanziellen Förderprogrammen bis hin zu gesetzlichen Vorgaben, dafür Sorge zu tragen, dass

  • Altbauten saniert und nach modernstem Stand der Technik wärmegedämmt werden und beim Neubau der Passivhausstandard rechtlich vorgeschrieben wird.
  • Strom sparende Elektrotechnik in allen Anwendungsbereichen (wie z.B. Beleuchtung, Klima/Lüftung, Haushaltsgeräten und auch der Produktionstechnik) zum Einsatz gelangt,
  • Kraft-Wärme-Kopplung auf allen Ebenen bis hin zu Privathaushalten zum Einsatz gelangt,
  • Windkraftanlagen an neuen Standorten unter Berücksichtigung ökologischer Belange errichtet und die vorhandenen Standorte durch Repowering gesichert werden,
  • Solaranlagen (Fotovoltaik und Solarthermie) mit Vorrang auf allen dafür geeigneten Dachflächen und Fassaden installiert werden,
  • eine Verkehrswende vollzogen wird durch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, die Schaffung von Städten kurzer Wege, den Ausbau eines attraktiven vernetzten Bahnangebots in der Fläche sowie die substantielle Verlagerung von Verkehren hin zum Umweltverbund aus ÖPNV, Fuß- und Radverkehr,
  • im Automobilbereich (Pkw wie auch Lkw) kurzfristig deutlich effizientere Motoren zum Einsatz kommen,
  • der Flugverkehr drastisch reduziert wird und nach dem Verursacherprinzip die Kosten für die Eindämmung und Sanierung der ökologischen Schäden, die er verursacht, auferlegt bekommt. Unerlässlich und ein erster Schritt ist in diesem Zusammenhang, dass die Befreiung des Flugverkehrs von Mineralölsteuer (Kerosinsteuer) und Mehrwertsteuer aufgehoben wird.
  • Biomassenerzeugung in der Landwirtschaft in dezentralen Energieerzeugungsanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung in dem Umfang zum Einsatz gebracht wird, in dem sie im Rahmen des ökologischen Landbaus und ohne Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion gewonnen werden kann oder als nicht verwertbarer Abfallstoff (Mist, Gülle, sonstige organische Abfälle) anfällt.
  • Forschung im Bereich regenerativer Energietechnik und Energieeffizienz massiv ausgeweitet wird.

Begründung:

In der internationalen Klimaforschung besteht kein Zweifel daran, dass der Klimawandel voranschreitet und sich beschleunigt. Es wird immer augenscheinlicher, dass die von Menschen verursachten Treibhausgase für den größten Teil der bereits beobachtbaren Klimaänderung verantwortlich sind. Der neue Bericht des Internationalen Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC) zeigt: Der Klimawandel ist unbezweifelbare Realität, er äußert sich bereits jetzt in immer mehr extremen Ereignissen wie Hitzewellen und Starkniederschlägen und im beschleunigten Abschmelzen von Gletschern und Eiskappen. Der Bericht macht deutlich, dass sehr rasch und konsequent gehandelt werden muss, damit die globale Erderwärmung nicht stärker als zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten ansteigt.
Seriöse Konzepte für Hessen zeigen, dass innerhalb von zwei Jahrzehnten durch einen Mix aus Energiesparen, Energieeffizienz und Nutzung von erneuerbaren Energiequellen nicht nur auf das Atomkraftwerk Biblis, sondern auch auf Strom aus Großkraftwerken, die mit Kohle oder Erdgas betrieben werden, verzichtet werden kann.

Kontakt

Ansprechpartner ist Michael Rothkegel in der Landesgeschäftsstelle des BUND Hessen.



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