Aus dem einst sumpfigen Hessischen Ried westlich von Darmstadt bis Lampertheim mit ausgedehnten Auwäldern und zur ackerbaulichen Nutzung wenig geeigneten Nasswiesen entstand durch massive Entwässerungsprojekte die heutige Situation. Die Entwässerung des Riedes erfolgte in vielen Etappen von der Rheinbegradigung unter Thula (ab 1817), durch den Bau von Hochwasserdeichen im 19. Jahrhundert und die Entwässerung für den verstärkten Acker- und Feldfruchtanbau und der Siedlungserweiterungen.
Heute ist das Ried geprägt:
- durch unangepasste Bauweisen vieler Siedlungsgebiete
- in Nassjahren nasse Keller (wenn "weiße Wannen" zur baulichen Vorkehrung vor zu hohem Grundwasserstand fehlen und Keller zu tief gegründet wurden) und
- in Trockenzeiten Setzrisse durch den schwankenden Grundwasserstand. - durch Grundwasserförderung durch Industrie und Wasserversorgungsunternehmen, insbesondere in Waldgebieten, absterbende, sich auflösende Waldverbände.
Hier sollte der "Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried" aus den 1990er Jahren helfen. In ihm wurden Mindestgrundwasserflurabstände (zugunsten von Wald und Natur) und Höchststände (für Siedlungsgebiete) festgesetzt. Der BUND und andere Naturschutzverbände wurden bei seiner Aufstellung in einer Arbeitsgruppe des Hessischen Umweltministeriums beteiligt.
Leider entschärfte sich die Problematik nicht, obwohl bei Neugenehmigungen von Wasserrechten die Vorschriften des Planwerkes greifen sollten. Vor allem die Waldauflösung schritt fort.
Hinzu kamen Schadensereignisse für den Wald wie die Luftbelastung und deren Auswirkungen und das verstärkte Auftreten des Waldmaikäfers. Dessen Larven (Engerlinge), die zunächst an Graswurzeln, im zweiten und dritten Jahr aber auch an Baumwurzelwerk fressen, ertranken nicht mehr wie früher, wenn sie im Winter vor dem Frost in tiefere Bodenschichten wanderten.
Daher fordert der BUND: Es muss etwas geschehen, um die Auflösung von 30.000 Hektar Wald zu stoppen und endlich eine Waldsanierung einzuleiten.