Für eine lebendige Werra und Weser – ohne Kaliabwässer

Einleitung im Kalirevier 2006. Heute verläuft sie kaum sichtbar unter der Wasseroberfläche. (Foto: Flussbilder.de)
Einleitung im Kalirevier im Jahr 2006. Heute verläuft sie kaum sichtbar unter der Wasseroberfläche. (Foto: Flussbilder.de)

Wegen des 100-jährigen industriellen Kalibergbaus gehören Weser und Werra zu den am stärksten mit Salz belasteten Flüssen Europas. Bereits im Jahr 1912 wurde das Trinkwasser der Stadt Bremen gefährdet. Der Grenzwert für Chlorid-Ionen am Pegel Gerstungen (Thüringen) übersteigt mit 2.500 mg/l den Grenzwert der Trinkwasserverordnung um das 10-fache. Leicht lösliche Kalisalze gehören weltweit zu den Grundstoffen der Düngemittelindustrie, doch fast ¾ der bergmännisch abgebauten Salze gelten als Abfall und werden vor allem über drei problematische Wege entsorgt:

Die Flüsse Weser und Werra

Die Werra entspringt im südlichen Thüringer Wald. Mit der Fulda bildet sie ab Hann. Münden die Weser, die bei Bremerhaven in die Nordsee mündet. Die Weser ist ca. 430 km lang, rechnet man die Werra-Kilometer hinzu sogar 730 km.

Das Einzugsgebiet der Weser und ihrer Quellflüsse liegt ausschließlich in Deutschland. Der besonderen Verantwortung für dieses Flusssystem werden wir jedoch nicht gerecht. Ein ganz wesentlicher Belastungsfaktor ist der Kalibergbau durch den Konzern K+S.

Versalztes Trinkwasser und verheerendes Artensterben

Versalzenes Trinkwasser (Foto und Grafik: Niko Martin)

Salz wird in Wasser gelöst, aber nicht biologisch abgebaut. Dadurch belastet es die Ökosysteme in der Kaliregion und von Weser und Werra.

Der Kalibergbau gefährdet durch seine Abwässer die Trinkwassergewinnung und die Grundwasserverschmutzung steigt täglich. Eine grundlegende ökologische Besserung ist nicht in Sicht, denn das in den tiefen Untergrund verpresste Salzwasser steigt wieder auf. So musste die thüringische Gemeinde Gerstungen bis zum Jahr 2016 bereits drei ihrer acht Trinkwasserbrunnen wegen Versalzung schließen.

Die Salzmengen zerstören zudem das fragile Süßwasserökosystem der Flüsse. Fische reagieren auf hohe Salzkonzentrationen vermehrt mit Krankheiten, etliche Arten sind ausgestorben. Die Wirbellosenfauna der Werra ging stark zurück und wird heute vor allem von drei salztoleranten Arten dominiert. Nur Werraabschnitte, die geringer salzbelastet sind, bieten Lebensraum für 30-40 Arten. Seit Jahrzehnten ähnelt die Werra mehr einem Salzwasser- als einem Süßwasserfluss.



Die Werra wieder zu einem Süßwasserfluss machen

Der BUND setzt sich dafür ein, dass Weser und Werra wieder zu artenreichen Süßwasserökosystemen werden und die Grundwasserverschmutzung aufhört. Eine nachhaltige Kaligewinnung muss die Wiederherstellung des „günstigen ökologischen Zustands“ nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie ermöglichen. Der BUND fordert deshalb:

Der BUND fordert:

  • Verpressung von Salzabwässern in den Untergrund umgehend stoppen!
  • Bestehende Halden zurückbauen und keine Erweiterung genehmigen!
  • Einleitung von Salzabwässern reduzieren!
  • Werra und Weser müssen wieder zu Süßwasserflüssen werden!

Weitere Informationen

Mehr zur Arbeit des BUND Hessen für eine lebendige Werra erfahren Sie in unseren Pressemitteilungen zum Thema.

Hintergrundwissen

Süßwasser und Salzwasser – ein paar Zahlen

Süßwasser weist normalerweise einen Salzgehalt (Chloridgehalt) bis etwa 20 Milligramm pro Liter auf. In von Menschen beeinflussten Fließgewässern kann die Konzentration auf bis 80 Milligramm pro Liter steigen. Unter dem Eindruck des 2. Weltkriegs wurde für die Werra erstmals 1942 ein Grenzwert von 2.500 mg/l (2,5 g/l) festgelegt. Das ist 25 mal mehr als die  Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) zur Einhaltung des guten ökologischen Zustandes empfiehlt.

Im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sind Grenzwerte, die 25-fach höher liegen, nicht zielführend. Eine Reduzierung der Belastung sowohl der Gesamtfracht, als auch der einzelnen Komponenten (Kalium, Magnesium, Calzium) ist dringend geboten.



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